Nachhaltige Unfallprävention bei der Suva: Heute und in Zukunft

 

Wie erfolgt nachhaltige Unfallprävention? Am Insurance Circle der ZHAW School of Management and Law sprach Felix Weber, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SUVA über die Tätigkeit des grössten Unfallversicherers der Schweiz.

Felix Weber erläutert am Insurance Circle den Ansatz der Suva zur nachhaltigen Unfallprävention

Felix Weber erläutert am Insurance Circle den Ansatz der Suva zur nachhaltigen Unfallprävention

In der Schweizer Versicherungslandschaft hat die Suva eine Sonderstellung. Sie ist eine autonome öffentlich-rechtliche Anstalt die gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) bestimmte Industrien und Teile der Verwaltung obligatorisch versichert. So sind heute rund die Hälfte der Arbeitnehmenden in der Schweiz bei der Suva versichert. Angeschlossen sind rund 128’000 Unternehmen – was eine Fünftel aller Betriebe entspricht – und die Prämieneinnahmen belaufen sich jährlich auf etwas mehr als 4 Mia. Schweizer Franken. Am Insurance Circle der ZHAW School of Management and Law sprach Felix Weber, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SUVA über die Tätigkeit des grössten Unfallversicherers der Schweiz. «Die Suva steht finanziell auf eigenen Beinen und die Gewinne fliessen zurück an die Versicherten», erklärte Felix Weber.

Ein Gewinn für Arbeitnehmende und Arbeitgebende
Das Versichertenkollektiv der Suva setzt sich ausschliesslich aus Arbeitstätigen zusammen – von Lernenden bis zu angehenden Pensionären. Das Modell Suva umfasst Versicherung, Prävention und Rehabilitation. In diesem Zusammenhang betreibt die Suva auch zwei Kliniken in Bellikon/AG und Sion/VS, die auf Berufsunfälle spezialisiert sind. Ein wesentliches Anliegen der Suva ist, verunfallte möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess integrieren zu können. Die Erfolgsquote liegt aktuell bei 80 Prozent. Davon profitieren in erster Linie die Betroffenen selber aber natürlich auch ihre Arbeitgeber und das Umfeld.

Aktuelle Herausforderungen – veränderte Lebensgewohnheiten
Die Suva bearbeitet pro Jahr rund 180’000 Berufsunfälle. Diese Fallzahlen nehmen seit einigen Jahren ab, was vor allem mit der Automatisierung und verbesserten Sicherheitsstandards zusammenhängt. Im Gegenzug dazu nehmen die Freizeitunfälle zu; aktuell rund 500’000 pro Jahr. Dies wiederspiegelt auch einen gesellschaftlichen Wandel: Heute verfügen die Leute über mehr Freizeit und die nötigen Mittel, um Freizeitaktivitäten nachzugehen und andererseits ist Stress am Arbeitsplatz ein Treiber für mehr und intensivere Freizeitbeschäftigungen. Dabei ereignen sich die meisten Unfälle beim Sport und Spiel, wobei hier insbesondere Fussball und Skifahren besondere Risiken darstellen.

Schwerpunkt Prävention
In der knapp 100-jährigen Unfallerfahrung der Suva hat sich insbesondere die Präventionstätigkeit als zentraler Steuerhebel zur Verhinderung und Vermeidung von Unfällen erwiesen. Eine zentrale Erkenntnis in der Unfallforschung ist dabei, dass zwischen Wissen und Tun häufig eine grosse Lücke entsteht. Dabei stellte der Referent die grundlegende Frage in den Raum: «Wie bringt man die Leute dazu, sich anders zu verhalten?». Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Die einen basieren auf Vorgabe und Kontrolle (Mitarbeitende müssen) und die anderen auf Überzeugung und Einsicht (Mitarbeitende wollen). Genau am letzten Punkt möchte die Suva ansetzen und Präventionskampagnen spielerisch ausgestalten. So hat die Suva etwa Spiele zu Präventionsthemen entwickelt, die vor allem Lernende ansprechen soll. Diese Berufsgruppe verunfallt überdurchschnittlich häufig, weil sie häufig über weniger Erfahrung verfügt. «Es braucht eine Präventionskultur, die auch Spass macht», sagte Weber zum Abschluss.

Links:

http://www.stolpern.ch

https://www.suva.ch/de-ch/praevention

 

Die Entstehung der SUVA
Der erste Versuch zur Einführung einer obligatorischen Unfallversicherung scheiterte 1900 auf Bundesebene. Den Gewerkschaften ging die Vorlage zu wenig weit, die Bauern hingegen befürchteten, dass die Versicherungspflicht auch für sie gelten würde und lehnten sie deshalb ab. Nach einem der aufwändigsten Abstimmungskämpfe in der Geschichte des Bundesstaates wurde 1912 das Kranken- und Unfallgesetz vom Volk angenommen. Dieses Gesetz beinhaltete die Errichtung einer staatlichen Monopolversicherungsanstalt. Die sogenannte Schweizerische Kranken- und Unfallversicherungsanstalt, welche unter Oberaufsicht des Bundes gestellt wurde, nahm ihre operative Tätigkeit erst nach dem Ersten Weltkrieg 1918 auf. Zwischenzeitlich diente das eigens errichtete Hauptgebäude in Luzern als Klinik für Kriegsverletzungen. Durch die Einführung der Suva verloren manche privaten Versicherungsanbieter rund zehn Prozent ihrer jährlichen Versicherungseinnahmen.

 (Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz; Swiss Re, 2013).

Auskunft: Matthias Erny, Zentrum für Risk & Insurance

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