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Portfoliorisiken managen mit Hedge Funds

Im Vordergrund der 14. Investor Fachtagung Hedge Funds stand das Management von Portfoliorisiken. Bei der Wahl zwischen liquiden und illiquiden Anlagen gehen die Meinungen der Experten auseinander.

Wie lassen sich Risikomanagement und -kontrolle so in den Anlageprozess integrieren, dass das Risiko ein ausschlaggebender Faktor in der Entscheidungsfindung ist? Inwiefern kann das Management von Portfoliorisiken mit Hedge Funds einen wichtigen Beitrag zur Erzielung von risikoadjustierten Überrenditen leisten? Was ist der Nutzen von positionsbasierter Risikoanalyse im Kontext eines Hedge Fund Portfolios? Antworten auf diese und weitere Fragen lieferten Experten an der Investor Fachtagung Hedge Funds. Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter von Pensionskassen und institutionellen Investoren aus den In- und Ausland waren trotz hochsommerlichen Temperaturen der Einladung von Prof. Dr. Peter Meier gefolgt. Der Leiter der Fachstelle Asset Management aus dem Institut für Wealth und Asset Management begrüsste die Teilnehmenden im ConventionPoint in Zürich.

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Mark Dieringer, Head of Alternatives und External Mandates bei Novartis empfiehlt auf Quants (Big Data) und liquide Macro Strategien zu setzen, während Equity Long/Short, Fixed Income und CTA Strategien vermieden werden sollten.

Mit liquiden Anlagen und gutem Timing zum Erfolg
Zu Beginn sprach Mark Dieringer, Head of Alternatives und External Mandates bei Novartis, über den Einsatz von Liquid Alternatives. Mit Vermögenswerten von CHF 13 Milliarden gehört Novartis zu den grossen institutionellen Investoren im Segment Alternative Investments. Zwischen 2013 und 2016 wurde in diesem Bereich eine relative Outperformance von 10.9% erzielt. Gleichzeitig verdoppelten sich die von seinem Team verwalteten Vermögen auf CHF 3.3 Milliarden. «Hedge Funds repräsentieren rund 9.8 Prozent des Portfolios», sagt Dieringer. «Das Timing der Entscheidung, Commodity Long-Only in Long-Short Positionen zu switchen, hat sich gelohnt. Das positive Nettoergebnis von CHF 169 Millionen kann sich sehen lassen.» Insgesamt belief sich in diesem Zeitraum der positive Nettobeitrag der alternativen Anlagen auf das Gesamtergebnis auf CHF 466 Millionen. Im Hedge Fund Bereich empfiehlt Mark Dieringer, vor allem auf Quants (Big Data) und liquide Macro Strategien zu setzen, während Equity Long/Short, Fixed Income und CTA Strategien vermieden werden sollten.

Erfolgreich mit illiquiden Anlagen

Daniel Schnyder von der GF Pensionskasse erachtet illiquide Anlagen nicht grundsätzlich als gefährlich.

Daniel Schnyder von der GF Pensionskasse erachtet illiquide Anlagen nicht grundsätzlich als gefährlich.

Im Gegensatz zu Mark Dieringer erachtet Daniel Schnyder illiquide Anlagen nicht grundsätzlich als gefährlich. Der Leiter Portfolio Management bei der Pensionskasse Georg Fischer blickt auf über 20 Jahre Erfahrung im Unternehmen zurück. «Mit 58 Prozent Rentneranteil an den Gesamtversicherten sind wir eine Rentnerkasseͭ», sagte Daniel Schnyder, Leiter Portfolio Management bei der Pensionskasse Georg Fischer. «Da unser grösstes Risiko darin besteht, die Renten nicht bezahlen zu können, halten wir den Deckungsbeitrag mit 112.5 Prozent überdurchschnittlich hoch.» Alternative Anlagen machen mit 14.3 Prozent des Gesamtvermögens ebenfalls einen überdurchschnittlichen Anteil aus. Das Spektrum an alternativen Asset Klassen ist breit gefächert, wobei Hedge Funds allerdings fehlen. Im Vordergrund stehen dagegen Senior Secured Loans (3.1%), gefolgt von Insurance-Linked Positionen mit 2.9%. «Im Bereich Private Equity und Collateralized Loan Obligations konnten wir seit Ende 2010 eine markante Outperformance erzielen», so Schnyder. Der Anteil der Private Equity Anlagen beträgt zurzeit 2.1 Prozent und soll weiter ausgebaut werden.

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«Günstige Fonds rentieren konstant besser als teure, was natürlich auch Hedge Funds betrifft», sagt Marco Bagutti, Leiter Kapitalanlagen der Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

Mind the Fees
«Mir eilt offenbar der Ruf voraus, Hedge Funds nicht zu mögen», sagte Marco Bagutti, Leiter Kapitalanlagen der Stiftung Auffangeinrichtung BVG, mit einem Augenzwinkern. Aufgrund ihrer besonderen Aufgaben hat die Sozialpartnerstiftung eine eingeschränkte Risikofähigkeit. So muss sie unter anderem das BVG Obligatorium, die Verwaltung von Freizügigkeitskonten und die Risikoversicherung für Arbeitslose sicherstellen. «Deshalb drängt sich eine Absolute Return Strategie in Abhängigkeit der Reservesituation und des gegebenen Zinsniveaus auf», so Bagutti. Einprägsam erläuterte der Referent, dass die hohen Verpflichtungen bei der Asset Allokation zu hohen Geldmarktanteilen führen. «Mind the Fees», lautete seine Schlussbotschaft an die Zuhörer. «Günstige Fonds rentieren konstant besser als teure, was natürlich auch Hedge Funds betrifft.»

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«Unabhängige Risikoanalysen schaffe wertvolle Transparenz», ist Pascal Woerlen, Alternative Investments Spezialist bei Pictet Alternative Advisors, überzeugt.

Unabhängige Risikomanagementanalysen
Pascal Woerlen, Alternative Investments Spezialist bei Pictet Alternative Advisors, vermittelte in seinem Referat einen spannenden Einblick in den Nutzen positionsbasierter Risikoanalyse im Kontext eines Hedge Fund Portfolios. Die drei wichtigsten grundlegenden Teilschritte der Analyse sind Zielsetzung (Best Practice), Herausforderung (Transparenz schaffen ohne Wettbewerbsvorteile aufzugeben) und Einsatz (Fund Monitoring, Portfolio Konstruktion und Risikomanagement).  «Bei Pictet funktioniert das so, dass bei 1400 Funds die einzelnen Positionen durch einen unabhängigen Risikoanbieter analysiert werden», sagt Woerlen. Dabei werden für 80 der Top 100 Funds unter anderem folgende Risikofaktoren generiert: Long/Short, VaR, CVar, Sensitivitäten und Stress Tests. Dieses Verfahren erlaubt die Identifikation von Klumpenrisiken und ermittelt die Risikobeiträge der individuellen Funds zum Gesamtportfolio sowie die Generierung von Stress Tests. So wurden zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Brexit erfolgreich verschiedene Stress Tests durchgeführt. Insgesamt gibt sich Pascal Woerlen überzeugt, dass dieser standardisierte Prozess viel wertvolle Transparenz schafft, indem unabhängige Analysen stattfinden.

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«Das Aktienrisiko ist bei weitem der dominierende Risikofaktor bei institutionellen Portfolios», sagte Dr. Bruno Gmür, CEO der Quantica Capital AG.

Diversifikationsvorteile mit CTA
«Das Aktienrisiko ist bei weitem der dominierende Risikofaktor bei institutionellen Portfolios», sagte Dr. Bruno Gmür, CEO der Quantica Capital AG. «Um dieses zu beseitigen, müssen diversifizierende Faktoren ausgewertet werden und der strategischen Portfoliokonstruktion beigefügt werden.» Anhand von einprägsamen Statistiken erläuterte Gmür, dass diversifizierte Managed Futures und Trend-Following Strategien unkorrelierte langfristige Risikoprämien vermitteln und gleichzeitig bedeutende Diversifikationsvorteile verschaffen können. Gemäss Bruno Gmür beenden CTA Positionen emotionslos, frei nach dem Motto «cut short your losses, and let your profits run on».

 Angeregte Diskussionsrunde

Prof. Dr. Peter Meier moderierte die Podiumsdiskussion.

Prof. Dr. Peter Meier moderierte die Podiumsdiskussion.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Dr. Peter Meier mit den beiden Referenten Mark Dieringer und Daniel Schnyder sowie Lukas Dörig (Marcuard Family Office) und Thomas Härter (Wellershof & Partners) resultierten bemerkenswerte Gegensätze: Während Mark Dieringer und Lukas Dörig bei ihrer Erfolgsformel klar auf liquide Anlagen setzen und damit gute Erfahrungen gemacht haben, gehören für Daniel Schnyder und Thomas Härter illiquide Anlagen in den Fokus. Lukas Dörig bestätigte Prof. Meiers Annahme, dass Family Offices bekannt seien für ihr grosses Interesse an alternativen Anlagen und indizierte, dass man im Hedge Fund Bereich den HFRX Index klar geschlagen habe. Interessant ist auch, dass Mark Dieringer nichts von CTAs hält, welche im Schlussreferat durch Bruno Gmür als Diversifikationstool besonders empfohlen worden waren. Kein Wunder; der Spezialist von Novartis zeigte sich ja auch überzeugt, dass Aktien eine sehr gute Investitionsmöglichkeit eröffnen. Bemerkenswert ist ferner die unterschiedliche Definition von «absolute Return», läuft doch die konservative Anlagestrategien der Stiftung Auffangeinrichtung BVG ebenso unter diesem Motto wie die eher progressive Strategie der Pensionskasse Georg Fischer.

Zum Schluss dankte Peter Meier dem Swiss Hedge Fund Council, ohne dessen fachliche und finanzielle Unterstützung die Durchführung diese Tagung nicht möglich gewesen wäre. Zu dessen aktiven Mitgliedern gehören zurzeit zwölf Schweizer Asset Manager.

Auskunft: Regina Anhorn, Institut für Wealth & Asset Management

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