Wie viel Steuerung benötigt flexibles Lernen?

In seiner Antrittsvorlesung erörterte Prof. Dr. Claude Müller Werder die bisherigen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Blended-Learning-Studiengang Flex.

Das Lehren und Lernen an Hochschulen befindet sich im Wandel: Lernressourcen sind über mobile Endgeräte fast immer und überall verfügbar, computergestütztes gemeinsames Lernen wird zusehends einfacher und die Grenzen zwischen formeller und informeller Bildung verwischen. Die SML hat mit dem Blended-Learning-Studiengang Flex auf diese Herausforderungen reagiert und bietet Studierenden ein zeitlich und örtlich flexibles Studium mit reduzierter Präsenzzeit an. Doch wie wird das flexible Lehren und Lernen didaktisch gestaltet? Wo und wann findet flexibles Lernen überhaupt statt? Wie wird es gesteuert? Und steht Steuerung im Widerspruch zu flexiblem Lernen – oder etwa doch nicht? In seiner Antrittsvorlesung erörterte Prof. Dr. Claude Müller Werder diese Fragen anhand der bisherigen Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitforschung zu Flex. Der Leiter des Zentrums für Innovative Didaktik reflektierte die Befunde anhand des aktuellen Stands der hochschuldidaktischen Lehr- und Lernforschung und leitete daraus Empfehlungen für die Praxis ab.

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«In den ersten beiden Kohorten des Flex-Studiengangs ist Schnitt der Modulnoten sogar etwas höher als bei den Teilzeitstudierenden», sagt Claude Müller.

Teilzeit vs. Flex
Im Flex-Studiengang ist die Präsenzzeit um mehr als die Hälfte reduziert und die Studierenden erscheinen alle drei Wochen zu zweitägigen Unterrichtsblöcken. In der Zwischenzeit können sie sich in einer umfangreichen E-Learning-Umgebung mit Lernvideos, interaktiven Test, Chats und Foren im Selbststudium vorbereiten. Diplom, Dozierende, Lerninhalte und Prüfungen sind identisch mit dem Teilzeitprogramm. Doch haben die Studierenden genügend Disziplin für das selbstständige Lernen und wie schneiden sie bei den Prüfungen im Vergleich zu ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen aus dem Teilzeitprogramm ab? «In den ersten beiden Kohorten des Flex-Studiengangs ist der Schnitt der Modulnoten sogar etwas höher als bei den Teilzeitstudierenden», sagt Claude Müller. «In nur gerade in zwei Modulen ist diese statistisch signifikant, in sieben anderen Modulen liegt eine statistisch signifikante Äquivalenz vor. Insgesamt zeigen die umfassenden statistischen Auswertungen auf, dass Flex-Studierende im Vergleich mit den Teilzeitstudierenden zumindest äquivalente Ergebnisse erzielen.»

Optimierungsdrang und Eigenverantwortung
Trotz des erfolgreichen Starts sind die Begleitforschung und die laufende Anpassung des Studiengangs durch die gewonnenen Erkenntnisse zentral für den langfristigen Erfolg des flexiblen Lernens. Eine Befragung der Dozierenden zeigt, dass es gerade in Modulen, welche Interaktion erfordern,  schwierig ist, die Studierenden zu aktivieren. «Dies steht dem Optimierungsdrang der Studierenden diametral entgegen», sagt ein befragter Dozent. «Es genügt nicht, kurz vor der Prüfung das relevante Material zu sichten. Die Studierenden müssen die Aufgaben während des Semesters Schritt für Schritt bearbeiten.» Definierte Lernpfade und klare Lernziele sollen die Studierenden vor kognitiver Überlastung schützen – ohne Eigenverantwortung gehe es aber nicht, so Müller. «Einzelne Studierende geben sogar an, neben dem Studium 100 Prozent zu arbeiten und das meiste ohne Besuch der Unterrichtsblöcke zu bewältigen.»

Getting started
In seinem Fazit kam Claude Müller-Werder zum Schluss, dass für effektive und effiziente Lehr- und Lernprozesse eine gewisse Steuerung unabdingbar sei – sowohl für Studierende wie auch für Dozierende. «Der didaktische Designprozess für flexible Lernumgebungen ist für Dozierende anspruchsvoll und muss adäquat unterstützt werden», so Müller. «Studierende benötigen ihren Selbstlernkompetenzen angemessenen Support zur Lernaktivierung, -strukturierung und -steuerung.» Mit wachsenden Kompetenzen ist eine externe Steuerung gegen Ende des Studiums immer weniger notwendig. Müller schloss seine Ausführungen mit einem Zitat von Mark Twain, welches nicht nur Studierende motivieren soll: «The secret of getting ahead is getting started.»

Auskunft: Claude Müller Werder, Zentrum für Innovative Didaktik

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