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WIG-Herbstanlass: Innovative Massnahmen gegen den Ärztemangel

Der traditionsreiche WIG-Herbstanlass lockte auch dieses Jahr wieder ein grosses Publikum ins Volkartgebäude. «Wird der Arzt durch andere Gesundheitsberufe ersetzt? Pioniermodelle in Winterthur» lautete der Titel der Veranstaltung.

Die Aula der ZHAW School of Management and Law war am Dienstag, 17. November, bis auf den letzten Platz besetzt. Rolf Zehnder, Präsident des Netzwerks Gesundheitsökonomie und Spitaldirektor des Kantonsspitals Winterthur (KSW), begrüsste die Anwesenden. Was tun gegen Ärztemangel? Dies war die grosse Frage am diesjährigen Herbstanlass des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie. Eine der zahlreichen Möglichkeiten ist es, ärztliche Tätigkeiten durch andere Gesundheitsberufe zu ersetzen. Peter C. Meyer, der Direktor des Departements Gesundheit der ZHAW, eröffnete mit einem Überblick über neue Ausbildungskonzepte und neue Berufsmodelle für nicht-ärztliche Gesundheitsberufe.«Die Health Professionals sind bereit für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben», lautete seine Kernbotschaft.

Innovative Ansätze aus Winterthur
Drei Referenten stellten in Kurzvorträgen Pioniermodelle aus Winterthur vor. Stefan Breitenstein, Direktor des Departements Chirurgie am KSW, präsentierte das Modell «Clinical Nurse». Dieses sieht vor, dass Pflegende einen Teil der ärztlichen Tätigkeiten übernehmen, damit Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für ihre Kernaufgaben haben, insbesondere die Tätigkeit im Operationssaal. Mit Daniela Holderegger sass im Publikum eine solche Clinical Nurse. Sie schilderte eindrücklich, welche Herausforderungen mit diesem Modell verbunden sind und wie diese gemeistert werden können. «Es braucht die Zusammenarbeit aller Berufsgruppen und die Unterstützung der Chefs, sonst geht es nicht», meinte sie.

Spitaldirektor Rolf Zehnder begrüsste die zahlreichen Gäste.

Danach sprach Hannu Luomajoki. Er ist Professor für Physiotherapie am Departement Gesundheit der ZHAW und auch in eigener Praxis tätig. Er machte sich stark für den «direct access» von Physiotherapeutinnen und -therapeuten bei muskoloskelettalen Beschwerden, wie Rückenschmerzen oder Tennisellbogen. «Diese Beschwerden kosten unsere Gesellschaft rund 20 Milliarden Franken pro Jahr.» In anderen Ländern ist es üblich, dass Patienten zuerst zu Physiotherapeuten gehen und diese dann direkt abrechnen können. Schwere Fälle werden an Ärzte weiterverwiesen. Studien und die Erfahrung in anderen Ländern haben gezeigt, dass dies ohne Qualitätseinbusse möglich ist und Kosten gespart werden.

Toni Berthel, ärztlicher Co-Direktor an der Integrierten Psychiatrie Winterthur (IPW) und selber Psychiater und Psychotherapeut machte deutlich, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten ohne Psychologen gar nicht mehr sichergestellt werden sollte. Er hat kein Problem damit, wenn diese auch auf Augenhöhe mit den Ärzten arbeiten. «Wenn wir gut gebildete Leute in verantwortungsvollen Aufgaben wollen, dann müssen wir sie auch entsprechend behandeln.»

Die Podiumsteilnehmer mussten auch kritische Fragen aus dem Publikum beantworten.

Viel Stoff für Diskussionen
In der anschliessenden Podiumsdiskussion, die von Urs Brügger, dem Leiter des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie, geleitet wurde, kam auch das Publikum zu Wort. Es gab auch kritische Voten, namentlich von der Ärzteschaft. Befürchtet wurden Mengenausweitung und ein Sinken der Behandlungsqualität. Die Referenten konnten diese Bedenken grösstenteils entkräften, auch indem sie die auch zukünftig zentrale Rolle der Ärztinnen und Ärzte in unserem Gesundheitssystem betonten. Angeregt durch eine Publikumsfrage entstand auf dem Podium die visionäre Idee, ob man nicht über die Schaffung einer auf die Grundversorgung spezialisierte Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte in Winterthur nachdenken sollte. Rolf Zehnder meinte: «Die Voraussetzungen wären gegeben: ein gutes Spital, eine gute Hochschule und der nötige Pioniergeist.» Die Ideen und Thesen wurden beim anschliessenden Apéro riche ausgiebig diskutiert.

Auskunft: Urs Brügger, Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie

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