Versicherungsaufsicht in Zeiten von Tiefzinsen und globaler regulatorischer Trends

Die FINMA und ihr Aufsichtsrecht werden oft kontrovers diskutiert. Dr. Peter Giger, Leiter Geschäftsbereich Versicherungen und stellvertretender Direktor der FINMA, referierte am Insurance Circle über die Trends der Schweizer Versicherungsaufsicht.

Die FINMA versucht, dem Regulierungstrend entgegenzuwirken, so Peter Giger.

Die FINMA versucht, dem Regulierungstrend entgegenzuwirken, so Peter Giger.

Grundsätzlich gibt es keinen Zweifel daran, dass Regulierungen in sämtlichen Lebensbereichen zunehmen. Das Thema bewegt viele und so war der Insurance Circle des Zentrums für Risk & Insurance am 27. September ausgebucht. Traditionsgemäss fand die Veranstaltung im ehrwürdigen Club zur Geduld in Winterthur statt. Dr. Peter Giger zeigte in seinem Referat auf, wie die Schweiz bei der Versicherungsaufsicht versucht, dem Trend der steigenden Regulierungsdichte entgegenzuwirken. Gesetze und Verordnungen sollen nicht extensiviert, sondern eher verkürzt werden. Anstatt expliziter Verhaltensnormen bevorzugt die FINMA eine Steuerung der Versicherungsbranche durch in der Regulierung verankerte Handlungsprinzipien – auch wenn dies von den Juristen der Versicherungen nicht stets mit Wohlwollen betrachtet wird. Bei neuen Regulierungen versucht die FINMA tendenziell technologieneutral zu sein.

«Aktive Sterbehilfe»
Im Fokus des Versicherungsaufsichtsrechts sind nicht Aktionäre von Versicherungsunternehmen, sondern die Versicherungsnehmer. Insbesondere im Sanierungsrecht ist das Privileg der Versicherten ersichtlich. Mit gebundenem Vermögen sollen diese trotz Konkurs der Versicherung ordentlich bedient werden, bis zum Ablauf ihrer Police. «Das Sanierungsrecht funktioniert somit als aktive Sterbehilfe», erklärt Dr. Peter Giger.

Kundenschutzbasierte Aufsichtsarchitektur
Inskünftig sollen nicht mehr alle Versicherungsunternehmen durch die Aufsicht gleich behandelt werden. Eine Differenzierung nach Art der Versicherungsnehmer würde dabei Sinn machen. Professionelle Käufer und Erstversicherer bedürfen nicht desselben Schutzes wie Private oder KMU. Sach-, Leben-, Kranken- und Unfallversicherungen werden mit grösstenteils nationalen Regulierungen beaufsichtigt. Industrie- sowie Rückversicherungen (Wholesale) unterliegen künftig durch globale Regeln einer im Vergleich dazu leicht abgeschwächten Aufsicht. Captives, welche Konzernschwestern betreuen, werden Subjekte einer vereinfachten, globalen Regulierung.

Daniel Greber moderierte die Diskussionsrunde mit Peter Giger.

Daniel Greber moderierte die Diskussionsrunde mit Peter Giger.

Momentane Herausforderungen
Prinzipiell sollten die momentanen Tiefzinsen oder das heutige regulatorische Umfeld nicht überbewertet werden. Prognosen sind stets mit Unsicherheit behaftet. «Je weiter in die Zukunft geblickt wird, desto unsicherer sind die Aussagen und Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden können.», erläutert Dr. Peter Giger. Somit gilt grundsätzlich, dass sich Versicherer so positionieren sollten, dass sie auf sämtliche wirtschaftliche Szenarien reagieren können. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind gefragt.

Auskunft: Daniel Greber, Zentrum für Risk & Insurance

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