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Monsieur Prix: Der Mann, der für faire Preise kämpft

Die staatliche Überwachung der Preise durch einen Preisüberwacher ist eine Besonderheit der Schweiz. Monsieur Prix bot an der ZHAW School of Management and Law einen Einblick in seine Tätigkeit.

Preisüberwacher ZHAW SML Preisüberwacher. Ein strenger Titel für den gmögigen Menschen, der am letzten Donnerstagabend in der Aula der ZHAW School of Management and Law den Interessierten seine Tätigkeit erklärte. Dr. Stefan Meierhans, auch bekannt als «Monsieur Prix»  –  offen, nahbar, nett. Aber er kann auch anders; das muss er auch. Denn er ist der Mann, der in der Schweiz gegen missbräuchliche Preise kämpft, zum Wohle der Allgemeinheit. Da braucht es schon Verhandlungsgeschick und Nachdruck – seine Taktik aber will er dem Publikum verständlicherweise nicht verraten.

«Ich bin nicht zuständig» gibt es nicht
1488 Meldungen von teilweise erzürnten Bürgern haben er und sein 17-köpfiges Team während des letzten Jahres bearbeitet. Kritik an Preisen, etwa aus dem Gesundheitsbereich, der Telekommunikation, dem öffentlichen Verkehr. Die Liste der Beschwerde-Gegenstände ist lang, ein Kriterium müssen diese aber erfüllen: Es sind Produkte oder Dienstleistungen, bei denen sich die Preise nicht im freien Wettbewerb gebildet haben, sondern durch Monopole, Kartelle oder den Staat festgesetzt worden sind. «Einmal habe ich ein Schreiben erhalten», erzählt Meierhans, «da beklagte sich ein Mann, dass die Pausenbrötli, die jeweils von der Bäckerei ins Geschäft geliefert wurden, aufgeschlagen hätten.» Der Kläger bittet höflich um Meierhans’ Hilfe. «Nach kurzer Recherche konnte ich mehrere Alternativen darlegen, bei denen der Mann sein Pausenbrötli beziehen könnte.» Mit einer Liste von Bäckereien und Supermärkten sowie der Entschuldigung, dass das Gesetz ihm keine Möglichkeit gebe, in diesem Fall zu intervenieren, antwortet Monsieur Prix. Es sei ihm wichtig, jede Zuschrift zuvorkommend zu beantworten und den Absender ernst zu nehmen. «Nicht oder mit <Ich bin nicht zuständig> zurückzuschreiben, finde ich höchst unanständig.»

«Niemand will Lämpe mit dem Preisüberwacher»
Kommt ein grösserer Fall auf den Tisch von Meierhans, dauert es im Durchschnitt zwischen sechs und neun Monate, bis der Fall abgeschlossen ist. Das Resultat, die Preisreduktion, ist ohne Umwege sichtbar. Im Unterschied zur Wettbewerbskommission verteilt er keine Bussen. Er wird auch selber aktiv, wenn er merkt, dass sich Preise z. B. ungerechtfertigt und zu Ungunsten der Verbraucher verändern. Pro Jahr rügt er 20–30 Unternehmen. Nicht alle gehen auf seine Empfehlungen ein; es ist ein Abwägen, ein Finden von Kompromissen, für den Preisüberwacher wie auch die Unternehmen. Meierhans legt das Resultat seiner Berechnungen auf den Tisch, die Unternehmen entscheiden, ob es sich lohnt, vor Gericht zu gehen. «Die meisten aber», schmunzelt er, «wollen kei Lämpe mit dem Preisüberwacher.» Dank seiner Informationspflicht profitiere er auch von der Rückendeckung der Medien.

Seit rund zehn Jahren ist Stefan Meierhans nun schon im Amt des Preisüberwachers – länger als seine sechs Vorgänger seit 1973. Vieles hat er erreicht, z. B. die Senkung der sogenannten Billag-Gebühren per 2019, die aktuell in aller Munde ist. Dennoch hat auch der Monsieur Prix seine Sorgenkinder. Allen voran die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Alleine darüber könnte er wohl einen ganzen Abend vortragen. In diesem Jahr will er deshalb seine Aktivitäten in diesem Bereich verstärken. Sein Job sei noch lange nicht erledigt, noch sei er ihn leid. Er will «was bewegen, helfen» und dazu müsse man dranbleiben – «sonst ändert sich nie etwas.»

 

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