Treffsichere Wirtschaftsstudenten

Stefan Freivogel, Kevin Jud, Filip Maros und Michal Svajlen sind Stammspieler bei Pfadi Winterthur und studieren an der SML. Ab Samstag, 15. April, kämpfen sie im Playoff gegen den HC Kriens-Luzern um den Finaleinzug. Die ersten 100 SML-Studierenden können gratis dabei sein.

Vor dem Eingang des Volkartgebäudes treffen wir gut gelaunte SML-Studenten. Pfadi Winterthur hat als Tabellenzweiter gute Karten, das Finale gegen die Erzrivalen aus Schaffhausen zu erreichen. Zudem ist der Prüfungsstress noch fern. Dass es aber nicht einfach ist, Spitzensport und Studium unter einen Hut zu bringen, bestätigen alle vier. Besonders gilt das für Nationalspieler Michal Svajlen: «Oft sind während der Prüfungsvorbereitung Länderspiele, dann bleibt kaum Zeit zum Lernen. Bei wichtigen Terminen im Studium bekommt man auch mal trainingsfrei, doch bei Spielen kann und will man nicht fehlen.» Während dem Semester könne man sich meist gut arrangieren, ergänzt Kevin Jud. «Fixe Prüfungstermine sind für uns aber am schwierigsten. Es wäre toll, wäre man da flexibler». Dass dies aber nicht einfach so geht, wissen die Handballer natürlich.

Stefan Freivogel (vorne) wünscht sich mehr Flexibilität: «Es geht nicht darum, sich möglichst einfach durchs Studium zu schlängeln. Wir wollen aber beides: Bildung und Sport auf hohem Niveau.»

Stefan Freivogel (vorne) wünscht sich mehr Flexibilität: «Es geht nicht darum, sich möglichst einfach durchs Studium zu schlängeln. Wir wollen aber beides: Bildung und Sport auf hohem Niveau.»

Während ein Teilzeitstudium wegen des Abendtrainings für die vier kein Thema ist, könnte das neue FLEX-Modell die Lage verbessern. «Ich habe im Assessment-Jahr so studiert und ich finde das super», so Kevin Jud. «Es erleichtert vieles, wenn man sich die Zeit selber einteilen kann.» Natürlich, erfordert es Selbstdisziplin und Organisationsfähigkeit. Das sind aber Qualitäten, welche Spitzensportler ohnehin kultivieren.

Warum die SML?
Die vier sind nicht die ersten Pfadi-Spieler, die an der SML studieren. «Wir wussten also, dass es geht», sagt Kevin Jud, der Wirtschaftsinformatik studiert. «Neben den kurzen Wegen hat der gute Ruf der ZHAW eine Rolle gespielt», ergänzt Stefan Freivogel. Er kam von GC Amicitia nach Winterthur und absolviert an der SML den Marketingmaster. Michal Svajlen hat an der Uni Zürich ein Rechtsstudium begonnen, was aber nicht das richtige gewesen sei: «Über 1000 Studenten in einer Vorlesung, das hat mir nicht gepasst. Die Klassenverbände an der SML liegen mir eher.» Letztlich waren es auch bei ihm die kurzen Wege, die den Ausschlag gaben. «Es sind bei uns allen dieselben Komponenten», so Filip Maros. «Wir wohnen, spielen und studieren hier. Das ist eine optimale Lösung.» Kurze Wege sind entscheidend, denn täglich trainieren sie bis zu zwei Stunden in der Halle, dazu kommen individuelle Kraft- und Lauftrainings sowie Therapien, wenn man verletzt oder angeschlagen ist.

Kevin Jud (hinten): «Als Leistungssportler sind wir es gewohnt, uns zu organisieren sowie Trainingspläne und -ziele zu haben. Das hilft auch im Studium.»

Kevin Jud (hinten): «Als Leistungssportler sind wir es gewohnt, uns zu organisieren sowie Trainingspläne und -ziele zu haben. Das hilft auch im Studium.»

Der lange Schatten von König Fussball
Kann man in der Schweiz vom Handball leben? Die vier verziehen das Gesicht. «Als Student sicher», sagt Michal Svajlen nach einiger Zeit. «Man bekommt ein gutes Sackgeld. Will man aber eine Familie gründen, wird es schwierig.» Stefan Freivogel sieht es entspannter: «Würden wir Teilzeit arbeiten, dann ginge es ganz gut.» «Es ist nicht überall gleich», ergänzt Filip Maros. «Bei uns oder Schaffhausen ist es möglich, Profi zu sein. Wir haben Spieler, die voll auf diese Karte setzten. Bei kleineren Teams ist das schwierig. Man hat aber nicht viel auf der Seite, wenn man mit 35 aufhört. Das ist im Fussball anders.»


Wer unterstüzt seine Kommilitonen im Halbfinale? Am Samstag, 15. April, geht es um 17:00 Uhr los mit dem Heimspiel in der Eulachhalle gegen den HC Kriens-Luzern. Für die ersten 100 SML-Studierenden, die an der Kasse ihre CampusCard zeigen, ist der Eintritt gratis. Alle weiteren bezahlen 10 Franken. Let’s go Pfadi!


«Vielleicht müssten wir uns besser vermarkten und stärker in den Medien präsent sein», so Filip Maros (vorne).

«Vielleicht müssten wir uns besser vermarkten und stärker in den Medien präsent sein», so Filip Maros (vorne).

Dass es Handball in der Schweiz schwer hat, sieht man an den Zuschauerzahlen. Bei Pfadi liegt der Saisonschnitt etwas über 500. Wie könnte der Sport populärer werden? «Die Nationalmannschaft müsste mehr Erfolg haben», glaubt Michal Svajlen. «Der Stellenwert von Profisport ist aber allgemein tief», so Stefan Freivogel. «Fragt mich jemand nach meinem Beruf, antworte ich, dass ich Handballer bin. Dann folgt meist die Frage, was ich sonst noch mache. Profisport findet hierzulande wenig Anerkennung. Das ist in Deutschland oder den USA anders. Dabei müsste auch in der Schweiz genügend Geld für den Sport da sein.» Die Begeisterung bei der Schweizer Bevölkerung für den Handballsport sei wohl tiefer als anderswo, glaubt Kevin Jud. «Mein Bruder spielt in Konstanz in der zweiten Bundesliga und die haben rund 1300 Zuschauer. Das ist ein Volksevent da. Die Leute gehen wie selbstverständlich am Samstagabend zum Spiel. Das kennt man bei uns nicht so.» Liegt das an der Konkurrenz durch andere Sportarten? «Das fragen wir uns auch», sagt Filip Maros. «Wieso hat der FC Winterthur im Abstiegskampf 3000 Zuschauer, während wir als Zweiter nur rund 500 haben?» «Bei GC konnte ich verstehen, wenn die Leute in Zürich am Samstagabend anderes zu tun hatten, als in die Saalsporthalle zu kommen», so Stefan Freivogel. «Ich habe aber erwartet, dass sich in Winterthur aufgrund der Tradition mehr Leute für Pfadi begeistern. Leider wissen viele, die ich treffe, nicht mal, was Pfadi ist. Das hat mich überrascht. Ich dachte, in Winti kennen uns alle.» Bei den Heimspielen habe es aber vor allem ältere Zuschauer, welche die glorreichen Zeiten in den 90er Jahren miterlebt haben sowie die Junioren des Klubs. Die Altersgruppen dazwischen sind kaum vertreten.

Das Leistungsgefälle in der NLA ist zu gross», ist Stefan Freivogel überzeugt. «Man weiss schon Anfang Saison, wer um den Titel spielt, und in der Abstiegsrunde geht es oft um nichts mehr.» Die Pausen zwischen den Spielen sei zu lang, ergänzt Michal Svajlen. «Ich glaube, die Saison wird künstlich in die Länge gezogen. Man könnte sie verkürzen, wie im American Football.» Auch seien die Ansprüche in der Eulachstadt hoch, betont Kevin Jud: «Das Winterthurer Publikum weiss, Pfadi erreicht mit grosser Sicherheit die Playoffs. Darum kommt während der Saison nur der harte Kern zuschauen.»

«Ich glaube, wir müssen vermehrt nicht nur die Spiele, sondern den Event, das Erlebnis vermarkten, insbesondere dann mit der neuen Halle», so Michal Svajlen.

«Ich glaube, wir müssen vermehrt nicht nur die Spiele, sondern den Event, das Erlebnis vermarkten, insbesondere dann mit der neuen Halle», so Michal Svajlen.

Playoff-Dramatik hautnah
Im letzten Spiel konnte Pfadi erstmals in dieser Saison Titelverteidiger Schaffhausen besiegen. «Die sind immer besonders heiss, wenn sie gegen uns spielen. Das ist das Derby, dass alle interessiert», so Stefan Freivogel. Man müsse da sehr konzentriert sein, erklärt Filip Maros: «In Topspielen sind es oft Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden.» Wie stehen also die Chancen im Playoff? «Wir kommen garantiert ins Finale», prophezeit er selbstbewusst, aber mit einem Augenzwinkern. «Wir wollen den Titel unbedingt», ergänzt Stefan Freivogel. «Wir warten schon lange darauf. Letzte Saison haben wir drei oder vier Saisonspielen gegen Schaffhausen gewonnen, doch das Finale 0:3 verloren. Dieses Jahr machen wir es umgekehrt.»

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