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Tagung Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Compliance als Entscheidungsbarometer

Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht, eröffnete am anfangs Juli die III. Tagung «Compliance bei Stiftungen und Vereinen» mit dem Hinweis, es liege eine schwierige Zeit hinter uns, welche die Werteordnung als zentrales Element der Gesellschaft durcheinandergewürfelt habe. Passend zum Tagungsthema wurde die Frage aufgeworfen: Wie werden Werte in NPO’s in solchen wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten bewahrt und gelebt?

Patrick Krauskopf eröffnet die Online-Tagung

Patrick Krauskopf eröffnet die Online-Tagung

Die Tagung wurde musikalisch umrahmt von Sinéad O’Kelly, Adam Rogala und Thomas Erlank, drei Mitgliedern des Internationalen Opernstudios der Oper Zürich, und erstmals auf Youtube gestreamt mit bisher 182 Downloads (https://www.youtube.com/watch?v=mD3thfm26-Y&feature=youtu.be).

Thomas Erlank - Tenor

Thomas Erlank – Tenor

Sinéad O'Kelly - Mezzosopranistin

Sinéad O’Kelly – Mezzosopranistin

Adam Rogala – Pianist

Adam Rogala – Pianist

 

 

 

 

 

 

 

 

Maria Thestrup – «The Value of Values»

Maria Thestrup mit dem ersten Vortrag

Maria Thestrup mit dem ersten Vortrag

Maria Thestrup, Globale Leiterin des Compliance Office des IKRK, beugte sich auf das Thema «The Value of Values». Als Beschützer der Genfer Konventionen verfolge das IKRK drei ethische Ziele: Schutz, Hilfe und Prävention. Zentral für deren Integrität seien aber nicht nur diese ethischen Ziele, sondern auch die Art und Weise, wie man die Ziele verfolge. Operationale Exzellenz sei dabei ein wesentlicher Bestandteil. Zentral für die heutige Zeit sei, dass Mitarbeiter des IKRK universelle Verhaltenswerte wie Vertrauenswürdigkeit, Respekt und Menschenwürde respektieren. Denn nicht zuletzt ergebe sich das Spiegelbild des IKRK und vieler anderer humanitärer Organisationen aus dem Verhalten der Mitarbeiter und der Organisationsstruktur. Diesen Wert der Intergrität zu schätzen heisst, wenn zwischen dem, was man sagt und dem, was man tut, keine oder nur eine sehr geringe Lücke bestehe.

Eva Ostendarp – «Wertebasierte Compliance – Erfahrungsbericht aus der Seenotrettung»

Eva Ostendarp berichtet aus der Seenotrettung

Eva Ostendarp berichtet aus der Seenotrettung

Eva Ostendarp von SOS MEDITERRANEE Schweiz  präsentierte einen Erfahrungsbericht aus der Seenotrettung. Die Mission sei es im Rahmen des internationalen Seerechts Leben auf See zu retten, Überlebende zu beschützen, zu betreuen und Geschehnisse zu bezeugen oder über diese zu informieren. Die Zielerreichung erfolge in einem stark polarisierten und politisierten Kontext, so dass die zivile Seenotrettung durch rechtliche sowie administrative Massnahmen immer behindert werde. Die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen habe deshalb hohe Priorität.

Um diesem Umstand entgegen zu wirken führe die SOS MEDITERRANEE ein Logbuch, um maximale Transparenz zu erzielen. Darin finde man alle Informationen über die Seerettung sowie auch Interaktionen mit beteiligten nationalen Behörden. Schliesslich fasste Eva Ostendarp zusammen, dass sich die zivile Seerettung in einem dynamischen Kontext bewege, was bedeute, dass man immer wieder Situationen neu bewerten müsse, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Dabei solle man jedoch nie die Langzeitstrategie aus den Augen verlieren – nämlich, Leben zu retten.

Interviews – Compliance schafft Vertrauen

Marc Meyer – Maximilian Diem

Marc Meyer und Maximilian Diem im Interview

Marc Meyer und Maximilian Diem im Interview

Wie die Kunstbranche auf aktuelle Bewegungen wie «black lifes matter» umgehe, beantwortete Herr Meyer, General Counsel des Opernhauses Zürich AG. Es sei Aufgabe der Kunst, diese wichtigen Themen aufzunehmen und zu reflektieren. Dabei habe man sich, genau gleich wie in anderen Branchen, an die rechtlichen Rahmenbedingungen zu halten. Das Arbeitsgesetz spiele eine grosse Rolle betreffend beispielsweise Höchstarbeitszeiten. Es habe sich eine langjährige Praxis der Zusammenarbeit zwischen Direktion und Künstlern entwickelt, die eine einfache Befolgung des Gesetzes ermögliche. Fundraising und Sponsoring seien des Weiteren zentrale Themen der Compliance. Man achte dabei ganz genau darauf, woher das Geld stamme und ob die Geldgeber die Werte vertreten, die das Opernhaus vorlebt. Ein Background-Check der potenziellen Geldgeber sei heutzutage Standard.

Lisa Mazzone – Patrick Krauskopf

Ständerätin Lisa Mazzone - Liveschaltung aus Genf

Ständerätin Lisa Mazzone – Liveschaltung aus Genf

Ein Complianceverstoss in der Privatwirtschaft gerate oft durch ein «mea culpa» in Form einer Schadenersatzzahlung schnell in Vergessenheit. In der Politik genüge dies aber oft nicht und es könne sogar zum Ende einer Karriere kommen. Ständerätin Lisa Mazzone betonte, wie wichtig Transparenz für das Vertrauen zwischen den Politikern und der Öffentlichkeit sei. Vor allem entspräche dies dem Milizsystem in der Schweiz, wo man vielfach neben dieser Tätigkeit noch weitere Engagements in NGO’s oder in der Privatwirtschaft habe. Wie geht man aber mit solchen Interessenkolissionen um? Ständerätin Mazzone unterscheidet dabei zwischen Mandaten oder Engagements, in denen man private Interessen und solche, in denen man gemeinsame Interessen vertrete. Sie selbst habe bisher noch kein derartiges Dilemma erlebt, weil sie primär in NPO’s tätig sei, die dieselben Werte und dieselbe Meinung wie sie vertreten. Grossen Wert lege sie auf Offenlegung des Interessensspektrums während der Wahlkampagne, so dass das Wahlvolk genau weiss, was von ihr als Ständerätin erwartet werden darf.

Olivier Schaller – Katharina Hastenrath

Olivier Schaller und Katharina Hastenrath im dritten Praxisinterview

Olivier Schaller und Katharina Hastenrath im dritten Praxisinterview

Die Sichtweise der Behörden gab Herr Olivier Schaller, Vize-Direktor des Sekretariats der Wettbewerbskomission. Es stellt sich die Frage, ob NPO’s überhaupt unter das Kartellgesetz fallen. Gemäss Herr Schallers Ausführung ist das Kartellgesetz nicht nur auf juristische Personen, wie AG’s und GmbH’s anwendbar, sondern auch auf NPO’s, die auf dem Markt Dienstleistungen oder Güter anbieten. Die beste Art, um Compliance-Verstössen entgegenzuwirken oder eine Strafminderung zu erreichen, sind natürlich Compliance-Systeme. Diese dürfen aber nicht nur formell bestehen, sondern müssen de facto gelebt werden. Die WEKO wirft da ein besonderes Augenmerk darauf, indem sie schaut, ob beispielsweise entsprechende Schulungen regelmässig durchgeführt wurden, ob diese wiederum intern einer Kontrolle unterstanden und ob dies dokumentiert wurde. Diese Dokumentation dient schliesslich als Beweismittel für eine potenzielle Minimierung der Bussenhöhe.

Panel-Diskussion

Patrick Krauskopf moderierte die Paneldiskussion und ging mit den Panelisten der Frage nach dem Spannungsfeld des Sponsorings und der Compliance nach.

Von links nach rechts: Michel Rudin, Salome Zimmermann, Hans-Peter Nehmer, Volker Dohr

Von links nach rechts: Michel Rudin, Salome Zimmermann, Hans-Peter Nehmer, Volker Dohr

Hans-Peter Nehmer, Head of Corporate Communications & Corporate Responsibility Allianz Suisse, achtet dabei vor allem auf die Reputation des potenziellen Partners. Man gehe dabei primär darauf ein, ob es zur Corporate Responsibility der eigenen Unternehmung passt. Der Background-Check wird klassisch vom Compliance-Team als Due Dilligence Prüfung durchgeführt. Dabei recherchiere man auch auf Social Media.

Salome Zimmermann, Co-Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz LOS, vertrat den Standpunkt, dass zwischen Unternehmen und NPOs eine Übereinstimmung der Erwartungen stattfinden müsse. Dabei spiele eine offene Fehlerkultur eine wichtige Rolle, weil nur durch Transparenz überhaupt Vertrauen aufgebaut werden könne.

Michel Rudin, Co-Präsident von Pink Cross, ist der Meinung, dass Unternehmen und NPOs gar zwei Sprachen sprechen. Es sei oftmals eine Übersetzung nötig. Hierfür müsse man von Anfang an die Absichten offenlegen und ehrlich miteinander umgehen. Um Compliance Verstösse zu verhindern, sei es wichtig, dass im Vorstand ein breites Knowhow über Finanzen und Recht bestehe.

Volker Dohr, Studienleiter und Dozent an der ZHAW School of Management and Law, fügte hinzu, dass man sich eine Compliance-Kultur nicht anlernen könne. Dies hänge vom Vorleben ab, das man in der Unternehmung hinsichtlich der Wertetreue selbst erlebt hat. Er ist überzeugt davon, dass auch kleine NPOs die Compliance bewältigen können. Dafür benötige man primär eine professionelle Dokumentation und die Orientierung an den eigenen Werten, die man vertritt.

Fabio Babey – «Wie werden Werte einer Organisation eruiert und etabliert?»

Fabio Babey mit dem Abschlussreferat

Fabio Babey mit dem Abschlussreferat

«Zwischen den Worten und Taten liegt das Meer». So begann Fabio Babey, Stellvertretender Leiter des Zentrums für Wettbewerbs- und Handelsrecht, das Abschlussreferat. In der Praxis treffe dies leider häufig auch auf die Wertediskussion und Umsetzung bei Unternehmen zu. Werte im Unternehmen seien das Ergebnis unternehmensinterner, dynamischer Entwicklungen, was einer regelmässigen Reflexion bedürfe. Die Umsetzung dieser Werte erfolge im besten Fall nicht nur durch die Führungsetage, sondern auch durch die Mitarbeitenden, was aber nur funktioniere, wenn die Mitarbeitenden tatsächlich und persönlich von diesen Werten überzeugt sind. Ansonsten ergäbe sich eine «Copy-Paste»-Wiedergabe der Unternehmenswerte, was natürlich überhaupt nicht zielführend sei. Zentral sei dabei die Rolle des Managements im Unternehmen.

Die nächste Veranstaltung «Compliance bei Stiftungen und Vereinen» findet nun schon traditionell am 01.07.2021 statt. Alle Interessierten sind bereits heute herzlich eingeladen.

Auskunft: Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht