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Tücken der neuen Rechnungslegung OR

Seit Beginn des Jahres 2015 ist das neue Rechnungslegungsrecht OR in Kraft, welches für alle juristischen Personen, Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Jahresumsatz von mehr als einer halben Million Franken gilt. Nachfolgend ein Überblick über die wesentlichsten Neuerungen.

Unter dem alten Recht, unterlagen nur die sogenannten Handelsgesellschaften der Rechnungslegungspflicht, die sich an die Vorschriften für die Aktiengesellschaft orientierten. Das neue Rechnungslegungsrecht, das seit dem Jahresabschluss 2015 gilt, ist rechtsformunabhängig und orientiert sich primär an wirtschaftlichen Grössenkriterien. Juristische Personen unterstehen der gesetzlichen Rechnungslegungspflicht unabhängig von ihrer Grösse. Übersteigt der Jahresumsatz 500‘000 Franken, so besteht neu auch für alle Einzel- und Personengesellschaften die Pflicht, detaillierte Jahresabschlüsse zu erstellen. Für die Erstellung des Geschäftsberichts steht eine Frist von sechs Monaten nach Ende des Geschäftsjahres zur Verfügung. Der Vorsitzende des obersten Leitungsorgans sowie die für die Rechnungslegung zuständigen Person unterzeichnen den Geschäftsbericht, wodurch sie bestätigen, dass die Jahresrechnung gesetzeskonform erstellt wurde.

Bei Unternehmen, die aufgrund ihrer Grösse zur ordentlichen Revision verpflichtet sind, besteht der Geschäftsbericht aus der Jahresrechnung und dem Lagebericht. Alle Unternehmen, die nicht der ordentlichen Revision unterliegen, dürfen sich auf die Jahresrechnung beschränken. Diese besteht im Minimum aus der Bilanz, der Erfolgsrechnung und dem Anhang und enthält die Zahlen für das aktuelle Jahr sowie die Vergleichszahlen des Vorjahres. Unternehmen, die der ordentlichen Revision unterliegen, müssen die Jahresrechnung zusätzlich mit einer Geldflussrechnung und einem erweiterten Anhang ergänzen.

Mindestgliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung
Das Gesetz gibt für die Bilanz und die Erfolgsrechnung neu eine Mindestgliederung vor, wodurch sichergestellt wird, dass die wichtigen und üblichen Positionen separat gezeigt und nicht zusammengefasst werden. Die Aktivseite der Bilanz ist in Umlauf- und Anlagevermögen zu unterteilen, das Fremdkapital in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten. Als kurzfristig zu klassieren sind alle Positionen, die innert zwölf Monaten realisiert werden bzw. fällig sind. Die Aktivseite der Bilanz ist nach abnehmender Liquidität der Vermögenswerte, das Fremdkapital nach zunehmender Fristigkeit zu ordnen.

Bei der Gliederung der Erfolgsrechnung können die Unternehmen zwischen der Darstellung als Produktions- und Absatzerfolgsrechnung wählen. Die Produktionserfolgsrechnung zeigt den Betriebsaufwand nach Art wie Materialaufwand, Personalaufwand oder Abschreibungen. Diese Darstellungsart ist in der Praxis die häufigere, da sie einfacher zu erstellen ist. Die Absatzerfolgsrechnung stellt den Betriebsaufwand funktional dar, also zum Beispiel Herstellkosten der verkauften Produkte, Vertriebsaufwand, Forschung und Entwicklung oder Verwaltungsaufwand. Nur aus dieser Darstellungsart ist der Bruttogewinn aus verkauften Produkten und Dienstleistungen ersichtlich.

Der Anhang der Jahresrechnung enthält die angewandten Bewertungsgrundsätze, eine Analyse der wesentlichen Bilanz- und Erfolgsrechnungspositionen sowie, falls zutreffend, ob durch eine Netto-Auflösung von stillen Reserven das ausgewiesene Jahresergebnis wesentlich günstiger dargestellt wird. Allgemein gelten eine Verbesserung des ausgewiesenen Ergebnisses um 20 Prozent und mehr sowie die Umwandlung eines Verlusts in einen Gewinn als ausweispflichtig.

Stille Reserven weiterhin zulässig
Wenig geändert hat sich bei den stillen Reserven, die weiterhin zulässig sind. Sie dürfen allerdings nur noch zu Wiederbeschaffungszwecken und zur Sicherung des dauernden Gedeihens der Unternehmung gebildet werden. Sie sind nicht mehr zulässig, um eine möglichst stetige Dividende ausrichten zu können. Die stillen Reserven stehen im Spannungsfeld ihrer ausdrücklich im Gesetz verankerten Zulässigkeit und dem ebenfalls geforderten möglichst sicheren Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens. Letztere Vorschrift verbietet die Bildung, stiller Reserven auf eine Art und Weise, die im Gesetz nicht vorgesehen ist. So ist es beispielsweise nicht zulässig, stille Reserven durch Verwendung absichtlich zu tiefer oder zu hoher Wechselkurse zu bilden, oder Schulden über ihrem Nominalwert zu bilanzieren. Auf der Passivseite dürfen stille Reserven nur in den Rückstellungen enthalten sein. Sie können auf drei Arten gebildet werden: 1) Nicht mehr benötigte Rückstellungen fortführen anstatt aufzulösen, 2) notwendige Rückstellungen übervorsichtig bemessen, oder 3) Rückstellungen für Fälle mit geringer Verlustwahrscheinlichkeit bilden.

Wenn stille Reserven auf Aktivpositionen vorhanden sind, müssen sich Unternehmen bewusst sein, dass es unter Umständen zu einer zwangsweisen Teilauflösung kommen kann. Ist Anlagevermögen vor Ablauf der Nutzungsdauer vollständig abgeschrieben, so werden über die Restnutzungsdauer stille Reserven zwangsweise aufgelöst. Das Gleiche geschieht bei Debitoren- und Vorratsbeständen, wenn diese im Vergleich zum Vorjahr abnehmen und in der Vergangenheit der maximal zulässige Pauschalwertberichtigungssatz angewandt wurde. Auch zwangsweise Auflösungen von stillen Reserven müssen bei der Beurteilung, ob eine wesentliche Netto-Auflösung von stillen Reserven stattgefunden hat, berücksichtigt werden.

Mit dem neuen Rechnungslegungsgesetz ist das duale Reporting – statutarischer Einzelabschluss für alle Unternehmen, Konzernrechnung oder zusätzlicher Einzelabschluss nach anerkanntem Rechnungslegungsstandard – stärker verankert worden. Dafür ist es zentral, sich in diesen Rechnungslegungsstandards auszukennen und mit den Unterschieden zwischen den obligationenrechtlichen Vorschriften und jenen der anerkannten Standards vertraut zu sein. In allen drei in der Schweiz am meisten angewandten Standards, OR, Swiss GAAP FER und IFRS, ist das Institut für Financial Management ein profunder Know-how-Träger und möglicher Partner für Unternehmen.

Auskunft: Dieter Meyer, Institut für Financial Management

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