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Micro Cap IPOs – Chancen, Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten für den Börsenplatz Schweiz

Das Institut für Financial Management der ZHAW School of Management and Law untersucht derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts das Potenzial und die Rahmenbedingungen für Börsengänge kleinerer Unternehmen (sogenannter «Micro Caps») in der Schweiz.

von Mehdi Mostowfi
IPO on Office Folder. Toned Image.

Als Micro Caps definieren wir Unternehmen, bei denen zum Zeitpunkt des Börsengangs eine Marktkapitalisierung von nicht mehr als 300 Mio. CHF zu erwarten ist. In der Schweiz fällt es vielen kleinen und mittleren Unternehmen nach wie vor schwer, Eigenmittel zu beschaffen, um damit ihre Wachstumsinitiativen zu finanzieren. Während die Schweiz über gute Erstfinanzierungsmöglichkeiten für Startups verfügt, gibt es ein signifikantes Defizit bei Wachstumsfinanzierungen. Mehdi Mostowfi und sein Team haben sich im Rahmen dieses Forschungsprojekts daher zum Ziel gesetzt, die ökonomischen und regulatorischen Voraussetzungen zu erarbeiten, die notwendig sind, um Micro Caps durch einen Börsengang den Zugang zu Wachstumsfinanzierungen zu ermöglichen.

Das Forschungsprojekt setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen:

I. Historische Performance von Micro Cap IPOs
Im Rahmen des ersten Teilbereichs wurde eine empirische Kapitalmarktstudie durchgeführt, bei der die Performance von Micro Cap IPOs (Performance am ersten Handelstag sowie in den ersten drei bis zwölf Monaten nach dem IPO) analysiert und mit der Performance des Gesamtmarkts sowie grösserer IPOs verglichen wurde. Hierbei wurde auch untersucht, ob sich bestimmte Muster hinsichtlich des Zusammenhangs von IPO-Performance und spezifischer, kontextualer Charakteristika (z. B. Industrie oder Zeitpunkt des IPO) identifizieren lassen. Betrachtet werden alle Börsengänge in der Schweiz, Deutschland und Österreich in den Jahren 2002–2017. Dabei wurden Daten von mehr als 330 IPOs identifiziert, wovon ca. 200 als Micro Cap IPOs klassifiziert wurden.

II. Einschätzung der Investorennachfrage
Im Rahmen dieses Teilbereichs wurde zunächst das Interesse von Investoren an einem Engagement im Rahmen kleinerer IPOs erfragt. Des Weiteren werden die Meinungen der Investoren hinsichtlich der wahrgenommenen Chancen, Risiken und Hürden im Zusammenhang mit Micro-Cap-Investments in der Schweiz eingeholt und evaluiert. Methodisch kamen hier insbesondere Experteninterviews und eine breit angelegte Umfrage zum Einsatz. Im Rahmen der Interviews wurden bereits 25 Expertinnen und Experten befragt, primär aus den Bereichen Investment Banking, Asset Management sowie Mitarbeitende von Börsen, Analysten und Anwälte. Bei der Umfrage wurden mehrere hundert Investoren (Vermögensverwaltungen, Family Offices und Pensionskassen) kontaktiert. Unsere aktuelle Rücklaufquote beträgt ca. 15 Prozent.

III. Regulatorische Anforderungen an Micro-Cap-IPO-Kandidaten
Um kleineren Unternehmen einen Börsengang zu erleichtern, könnten Schweizer Börsen ein eigenes Segment für Small resp. Micro Caps schaffen, wie es viele andere europäische Börsen bereits umgesetzt haben. Hierbei stellt sich die Frage, wie die Anforderungen für eine Listingaufnahme sowie die Folgepflichten für die kotierten Unternehmen ausgestaltet sein sollten. Die in diesem Zusammenhang zu formulierenden Anforderungen müssen zum einen dem Schutz und den Bedürfnissen der Investoren Rechnung tragen. Zum anderen müssen sie auch die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen mittelgrosser Unternehmen berücksichtigen. Des Weiteren untersuchen wir die Frage, wie Schweizer Börsen durch flankierende Massnahmen zu einer höheren Liquidität der Aktien im Nebenwertesegment beitragen können.

Die Bearbeitung des Forschungsprojekts befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse ist im dritten Quartal 2018 zu rechnen. Für Fragen zum Micro-Cap-IPO-Projekt steht Prof. Dr. Mehdi Mostowfi gerne zur Verfügung.

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