ales "" & is zhaw mitarbeiter: "zhaw_staff"

Praxisleitfaden für Integrationsmanagement bei M&A: Gut besuchte Buchvernissage

SML-Dozent Markus Braun hat gemeinsam mit Stephan Bergamin ein Fachbuch zu Merger und Akquisition verfasst. Im Rahmen einer Buchvernissage am 29. Oktober in der Aula des Volkartgebäudes stellten die Autoren ihr Werk persönlich vor.

Warum gelingen manche Firmenübernahmen und andere nicht? Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist das Integrationsmanagement. Dr. Markus Braun, Leiter Geschäftsentwicklung und SML-Dozent hat gemeinsam mit Dr. Stephan Bergamin, CFO der Gearbulk Management AG, ein Fachbuch zum Thema verfasst, das kürzlich im Verlag NZZ Libro erschienen ist. Über 100 Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am 29. Oktober an der Buchvernissage im Volkartgebäude teil. Prof. André Haelg begrüsste die Anwesenden herzlich. Zunehmende Globalisierung, tiefe Zinsen, volle Kriegskassen, der Wunsch nach Wachstum oder Manager, die in die nächste Lohnklasse aufsteigen wollen: Dies sind einige wichtige Treiber für Fusionen. Doch die Risiken von Merger & Acquisitions (M&A) werden oft unterschätzt. Über 50 Prozent der M&A-Transaktionen scheitern. Warum das so ist, ergründen die Autoren in ihrem Werk. Mit zahlreichen Praxisbeispielen machen sie ihre Überlegungen anschaulich und plausibel. «Man merkt, dass hier Wissenschaft für die Praxis am Werk ist», so André Haelg. «Ein gutes Beispiel angewandter Forschung, wie sie von Fachhochschulen betrieben wird.» Die SML hat in den vergangenen Jahren über 2500 «Intellectual Contributions» geleistet, wofür er sich bei allen Autorinnen und Autoren bedankte.

_DSC6933

Markus Braun zeigt den idealtypischen Prozess eines M&A auf und erklärt, welche Phasen besonders wichtig sind.

Geeignete «Captains» mit motivierter Mannschaft
Die beiden Autoren verbindet eine gemeinsame Zeit bei der Swissair. Insgesamt waren sie im Verlauf ihrer Karrieren bei über 20 nationalen und internationalen Transaktionen im Wert von über zwei Milliarden Franken beteiligt. Dies in ganz unterschiedlichen Branchen wie Anlagenbau, Logistik, Pharma oder IT. Markus Braun war sichtlich stolz, sein Buch nach einjähriger Arbeit in Händen zu halten. Das Thema M&A bezeichnete er als «Quelle der Freude» in seiner bisherigen Karriere. Anhand der Phasen Strategieentwicklung, Screening (Suche nach Kandidaten bzw. «Targets»), Verhandlungen, Close the Deal und Post-Merger-Integration zeigt er den idealtypischen Prozess eines M&A auf. Er erwähnt die wichtigsten Aspekte der einzelnen Phasen und ihre Bedeutung, wobei die Strategieentwicklung inklusive Festlegung der Vision beispielsweise viel wichtiger für den langfristigen Erfolg sei, als der Übernahmepreis. Gerade in der ersten Integrationsphase müssten geeignete Führungspersonen identifiziert werden, da sonst viel Unheil angerichtet werden könne. Zudem gelte es, die «Mannschaft» auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, was ebenfalls sorgfältige Vorbereitung erfordert. Wichtig in diesem Zusammenhang sei ein Anreizsystem, das zielgerichtet auf alle Stufen angepasst ist. Ganz zentral sei die Bewältigung kultureller Unterschiede und des Integrationsprozesses.

M-and-A_Extract_Modell_neu

Mit Integrationsmanagement zu Performance-Transformation: M&A-Modell der Autoren.

Modell für die Praxis
Stephan Bergamin stellte sodann das Konzept des Integrationsmanagements vor, einem wichtiger Bestandteil des Fachbuchs. Er bedankte sich bei jenen Anwesenden, die mit ihren Inputs zur Entwicklung des Modells beigetragen haben. Das Modell zur Performance-Transformation umfasst fünf Schritte, auf die Stephan Bergamin jeweils kurz einging. Bei der Institutionalisierung der Integrationsverantwortung sei entscheidend, dass das operative Management die Verantwortung übernehmen. «Diese Aufgabe kann nicht an eine Stabstelle delegiert werden», stellt er klar. Beim Vollziehen der Performance-Transformation stehe die Nutzung der Synergien im Zentrum. Allerdings gebe es hier kein Patentrezept. Es gibt erfolgreiche Beispiele sowohl für sehr locker wie auch für sehr straff geführte Integrationen. Erfolgreiche Firmen würden aber ganz gezielt nach Möglichkeiten zu solchen Transformationen suchen. Stephan Bergamin nannte das Beispiel der ABB, die sich mit der Übernahme der US Firma Ventyx vom traditionellen Anlagebauer zum integrierten Systemanbieter weiterentwickeln konnte. So schaffen es Spitzenunternehmen, die Energie eines Integrationsprozesses im ganzen Unternehmen zu entwickeln und das Wachstums-Momentum zu nutzen. Wichtig sei eine Kombination von raschen Entscheidungen (bei wichtigen Problemen) und sorgfältiger Planung. Talente pflegen, lautet der nächste Schritt. Das Talentmanagement ist gerade bei Small und Mid Caps entscheidend. Bereits während der Due Diligence sollten die Schlüsselpersonen identifiziert werden. Auch hier sind rasche Entscheidungen sowie Transparenz wichtig, um Unsicherheiten und eine Lähmung der Organisation zu verhindern. Der letzte Schritt des Modells bildet das Integrationsmonitoring, was eine konsequente Führung erfordert. Management und Mitarbeitende müssen die neuen Ziele mittragen. Schliesslich ist es wichtig, dass sich das Unternehmen nicht zu lang mit sich selbst beschäftigt, sondern rasch zum Tagesgeschäft zurückkehren kann. Die Fallbeispiele und Checklisten im Buch bieten Orientierung für die praktische Anwendung des Modells.

_DSC7009

“Es ist entscheidend, dass Management und Mitarbeitende die neuen Ziele mittragen”, so Stephan Bergamin.

Das Schlusswort gebührte Dr. Philip Robinson, Verwaltungsratspräsident EY Schweiz AG. «Der Erfolg einer Integration entscheidet sich im operativen Geschäft», sagt er. Es seien also Personen für den Erfolg entscheidend, die im Normalfall kaum mit solchen Vorgängen vertraut sind (keine Spezialisten). Natürlich lasse sich Spezialwissen einkaufen, doch der Erfolg entscheide sich an der Front. Auch deshalb sei ein handliches Buch zum Thema, das Orientierungshilfe bietet, sehr nützlich. In diesem Sinne gratulierte er den Autoren zu einem gelungenen Werk. Das Buch fand regen Zuspruch. Rund 50 Exemplare wurden an diesem Abend verkauft.

Auskunft: Dr. Markus Braun, Stab

was Sie vielleicht auch interessiert...

Hinterlasse eine Antwort