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Smart Donating – Digitalisierung im Fundraising

Trotz Digitalisierung: Ende Jahr landen immer noch zahlreiche physische «Bettelbriefe» in den Briefkästen der potenziellen Spenderschaft. Ein Schweizer Start-up-Unternehmen hat nun eine Applikation entworfen und will mit der ZHAW School of Management and Law Smart Donating in der Schweiz etablieren.

von Helene Eller

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In den letzten Jahren gab es eine Welle technischer Innovationen, die das Geldspenden vereinfachen. Dazu gehören beispielsweise Online-Formulare, die verschiedene Zahlungsmöglichkeiten integrieren, SMS-Services oder auch Smartphone-Apps. All diese Funktionen bieten schon länger auch die meisten grossen Spendenorganisationen an. Eine Statistik der Stiftung ZEWO, die gemeinnützige Organisationen zertifiziert, zeigt allerdings: Aktuell beträgt der Spendenanteil über solche neue Kanäle insgesamt noch weniger als 1 Prozent. Der grösste Teil der Spenden wird auch heute noch über das klassische Direct Mailing, den postalischen Spendenbrief mit Einzahlungsschein, gesammelt.

Der Nachteil dieser technischen Innovationen ist, dass diese für kleinere Organisationen im Moment noch relativ kostspielig sind. Zudem sind diese Neuerungen NPO/NGO-zentriert, d. h. die Spenderin oder der Spender muss selber die jeweilige Homepage der Organisation separat aufsuchen. Wenn jemand durchschnittlich an drei verschiedene Organisationen spendet, müssen drei verschiedene Websites konsultiert werden. Verbunden mit dem Zeitaufwand, der anfällt, um sich auf der jeweiligen Seite zurecht zu finden, ist das kein effizientes Vorgehen.

Crowdfunding bis heute
Im Bereich des «donation-based crowdfunding» (Crowddonating) gibt es in der Schweiz bereits einige Plattformen, wie z. B. «wemakeit», «I believe in you», «100-Days», «Lokalhelden.ch» etc. All diesen Plattformen ist jedoch zu eigen, dass auch diese auf die Bedürfnisse der Spendenempfangenden ausgerichtet sind. Spendewillige Personen müssen jeweils selbst Projekte oder Plattformen ausfindig machen, um zu spenden oder sie werden via soziale Medien oder sonstige Informationskanäle zum Spenden eingeladen, sofern sie nicht bereits in den jeweiligen Communities bekannt sind. Die Empfangenden sind zudem bis anhin häufig Privatpersonen – und nicht die klassischen Spendenorganisationen.

Die Innovation
SmartDonate AG, ein Schweizer Start-up-Unternehmen, hat sich als erste Organisation den Komfort für Spenderinnen und Spender zur Aufgabe gemacht. Dazu wurde eine Mobile-Applikation entwickelt. Das Innovative an dieser Spenden-Plattform ist, dass alle Spenden an etablierte Spendenorganisationen digital und zentral an einem Ort abgewickelt werden können. Die Hilfswerke präsentieren dabei sich selbst und ihre Projekte, welche dann den Spenderinnen und Spendern, basierend auf deren Präferenzen, vorgeschlagen werden. Ende Jahr können Spendenbestätigungen über alle getätigten Spenden und Empfängerorganisationen bequem via diese Plattform ausgedruckt werden. Gemeinsam mit dem Start-up verfolgt die ZHAW School of Management and Law das Ziel, Smart Donating bei der spendenwilligen Bevölkerung in der Schweiz zu etablieren. Die klassische Form des Spendens via Direct Mailing soll auf die neuen Gewohnheiten hin angepasst werden – mit zahlreichen Vorteilen:

  • Spenderinnen und Spender können durch regelmässige Updates (Fotos, Artikel etc.) zu den von ihnen unterstützten Projekten kostengünstig und effizient informiert werden.
  • Die teilnehmenden Organisationen können selber über ein Tool, Informationen für ihre Zielgruppen bereitstellen.
  • Der Wegfall von physischen Spendenbriefen (Direct Mailings) bringt neben finanziellen Einsparungen für Druck, Porto etc. auch ökologische Vorteile. Zudem sind Spendenaufrufe auch zu unvorhergesehenen Ereignissen – etwa Naturkatastrophen – rasch umsetzbar, weil sich die Organisation den Weg über Druck und Versand erspart.
  • Getätigte Spenden werden in aggregierter Form wöchentlich oder monatlich weitergeleitet. Damit wird der Verarbeitungsaufwand einzelner Spenden für die Organisationen signifikant reduziert, was Kleinspenden wiederum attraktiver macht.
  • Durch die plattformseitige Analyse des individuellen Spendenverhaltens können Projekte auch gezielt bei Spendenden beworben werden. Die Daten der Spender werden, abhängig von der individuellen Präferenz, ganz oder teilweise an die Organisationen weitergeleitet. Der Kontakt mit den Spendenden auf der Plattform ist jedoch jederzeit möglich.
  • Spenden können auch wiederkehrend getätigt werden oder es kann auch ein Prepaid-Guthaben gekauft werden, welches nach und nach im Jahr an verschiedene Organisationen gespendet wird.

Das Forschungsprojekt
Im Rahmen eines Forschungsprojektes soll nun der gesamte Prozess des Fundraising inkl. vorgelagerter und nachgelagerter Kommunikation digitalisiert werden. Die Ansatzpunkte in dem Forschungsprojekt sind einerseits die Spendenorganisationen, die spendenwillige Bevölkerung, welche auch bereit ist, digital zu spenden, und das elektronische Tool. Zur Erfüllung des Forschungsauftrags, für welchen auch ein Antrag für nationale Forschungsfördermittel gestellt wurde, sind einige Spendenorganisationen bereits eingeladen worden, im Rahmen eines Pilotprojekts Erfahrungen im Umgang mit einem digitalisierten Spendenprozess zu sammeln. Ein Prototyp der Plattform inkl. der Applikation wurde bereits entwickelt und wird in Kürze in die Testphase starten. Der Projektplan sieht vor, dass SmartDonate dann zur Hauptspendenzeit im November einem breiten Publikum zur Verfügung steht.

Für Fragen zum Forschungsprojekt stehen Dr. Helene Eller als Research Partner (helene.eller@zhaw.ch) und Yves Weber, Gründer des Start-ups SmartDonate AG (yves.weber@smartdonate.ch), gerne zur Verfügung.