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Versicherer setzen ORSA regelkonform um – zu schaffen macht die interne Komplexität

Die Selbstbeurteilung der Risikosituation und des Kapitalbedarfs, das so genannte «Own Risk and Solvency Assessment» (ORSA) ist ein wesentlicher Bestandteil des Governance-Systems von Versicherungsunternehmen. Eine Befragung von 36 Schweizer Versicherungsgesellschaften durch die ZHAW School of Management and Law und Mazars zeichnet ein positives Bild von der Umsetzung des ORSA. Die neue Anforderung wurde als Kernelement des «Solvency II»-Standards eingeführt, welcher europaweit einheitliche Solvenzregeln durchsetzt.

Die beaufsichtigten Versicherungsunternehmen sollen im Rahmen des ORSA geeignete Prozesse implementieren, um die aus ihrer Sicht wesentlichen Risiken erfassen, begrenzen und überwachen zu können. Dazu müssen sie vorausschauend über die gesamte verwendete Planungsperiode Szenarien bestimmen, die der individuellen Risikosituation des Unternehmens entsprechen, und deren Auswirkung auf die Schweizer Solvenztest (SST)-Ratio sowie andere Indikatoren auswerten.

Kritik an der mangelnden Realitätsnähe des existenzbedrohenden Szenarios
Den Nutzen des ORSA sehen die befragten Direkt-, Rück- und Krankenversicherer in der Stärkung der unternehmensweiten Risikosicht, der Entwicklung und Berechnung von Szenarien sowie der Stärkung des Risikobewusstseins. Von zwei Dritteln der Befragten wird ORSA als echter Mehrwert angesehen. Allerdings wird der organisatorische Abstimmungsbedarf als sehr hoch eingestuft. Im Vergleich zur ORSA-Studie 2017 hat sich die Priorität der Herausforderungen verschoben. Wie bei der letztjährigen Studie stellt die Definition eines existenzbedrohenden Szenarios die zentrale Herausforderung für die Direkt- und Krankenversicherer dar. Insbesondere die Realitätsnähe der existenzbedrohenden Szenarien wird dabei infrage gestellt. Des Weiteren sind für viele Unternehmen die Bewältigung der Komplexität und die interne zeitliche Abstimmung eine Herausforderung. Unternehmen, die im Rahmen einer Gruppe operieren, haben zusätzlich darauf hingewiesen, dass ORSA primär auf die lokale Einheit ausgerichtet ist, diese aber in die Gruppe eingebettet ist und nicht isoliert gesteuert wird. Vor dem Hintergrund des «Own» im ORSA-Prozess legt die Aufsichtsbehörde viel Wert darauf, dass die Versicherer Sichtweisen verwenden, die für sie selbst in der Geschäftssteuerung relevant sind. Viele Befragte haben in diesem Jahr nebst der SST-Ratio zusätzliche Sichtweisen wie das gebundene Vermögen, den Gewinn oder die Eigenkapitalquote als Indikatoren integriert.

Stärkere Praxisorientierung gefordert
Von der FINMA wünschen sich viele Teilnehmende eine stärkere Praxis- und Prinzipienorientierung. Kritisiert wird die starke Einflussnahme, die als Kontrast zum Prinzip des «Own Risk and Solvency Assessment» angesehen wird. Demgegenüber hegen insbesondere kleinere Unternehmen den Wunsch nach klareren Regeln. Dies zeigt, dass die Ausgestaltung und Weiterentwicklung des ORSA unter Einbeziehung beider Perspektiven, der regulatorischen und der unternehmerischen, erfolgen müssen.

Vorausblickend drängen sich keine dringenden Handlungsempfehlungen auf. Vielmehr stellen sich zwei Fragen: Kann der Nutzen von ORSA als Steuerungsinstrument erhöht werden? Können die Effektivität und die Effizienz der Prozesse verbessert werden? Die vollständige Studie kann unter www.zhaw.ch/zri bezogen werden.

Abbildung 1: Wie beurteilen Sie den Grad der Umsetzung von ORSA innerhalb Ihres Unternehmens? (N=36)

Abbildung 1: Wie beurteilen Sie den Grad der Umsetzung von ORSA innerhalb Ihres Unternehmens? (N=36)

Abbildung 2: Was wünschen Sie sich von Politik und/oder Aufsicht? (N=34)

Abbildung 2: Was wünschen Sie sich von Politik und/oder Aufsicht? (N=34)

Autoren: Angela Zeier Röschmann, Sebastian Barth, Johannes Becker

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