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«Win-win durch Compliance!» – 3. DACH-Compliance-Tagung

Im Rahmen der 3. DACH-Compliance-Tagung vom 1. März 2019 wurde diskutiert, wie effiziente, intern akzeptierte Compliance-Lösungen ausgestaltet werden können. In diversen Referaten und Diskussionen mit Persönlichkeiten aus der Wissenschaft, Verwaltung und Rechtsprechung sowie aus der Privatwirtschaft wurde aufgezeigt, wie eine solche wirkungsvolle Compliance-Lösung aussehen könnte. Der Anlass zeichnete sich durch einen grenzüberschreitenden Austausch unter Behörden- und Verbandsvertretenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.

"Compliance wird täglich an der ZHAW gelebt."

«Compliance wird täglich an der ZHAW gelebt.»

In seiner Eröffnungsrede hielt der Dekan der SML, Prof. Reto Steiner, fest, dass die Compliance täglich an der ZHAW School of Management and Law gelebt werde. Gerade im Bereich von Weiterbildung, Forschung & Entwicklung sowie Dienstleistungen sei ein Zero-Toleranz-Politik der Hochschule unabdingbar. In diesem Sinn komme der ZHAW auch eine Art Vorreiterrolle zu.

Anforderungen an Compliance Officer
Zu Beginn stellte Prof. Dr. Patrick Boss, Dozent für Angewandte Psychologie an der ZHAW, die wichtigsten Eigenschaften vor, welche ein Compliance Officer mitbringen sollte. Ein Compliance Officer sollte in der Lage sein, eine charakterliche Gratwanderung zwischen «hart» und «herzlich» zu machen, um langfristig erfolgreich in dieser Funktion zu sein. Einerseits muss er als «Polizist des Unternehmens» Autorität ausstrahlen, andererseits sollte er aber auch gegenüber seinen Mitarbeitenden empathisch auftreten. Daran anknüpfend erläuterte Boss, wie ein Bewerbungsprozess für die Position eines Compliance Officer ablaufen könnte. Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf, Leiter des Zentrums für Wettbewerbsrecht an der ZHAW, präsentierte eine laufende Studie zur Frage, ob Compliance-Massnahmen als Strafmilderungsgrund berücksichtigt werden. Im Rahmen dieser Studie wurden Entscheide von Behörden und Gerichten in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz analysiert und ausgewertet. In diesem direkten Ländervergleich zeigte sich, dass Österreich Compliance-Massnahmen am meisten honoriert. Das dritte Referat hielt Christian Schlimok, Geschäftsführer des Strategie- und Designberatungsunternehmens Novamondo GmbH in Berlin. Er führte aus, welche Erfahrungen KMUs mit Compliance-Themen haben und welche Erwartungen diese Unternehmen an zukünftige digitale Compliance-Systeme setzen. Dabei zeigte sich insbesondere, dass ein hoher Bedarf an benutzerfreundlichen, digitalen Compliance-Lösungen besteht.

Das erste Panel zum Thema «Haftungsreduktion durch Compliance-System»  aus Sicht der Behörden und Gerichte animierte zur regen Diskussion.

Das erste Panel zum Thema «Haftungsreduktion durch Compliance-System» aus Sicht der Behörden und Gerichte animierte zur regen Diskussion.

Grenzüberschreitender Diskurs
Im Anschluss an die drei Referate wurde in zwei Panels das Thema «Haftungsreduktion durch Compliance-System» einerseits aus Sicht der Behörden und Gerichte und andererseits aus Verbandssicht diskutiert. Im ersten Panel unter der Moderation von Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf diskutierten Prof. Dr. Andreas Heinemann, Präsident der Schweizer Wettbewerbskommission, Dr. Theodor Thanner, Generaldirektor der Österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde, und Dr. Rolf Raum, Vorsitzender Richter des ersten Strafsenats am Deutschen Bundesgerichtshof (BGH), die Frage, ob sich die Implementierung von Compliance-Massnahmen in einem Kartellrechtsverfahren bei der Bemessung der Sanktion strafmildernd auswirken soll. Dabei wurde einerseits dahingehend argumentiert, dass unternehmensbezogene Compliance-Programme der Regelfall seien und einer solchen Selbstverständlichkeit keine strafmildernde Wirkung zukommen solle. Gegensteuer erhielt dieses Argument durch die Forderung einer unternehmensspezifischen Einzelfallbetrachtung mit der Möglichkeit einer strafmildernden Berücksichtigung von Compliance-Programmen.

Auch aus Verbandssicht wird das Thema «Haftungsreduktion durch Compliance-System» diskutiert.

Auch aus Verbandssicht wird das Thema «Haftungsreduktion durch Compliance-System» diskutiert.

Am zweiten Panel mit verschiedenen Verbandsvertretern nahmen Erich Herzog, Mitglied der Geschäftsleitung von economiesuisse, Dr. Petra Schack, Vorstand des Netzwerks Compliance (Deutschland), Daniel Bühr, Vorstand von Ethics and Compliance Switzerland ECS und Roman Sartor, Vorsitzender des Beirats des Österreichischen Compliance Officer Verbunds ÖCOV, teil. Moderiert wurde das Panel von Dr. Katharina Hastenrath, Dozentin für Compliance an der ZHAW. Einführend wurde bemerkt, dass Compliance-Management-Systeme für KMUs einen gewissen Aufwand darstellen. Nichtsdestotrotz wurde festgehalten, dass Compliance-Massnahmen von strategischer Bedeutung sind (Erhalt der «license to operate») und ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen und kompetitiven Unternehmensführung bilden. Diese Massnahmen sollten deshalb nicht nur im Hinblick auf die Reduktion der Haftung implementiert werden, sondern mit dem langfristigen Ziel, das Unternehmen in allen Aspekten erfolgreich zu führen.

Im Workshop von Marcel Griesinger werde die aktuellen Herausforderungen des neuen Datenschutzrechts besprochen.

Im Workshop von Marcel Griesinger werde die aktuellen Herausforderungen des neuen Datenschutzrechts besprochen.

Acht Workshops – Do it yourself!
Nach der Mittagspause wurden den Teilnehmenden zwei Blocks mit je vier Workshops offeriert. Diese fanden namentlich statt unter der Leitung der ZHAW-Compliance-Dozierenden und CAS-Studiengangverantwortlichen, nämlich Dr. Katharina Hastenrath (MAS Compliance), Dr. Fabio Babey (CAS Compliance Officer), Dr. Rita Pikó (CAS Compliance Investigator), Volker Dohr (CAS IP) sowie Marcel Griesinger (CAS Compliance International). Zweck dieser einstündigen Workshops war es, effektive und effiziente Compliance-Lösungen für den Unternehmensalltag zu erarbeiten. So wurde zum Beispiel mit Dr. Rita Pikó und Martina Klee, Mitglied des Aufsichtsrates der Deutsche Bank AG, diskutiert, welche Rolle der Verwaltungsrat bzw. der Aufsichtsrat bei der Compliance-gerechten Digitalisierung hat. Dabei zeigte sich, dass bei der digitalen Transformation eine enge Zusammenarbeit mit Compliance unvermeidbar ist. Zudem müssen sich die Organmitglieder ein Verständnis für die Digitalisierung erarbeiten. In einem anderen Workshop stellte David Barst, Group Legal, Head Corporate Functions and Legal Operations bei LafargeHolcim, den Erfolgsplan vor, mit dem er die gesamte Compliance-Abteilung umstrukturierte und so das Risikomanagement des Konzerns effizienter und effektiver gestaltete.

Dr. Corinna Klaus-Rüesch während ihres Referats.

Dr. Corinna Klaus-Rüesch während ihres Referats.

Praxisbeispiel: Learnings von der SBB

Dr. Helke Drenckhan gewährt einen Einblick in die Werkstatt für ein Compliance Risk Assessment der SBB.

Dr. Helke Drenckhan gewährt einen Einblick in die Werkstatt für ein Compliance Risk Assessment der SBB.

Nach einführenden Worten von Dr. Corinna Klaus-Rüesch, Chief Compliance Officer der SBB, gab  Dr. Helke Drenckhan, Senior Legal Counsel der SBB, einen Einblick in die Werkstatt für ein Compliance Risk Assessment des Konzerns. Viele Schwierigkeiten gilt es zu meistern: Wichtig ist, dass umfassend Risiken im ganzen Konzern erfasst werden. Das ist für die SBB angesichts der grossen Vielfalt der Geschäftstätigkeit der Divisionen eine besondere Herausforderung. Aus diesem Grund sollen für die einzelnen Divisionen des Konzerns separate Risikokataloge erstellt werden. Um das Business nicht zusätzlich zu belasten, ist die Integration in bestehende Prozesse ein grosses Anliegen. Der Teufel steckt allerdings im Detail und stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Das Projekt befindet sich zurzeit in der Pilotphase und wird voraussichtlich ab 2020 umgesetzt.

Die Absolventen des CAS Compliance Investigator

Die Absolventen des CAS Compliance Investigator

Diplomübergabe und Ausklang
In seinem Schlusswort unterstrich Prof. Jens Lehne, Leiter Abteilung Business Law, die Bedeutung der Compliance für unser Land. Vor diesem Hintergrund komme der ZHAW eine wichtige Rolle zu, via Aus- und Weiterbildung die Compliance zu einem integrierenden und selbstverständlichen Teil des Verhaltens des künftigen Managements zu implementieren. Am Ende der Tagung wurden in einer feierlichen Zeremonie den Absolventen des CAS Compliance International (Leitung: Marcel Griesinger) sowie CAS Compliance Investigator (Leitung: Dr. Rita Pikó) ihre Diplome überreicht.

Die Absolventen des CAS Compliance International

Die Absolventen des CAS Compliance International

Abgerundet wurde die Tagung mit einem Apéro zum informellen Austausch und Networking und einem anschliessenden Dinner mit Kamingespräch im Haus zur Geduld. Dabei stellten sich Prof. Dr. Gabriela Nagel-Jungo, Dozentin der ZHAW und Mitglied des Verwaltungsrats der Liechtensteinischen Landesbank LLB, und Martina Klee, Mitglied des Aufsichtsrats der Deutsche Bank AG, den Fragen von Moderatorin Dr. Rita Pikó, Dozentin für Compliance der ZHAW, und des Publikums. Die Diskussion drehte sich um die aktuellen Herausforderungen im Bereich Compliance und Digitalisierung aus Sicht eines Mitglieds des Verwaltungs- bzw. Aufsichtsrats.

Am Kaminfeuergespräch sprachen die Rednerinnen über aktuelle Herausforderungen im Bereich Compliance und Digitalisierung aus Sicht eines Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieds.

Am Kaminfeuergespräch sprachen die Rednerinnen über aktuelle Herausforderungen im Bereich Compliance und Digitalisierung aus Sicht eines Verwaltungs- und Aufsichtsratsmitglieds.

Die 4. DACH-Compliance-Tagung findet 6. März 2020 in Winterthur (ZHAW) statt.

Auskunft: Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handlesrecht

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