ales "" & is zhaw mitarbeiter: "zhaw_staff"

Wealth Management in der Schweiz: zweite Antrittsvorlesung an der SML

Was an vielen Universitäten Tradition hat, hält auch an der SML Einzug: Neue Professoren stellen sich mit einer Antrittsvorlesung vor. Nach Adrian W. Müller, war am 27. März die Reihe an Hans Brunner.

Über 40 Personen sind der Einladung zur zweiten Antrittsvorlesung gefolgt. Suzanne Ziegler, Leiterin der Abteilung Banking, Finance, Insurance (ABF) stellte den Referenten vor. Hans Brunner, Professor für Banking and Finance, hat an der Hochschule St. Gallen studiert und an der Universität Köln promoviert. Er arbeitete in leitender Funktion bei verschiedenen Schweizer Banken und war CEO der Credit Suisse Fides sowie einer Auslandsbank. Über die Fachhochschule Freiburg fand er seinen Weg nach Winterthur. Suzanne Ziegler lobte insbesondere seine positive Einstellung sowie die Bereitschaft, seine Erfahrungen und sein Fachwissen an Studierende sowie junge Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben.

Ein bedeutender Markt
In seinem Referat schilderte Brunner die Situation des Wealth Managements in der Schweiz, zeigte strategische Optionen für Finanzdienstleister auf und nannte Chancen für die SML, die sich aus den aktuellen Entwicklungen ergeben. Wealth Management hat für die Schweiz eine herausragende Bedeutung. Wichtig seien neben den grössten Player UBS und CS auch „pure players“ wie die Bank Bär oder Pictet. Interessant ist, dass unabhängige Vermögensverwalter einen Marktanteil von 36,6% haben. Die Grossbanken müssten sich fragen, was hier falsch gelaufen sei, da es sich dabei meist um ehemalige Bankberater handle, die sich mit ihren Kunden selbständig gemacht haben. Trotzdem hätten Unviersalbanken dank ihrem breiten Leistungsangebot eine gute Ausgangslage: Kunden mit „bankable assets“ von über einer Million Franken würden häufig eine integrale Beratung wünschen und die Kundenbeziehungen im Private Banking seien meist sehr langfristig. Viele Kundenberater kennen die persönlichen Vermögensverhältnisse ihrer langjährigen Kunden besser als deren Ehefrauen und -männer. Zum umfassenden Dienstleistungsangebot zählen schliesslich auch informelle Dienstleistungen, in der Branche spricht man sinnbildlich von „walking the dog“. Auch hier seien grosse Organisationen im Vorteil.

Veränderte Rahmenbedingungen
Der automatische Infoaustausch führe dazu, dass Kunden in Amerika und Europa nicht mehr so wie bisher betreut werden können. Die Schweiz ist in der Vermögensverwaltung von Offshore-Geldern mit einem Anteil von 26% global führend. Wer in einer so starken Position ist, könne eigentlich nur verlieren. Allerdings sind die häufig postulierten Wachstumsraten in Asien bei genauem Hinschauen gar nicht so gross. Vielmehr sei dies eine Folge der Fokussierung vieler Banken auf diese Region. Grosses Wachstum zeigt sich indes bei sehr vermögenden Kunden mit über 50 Millionen Franken bankable assets, den sogenannten ultra-high-net-worth individual (UHNWI). Der Anstieg bei den UHNWI seit der Krise 2008 sei massiv und inzwischen liege deren Vermögen deutlich höher als zuvor. Dies sei entscheidend wenn man bedenke, dass asset-based fees eine wichtige Ertragsquelle für Banken sind.

Ein Kernprodukt in diesem Segment sei das Financial Planning, wie es im MAS-Studiengang vermittelt wird. Den ganzen Planungsprozess sei vermehrt auch für Offshore-Kunden anzubieten. In diese Richtung müsse sich das Swiss Banking entwickeln. Die Beratungsinhalte seien viel umfassender als in der klassischen Vermögensverwaltung. Die grössten Risiken lägen häufig im rechtlichen Umfeld und seien den meisten Kunden gar nicht bewusst. Das umstrittene Bankkundengeheimnis war ein Wettbewerbsvorteil für Schweizer Finanzdienstleister. Bei aller Kritik und trotz Missbrauch dürfe aber der ursprünglicher Zweck nicht vergessen werden: Als es in den 1930-Jahren eingeführt wurde, ging es vor allem darum, ausländische Kunden in der Schweiz vor dem Zugriff des Dritten Reichs zu schützen. Auch werde es von vielen Staaten kritisiert, weil ihnen dadurch Steuersubstrat verloren gehe. Aus liberaler Sicht könne dies nicht das Problem der Schweiz sein. Die entsprechenden Länder müssten selber für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, damit das Kapital nicht abwandere. So oder so, die hiesigen Banken müssen sich auf den Wegfall des Bankkundengeheimnisses einstellen. Auch wenn Hans Brunner Verständnis für die politischen Forderungen nach neuen Regulierungen äusserte, gab er zu bedenken, dass man die Interessen des Bankenplatzes und der Gesamtwirtschaft nicht ausser Acht lassen dürfe.

Laut Hans Brunner müssen sich die Beratungen im Swiss Banking vermehrt in Richtung Financial Planning bewegen.

Chancen für Hochschulen
Was werden neue Regelwerke wie FIDLEG, FINMAG oder FINIG bewirken? Vieles ist ungewiss, doch als Hochschule sei zu überlegen, was man hier beitragen könne. Beispielsweise haben das Zentrum für Banking & Finance und das Institut für Verwaltungs-Management kürzlich untersucht, welche Konsequenzen es für unabhängige Vermögensverwalter hätte, wenn sie der FINMA unterstellt wären. Das Fazit: Der Initialaufwand für die Vermögensverwalter würde mindestens CHF 70‘000 betragen und es wäre mit bis zu CHF 57‘000 laufenden Kosten pro Jahr zu rechnen. Klar, dass die Grossbanken keine Einwände dagegen hätten, da dies die Existenz vieler externer Vermögensverwalter gefährden würde und sie die Geschäfte zurück gewinnen könnten. Hans Brunner sprach lakonisch von einem „Konjunkturprogramm für UBS und CS“. Jedenfalls eröffnen die neuen Regulierungen den Hochschulen nicht nur Möglichkeiten in der Forschung, sondern auch in der Beratung und Weiterbildung. So z.B. wenn es darum gehe, Mitarbeitende von Grossbanken entsprechend zu schulen. Die intensive Zusammenarbeit mit dem Zürcher Bankenverband sei jedenfalls ein Erfolgsfaktor für die ABF.

Auf die Frage, wie die Bankenwelt in zehn Jahren aussehe, antwortete Brunner, dass er ein Umfeld erwarte, das ähnlich stark reguliert sei, wie vor den massiven Deregulierungen und Liberalisierungen in den 80iger-Jahren. Auch Versicherungen würden das zunehmend zu spüren bekommen. Ein weiteres aktuelles Thema ist die Digitalisierung im Private Banking. Brunner ist der Ansicht, diese stehe noch am Anfang und dass Fintech massive Auswirkungen auf die Bankenwelt haben werde. Sollten Schwergewichte wie Google im grossen Stil ins Geschäft einsteigen, dürfte viele traditionelle Banken keine Chance mehr haben. Das „alte“ Private Banking würde aufhören zu existieren. Die Situation erinnere ihn an die Firma Kodak, welche die Digitalisierung der Fotografie verschlafen habe. Immerhin: Das Vertrauen zwischen Kunden und Dienstleister werde ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben. Auf die Too big to fail Problematik angesprochen, sagte er, es sei bedenklich, dass man dem Management der Grossbanken basierend auf den ungewollten Nebenwirkungen von Regulierungen Erpressungspotenziale gegenüber den politischen Behörden  in die Hände gebe. Unter diesen Umständen sei der Druck, sich zu reformieren, nicht stark genug. Hier seien grosse Fortschritte nötig. Wie er die Situation im Asset Management in der Schweiz beurteile und ob die Hochschule hier nicht zulegen müsse, war die letzte Frage. Hans Brunner gab zu bedenken, dass hierzulande in den letzten 20 Jahren kaum etwas Brauchbares zustande gekommen sei. Offensichtlich ist die Schweiz beim Asset Management im internationalen Vergleich nicht so gut, wie sie es gerne wäre. Die Diskussion wurde beim anschliessenden Stehlunch intensiv weitergeführt.

Auskunft: Hans Brunner, Zentrum für Banking & Finance

was Sie vielleicht auch interessiert...

Hinterlasse eine Antwort