Sustainability Reporting auch für NGOs?

Sustainability Reporting ist im Rahmen des Integrated Reporting für börsenkotierte Unternehmen bereits etabliert. Auch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) als kritische Stakeholder sind Adressanten solcher Berichte. Sucht man auf deren Websites eigene Nachhaltigkeitsberichte, wird man hingegen selten fündig.

von Dr. Helene Eller

Nachhaltigkeit (engl. sustainability) hat seit dem Brundtland-Report aus dem Jahr 1987, den die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen unter dem Titel «Our Common Future» veröffentlichte, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis einen hohen Stellenwert bekommen. Nachhaltigkeit wurde demzufolge als «eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können» definiert.

Bild NGO

Eine Organisation soll ökonomische, ökologische und soziale Ziele verfolgen
In der Wissenschaft wird der Begriff der Nachhaltigkeit kontrovers diskutiert. John Elkington hat jedoch mit dem «Triple Bottom Line»-Accounting in den Neunzigern ein erstes bedeutsames Tool zur Messung der Nachhaltigkeit entwickelt. Nachhaltigkeit in diesem Sinne bedeutet, dass eine Organisation zusätzlich zu ihren ökonomischen Zielen auch ökologische und soziale Ziele verfolgen sollte. Beim Reporting bieten einschlägige Frameworks Unterstützung, um eine solche Nachhaltigkeit nach einem einheitlichen Standard darzustellen. Eines der bedeutsamsten Reporting-Frameworks ist die «Global Reporting Initiative», kurz GRI. Die Anwendung dieser Reporting-Leitlinie ist freiwillig, daher ist diese vor allem aufgrund der Kosten eher bei grossen Konzernen bzw. Organisationen anzutreffen.

Diese haben verstanden, dass es nicht ausreicht, ihren zahlreichen Stakeholdern nur finanzielle Informationen zur Verfügung zu stellen, sondern dass sie auch über ökologische und soziale Belange ihrer unternehmerischen Aktivitäten im Rahmen eines integrierten Reportings Rechenschaft ablegen müssen. Ein Blick in die Jahres- bzw. Geschäftsberichte zeigt jedoch, dass der Umfang der finanziellen Berichterstattung, welche in erster Linie für Kapitalgeber interessant ist, im Vergleich zu einem Nachhaltigkeitsbericht noch wesentlich umfassender ausfällt. Die Ziele einer Nachhaltigkeitsberichterstattung können unterschiedlich sein: vom reinen Greenwashing oder Marketing bis zur ehrlichen, glaubhaften Berichterstattung, die schliesslich auch mit unternehmerischen Nachhaltigkeitszielen in Verbindung steht.

Nachhaltigkeitsberichterstattung – für NGOs uninteressant?
Zu den Anspruchsgruppen von Unternehmen gehören auch NGOs, welche die Aktivitäten, zum Beispiel von multinationalen Konzernen, scharf beobachten. Jene kritischen Gruppen haben sicher auch dazu beigetragen, dass Nachhaltigkeitsthemen in das Bewusstsein von Konzernmanagern gelangt sind. Wie sieht es aber mit ihrer eigenen Nachhaltigkeit aus? Während sich Profit-Organisationen ihre Glaubwürdigkeit für nachhaltig produzierte Produkte und Leistungen durch Nachhaltigkeitsberichte sichern, leitet sich die Glaubwürdigkeit von NPOs häufig daraus ab, dass sie aufgrund ihrer Nicht-Gewinnerzielungsabsicht bzw. der Verfolgung ihrer Mission Aufgaben übernehmen, die weder der Staat noch marktwirtschaftlich orientierte Unternehmen anbieten können. Es stellt sich die Frage, ob das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung für NPOs/NGOs uninteressant ist, weil sie eben «nur» diese Dienstleistungen erstellen und Nachhaltigkeit eher im Lichte des nachhaltigen Ressourcenverbrauches steht. Die Berechtigung dieser Frage bestätigt auch ein Blick auf die Subsection des Reporting-Frameworks GRI, in welcher NPOs freiwillig ihre Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen können: Die Liste der Organisationen, welche ihre Berichte nach diesen Richtlinien publizieren, ist im deutschsprachigen Raum noch sehr überschaubar. Auch gibt es kaum vorhandene Literatur resp. Forschung zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung bei NPOs/NGOs. Schade, denn besonders jene NPOs – und vor allem NGOs –, welche in kritischer Distanz die Aktivitäten grosser Konzerne im Fokus haben, müssten mit gutem Beispiel vorangehen und für ihre eigene Organisation das Thema Nachhaltigkeit aufnehmen. Zumal auch NPOs über ausgelagerte Hilfsbetriebe unternehmerische Aktivitäten entwickeln können, sodass die Fragen der Nachhaltigkeit jedenfalls auch diese betreffen würde. Mit umfänglichen Reports könnten sie nicht nur als Vorbild für gewinnorientierte Unternehmen dienen, sondern auch glaubhaft Nachhaltigkeit von ihnen einfordern.

Die Autorin forscht aktuell zum Thema Nachhaltigkeitscontrolling/Nachhaltigkeitsreporting für mitgliedschaftliche NPOs/NGOs.

Kontakt: Dr. Helene Eller, Institut für Financial Managemet

was Sie vielleicht auch interessiert...

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>