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XXVII. Atelier de la Concurrence: Wie viel Wettbewerb und Regulierung braucht die Agrarwirtschaft?

Die Frage nach dem Ausmass von Wettbewerb und Regulierung in der Agrarwirtschaft war das lebhaft diskutierte Thema am XXVII. Atelier de la Concurrence vom 22. Februar 2018 in Bern. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden diskutierten über die Herausforderungen eines fairen Wettbewerbs im Agrarbereich.

Die Panelisten stellen sich am Ende des XXVII. Atelier de la Concurrence den Fragen des Publikums.

Die Panelisten stellen sich am Ende des XXVII. Atelier de la Concurrence den Fragen des Publikums.

Marktstruktur als Herausforderungen
Martin Pidoux, Dozent Berner Fachhochschule, referierte über die Margenverteilung in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette und die Gründe der unterschiedlichen Verteilung. Seit 1990 werden die Produktionsmittel stetig teurer, während die Produzentenpreise kontinuierlich abnehmen. Dies führt zu einer wachsenden Preisschere. Ein möglicher Grund ist die Anzahl Unternehmen bzw. Konsumenten der einzelnen Wertschöpfungsstufen. 52‘000 landwirtschaftliche Betriebe und 8 Millionen Konsumenten stehen einigen wenigen Detailhändlern und einigen grossen/mittleren Verarbeitungsbetrieben gegenüber. Die Verhandlungsmacht der Verarbeitungsbetriebe und Detailhändler ist entsprechend gross. Die marktmächtige Stellung der Detailhändler zeigt sich am Marktanteil von Migros und Coop. Die beiden Detailhändler besitzen einen Marktanteil von über 80 Prozent, was sie zu Duopolisten im Schweizer Detailhandel macht.

Marktmächtige Unternehmen im Fokus
Patrick L. Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht, ZWH, erläuterte den Unterschied der horizontalen, vertikalen und konglomeraten Marktmacht. Horizontale Marktmacht besteht zwischen Unternehmen der gleichen Marktstufe (Migros und Coop). Vertikale Marktmacht spielt sich zwischen Unternehmen verschiedener Marktstufen ab (Coop und Bell; Migros und Tilsiter). Bei der konglomeraten Marktmacht geht es um Unternehmen, die nicht auf völlig unterschiedlichen Märkten tätig sind (z. B. Retail und Sportzentren). Krauskopf betonte, dass eine marktbeherrschende Stellung an sich nichts Negatives sei, lediglich der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung sei unzulässig. Dies ist der Fall, wenn kleine Konkurrenten aus dem Markt verdrängt werden sollen oder die eigene Marge (Marktmacht) zulasten vor- oder nachgelagerter Märkte erhöht werden soll.

Starker Wirtschaftsstandort Schweiz
Markus Ritter vom Schweizer Bauernverband sbv-usp) zeigte auf, dass sich in der Lebensmittelindustrie durchaus Geld verdienen lässt. Allerdings verdienen Bauern immer weniger und Konsumenten bezahlen immer mehr. Schweizer Landwirtschaftsbetriebe produzieren Lebensmittelrohstoffe zu einem Marktwert von CHF 10 Milliarden pro Jahr. CHF 6.5 Milliarden müssen sie für Vorleistungen wie Maschinen oder Futter bezahlen. Hingegen geben Konsumenten in der Schweiz CHF 60 Milliarden pro Jahr für Nahrungsmittel aus. Um dieser Problematik entgegenzuwirken sei es wichtig, dem Importdruck entgegenzuwirken und die Position der Bauern als Produzenten zu stärken. Zudem soll die Qualität von Schweizer Produkten gegenüber Konsumenten stärker betont werden.

Angeregte Panel-Diskussion
Unter der Leitung von Patrick L. Krauskopf wurden den Referenten vom Publikum zahlreiche Fragen gestellt. Neben den Referenten nahmen an der Panel-Diskussion Florence Bettschart-Narbel, Verantwortliche für Politik und Recht im Zentralsekretariat der Fédération Romande des Consommateurs FRC, Dominique Kohli, Vizedirektor des Bundesamts für Landwirtschaft BLW, Jürg Maurer, Stv. Leiter Direktion Wirtschaftspolitik beim Migros-Genossenschafts-Bund, und Thomas Zwald, Generalsekretär der CREMO SA, teil. Mit einem grossen Dankeschön beendete Olivier Schaller die Veranstaltung.

Das XXIX. Atelier de la Concurrence zum Thema «Strafrechtliche Verfahrensgarantien vor WEKO und FIN-MA – Quo Vaids?» findet am 11. Oktober 2018 im Volkartgebäude in Winterthur statt.
Hier geht es zur Anmeldung.

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