WIG Herbstanlass: Wie wird die Digitalisierung unser Gesundheitswesen verändern?

Auch das Gesundheitswesen muss sich der Digitalisierung stellen. Am traditionellen WIG Herbstanlass zeigten Experten die Konsequenzen diese Entwicklung auf.

Roboter in Spitälern, Big Data für die Behandlung von Patientinnen und Patienten, E-Dossier: Die Digitalisierung erfasst auch das Gesundheitswesen. Was wird sich dadurch ändern? Was bedeutet das konkret für die Patientinnen und Patienten sowie für Health Professionals? Welche Chancen und Gefahren sind damit verbunden? Ist das alles nur ein Hype oder wird es unser Gesundheitswesen fundamental verändern? Über 160 Personen strömten am 15. November 2016 in die Aula der SML um am traditionellen Herbstanlass des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie Antworten auf derartige Fragen zu erhalten. Der Anlass wird jeweils vom Netzwerk Gesundheitsökonomie Winterthur (NGW) veranstaltet. Nach der Begrüssung durch Rolf Zehnder, Präsident des Netzwerks und Direktor des Kantonsspitals Winterthur, folgten drei Kurzreferate.

Spitaldirektor Rolf Zehnder begrüsste die Anwesenden. Der Anlass war wie immer gut besucht.

Spitaldirektor Rolf Zehnder begrüsste die Anwesenden. Der Anlass war wie immer gut besucht.

Neue Herausforderungen, die nicht alle meistern können
Prof. Dr. Jürgen Holm, der an der Berner Fachhochschule das Institute for Medical Informatics leitet, zeigte am Beispiel der fiktiven Rentnerin «Elisabeth Brönnimann-Bertholet» auf, welche neuen Möglichkeiten sich durch die Digitalisierung für Patientinnen und Patientinnen auftun. Er sieht dank Einsatz von Sensoren und Robotern sowie der besseren Verknüpfung von Daten grosses Potenzial. «Die Verabschiedung des Gesetzes über das elektronische Patientendossier durch das Parlament im Juni 2015 war ein grosser Durchbruch», konstatierte Holm. Daneben kam er auch auf die Herausforderungen zu sprechen. Insbesondere die Frage des Datenschutzes bleibt ein grosses Risiko: Einerseits können Patientendaten in falsche Hände geraten, andererseits kann zu viel Datenschutz die Entwicklung behindern. Mehr Informationen in seiner Präsentation.

CEO Gregor Zünd will mit dem UZH bei der personalsierten medizinischen Versorgung ganz vorne mitmischen.

CEO Gregor Zünd will mit dem UZH bei der personalsierten medizinischen Versorgung ganz vorne mitmischen.

Danach sprach Prof. Dr. Gregor Zünd, CEO des Universitätsspitals Zürich (USZ). Der Arzt und ehemaliger Leiter Forschung und Lehre des USZ erläuterte die grossen Anstrengungen, welche das Spital unternimmt, um weltweit an vorderster Spitze bei der Entwicklung der so genannten «Precision Medicine» mitzumachen, der personalisierten medizinischen Versorgung. Dazu wurden Kooperationen mit der Uni Zürich und der ETH gebildet und das USZ investiert massiv in die Dateninfrastruktur. Das neue Datawarehouse soll auch mit den Biobanken verknüpft sein und neue Forschungsmöglichkeiten eröffnen. «Diese ist neben dem Aufbau an Know-how der Schlüssel zum Erfolg», so Gregor Zünd. Das letzte Referat hielt Marciel Napierala, CEO und Gründer von Medbase. Seine Firma wurde einst von der Migros übernommen und ist inzwischen zum grössten Anbieter von ambulanten medizinischen Leistungen in der Schweiz geworden. Er prophezeite, dass die Digitalisierung auch den ambulanten Sektor massiv verändern werde: «Einzelne Arztpraxen sind aufgrund der grossen notwendigen Investitionen und fehlendem Know-how nicht in der Lage, diesen Schritt zu bewältigen.» Dem Publikum wurde klar, dass die Migros über Medbase und andere grosse Anbieter bald den Markt dominieren dürfte. Die Präsentation von Marciel Napierala ist bei Prezi abrufbar.

Die Referenten Gregor Zünd, Marcel Napierala und Jürgen Holm sowie Moderator Urs Brügger (v.l.n.r.) sorgten für eine lebhafte Podiumsdiskussion.

Die Referenten Gregor Zünd, Marcel Napierala und Jürgen Holm sowie Moderator Urs Brügger (v.l.n.r.) sorgten für eine lebhafte Podiumsdiskussion.

Patientinnen und Patienten werden profitieren
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurden auch kritische Punkte angesprochen, insbesondere der zu erwartende Nutzen für Patientinnen und Patienten. Institutsleiter und Moderator Prof. Dr. Urs Brügger fragte: «Werden wir nun gesünder oder wissen wir einfach früher und genauer, dass wir krank sind?» Alle drei Referenten äusserten sich überzeugt, dass sich die Situation für die Patientinnen und Patienten verbessern werde. Wirkungsvollere und gezieltere Therapien, präzisere Diagnostik und bessere Prävention werden dadurch möglich. Doch das genaue Potenzial lässt sich im gegenwärtigen Zeitpunkt nur erahnen, da die Entwicklung erst begonnen hat. «Im Vergleich zu anderen Branchen steht man noch am Anfang, insbesondere im Vergleich zur Industrie 4.0. Man braucht nur die vielen Faxgeräte zu erwähnen, die im Gesundheitswesen immer noch im Einsatz sind», meinte Jürgen Holm. Auf die Publikumsfrage, ob die Digitalisierung letztlich die Kosten weiter hochtreiben oder dämpfen wird, konnten die Experten keine abschliessende Antwort geben. Beim anschliessenden Apéro wurde die Thematik weiter eifrig diskutiert. Auch wenn viele Fragen noch offen sind, ist eines klar: Die Digitalisierung wird auch das Gesundheitswesen fundamental verändern. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

Auskunft: Urs Brügger, Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie

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