Studie zur vorausschauenden Risikobeurteilung der Versicherer

Das «Own Risk and Solvency Assessment» (ORSA) ist bei Schweizer Versicherungen mehrheitlich implementiert, aber noch wenig in die Entscheidungsprozesse eingebettet. Dies zeigt eine Studie der ZHAW School of Management and Law und Mazars.

ZHAW_Mazars_Orsa_Studie_2017-1_TitelMit der Richtlinie Solvency II hat die Europäische Union das Versicherungsaufsichtsrecht grundlegend reformiert. Als eines der Kernelemente dieser Richtlinie definiert das Own Risk and Solvency Assessment (ORSA) eine Reihe von Prozessen zur Entscheidungsfindung und strategischen Analyse. Konkret geht es darum, die unternehmenseigenen Risiken und die Eigenmittelausstattung (Solvabilität) kontinuierlich und vorausschauend zu beurteilen. In der Schweiz hat die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) Grundlagen für diese vorausschauende Selbstbeurteilung definiert, welche unter anderem eine umfassende Analyse der wesentlichen Risikoszenarien über mindestens drei Planjahre verlangt. Die neuen Anforderungen wurden 2016 erstmalig umgesetzt.

Unterschiede zwischen den Aufsichtskategorien
In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsprüfungs- und beratungsunternehmen Mazars hat das Zentrum für Risk & Insurance (ZRI) der SML 36 Versicherungsunternehmen zum Stand der Umsetzung befragt. «Unsere Studie zeigt, dass die meisten befragten Unternehmen Orsa zwar weitgehend implementiert, aber noch zu wenig in ihre Entscheidungsprozesse einbezogen haben», sagt Studienleiterin Angela Zeier Röschmann vom ZRI. «Dabei haben wir Unterschiede zwischen Erst-, Rück- und Krankenversicherungen festgestellt.» Während rund 60 Prozent der Rückversicherer angeben, Orsa vollständig in ihre Organisation und Prozesse integriert zu haben, sind es bei den Krankenkassen 36 Prozent und bei den Erstversicherungen 27 Prozent. 18 Prozent der Erstversicherer geben sogar an, mit der Umsetzung noch ganz am Anfang zu stehen.

Formulierung des Risikoappetits
Als grösste Herausforderung bei der Implementierung sehen die befragten Versicherungsunternehmen den Planungshorizont von mindestens drei Jahren, die Einbettung der Orsa-Prozesse in bestehende Prozesse sowie die Identifizierung und Quantifizierung von existenzbedrohenden Szenarien. Am stärksten hat Orsa die Formulierung von Risikoappetit und -toleranz tangiert. Kranken- und Direktversicherer verweisen zudem auf das Asset Management. Demgegenüber steht bei den Rückversicherern die Dividendenplanung stark im Fokus. Positiv beeinflusst zu haben scheint ORSA bereits die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und den Dialog zwischen Bereichen und Hierarchien.

Wunsch nach mehr Praxisorientierung
Künftig wünschen die befragten Unternehmen eine stärkere Praxisorientierung, mehr Konstanz und eine stärkere Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips seitens der Aufsicht. Unter den grösseren Versicherern gibt es auch Stimmen, die sich eine stringentere Anlehnung an Prinzipien wünschen. Abhängig vom Entwicklungsstand des Risikomanagements stehen Schweizer Versicherer nun vor unterschiedlichen Herausforderungen. Während bei einigen Versicherern die Abbildung der Mehrjahresplanung und Sensibilisierung der Entscheidungsgremien im Fokus steht, geht es bei anderen um die Etablierung von Orsa als Steuerungsinstrument.

Zur Studie

Auskunft: Angela Zeier Röschmann, Zentrum für Risk & Insurance

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