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Litigation-PR Tagung 2019: Die Macht des Bildes

«Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» – eine Binsenwahrheit. Aber in der Zeit von Social Media verbreiten sich Bilder rasend schnell und beeinflussen die Meinung der Öffentlichkeit, Was bedeutet dies für Rechtsstreitigkeiten, Gerichtsprozesse und die Justiz? An der 4. Litigation-PR-Tagung  an der ZHAW in Winterthur stellten sich unter anderem Armin Wolf, Karin Matussek und Christoph Blocher der Diskussion.

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Mit dieser Herausforderung hiess Prof. Dr. Reto Steiner, Direktor der ZHAW School of Management und Law, die Teilnehmenden und die Expertinnen sowie Experten in Winterthur willkommen. Danach eröffnete Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht, die Tagung. Aus seiner Sicht seien nur zehn Prozent des Erfolgs in einem Rechtsstreit auf juristische Fachkenntnisse zurückzuführen. Der Rest des Erfolgs hänge ab von interdisziplinären Fähigkeiten wie zum Beispiel Kommunikation und Leadership. Litigation-PR habe dabei zum Ziel, Rechtsstreitigkeiten interdisziplinär anzugehen, was bedeute, dass die sozio-kulturelle, rechtliche und wirtschaftliche Perspektive mit einbezogen werden müssen. Es gehe dabei aber nicht darum, nur die Judikative zu erreichen, sondern seine Position auch in der öffentlichen Meinung verankern zu können. Denn wer nicht nur recht bekommen, sondern auch haben will, komme nicht darum herum, alle Stakeholder in die Kommunikationsstrategie einzubeziehen. Die ZHAW sei bislang die einzige Hochschule im deutschen Sprachraum, die die damit einhergehenden Herausforderungen und Chancen erkannt habe und sich nachhaltig und interdisziplinär damit befasse.

«An Bildmanipulationen haben wir uns gewöhnt. Das nächste grosse Ding sind Videomanipulationen. Wer glaubt dann noch den Medien?»

«An Bildmanipulationen haben wir uns gewöhnt. Das nächste grosse Ding sind Videomanipulationen. Wer glaubt dann noch den Medien?»

«Die Macht der Bilder» oder «Wenn Influencer Innenstädte lahmlegen»
Wie schwierig es nun ist, den Einfluss von Bildern in der Kommunikation zu bewerten und gerade als Journalist beim Publikum auch eine kritische Haltung auszulösen, erläuterte Keynote Speaker Dr. Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur beim ORF und Moderator der Nachrichtenjournals zib2. Einer der Wendepunkte war dabei die Präsidentschaft Ronald Reagans, der ganz bewusst Bilder zur Kommunikation nutzte und dabei auch professionelle Hilfe in seinem Stab setzte. Heute erlauben soziale Medien jedem, über Bilder den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Dies zeige sich nicht nur in rechtlichen und politischen Auseinandersetzungen, wo immer mehr auch Bilder zur Kommunikation eingesetzt werden, sondern auch daran, wie sogenannte «Influencer» mit wenigen Mitteln und aufgrund des sie umgebenden Hypes ganze Innenstädte lahmlegen können.

Eine Verlegerin und eine Kantonsrichterin im Interview
Nationalrätin und Verlegerin Min Li Marti äusserte sich im anschliessenden Gespräch Journalist Jean-Francois Tanda über die Herausforderungen, die sich ihr im Alltag stellen. Als Herausgeberin einer unabhängigen aber politisch positionierten Zeitung, stellen sich ihr andere Herausforderungen im Hinblick auf die Entwicklung der Medienlandschaft als den meisten grösseren Medienverlagen. Die klare Positionierung und Unabhängigkeit ist dabei ebenso Fluch wie Segen, wenn es darum geht, genügend Ressourcen zu gewinnen, um Entwicklungen in Politik und Gesellschaft kritisch zu begleiten.

Im Interview mit Peter Hartmeier äusserte sich die Luzerner Kantonsrichterin Marianne Heer über den Zeitenwandel an den Gerichten. Die Justiz von heute stamme immer noch aus dem vergangenen Jahrhundert, deren unabhängigen Akteuren die Öffentlichkeitsarbeit fremd sei. Nichtsdestotrotz sieht sie die Notwendigkeit: Richter würden gewählt, weshalb es richtig sei, dass nicht nur Staats- und Rechtsanwälte während spektakulären Fällen kommunizierten. Jedoch unterlägen Straftäter oder Opfer während Verhandlungen dem Datenschutz, weshalb es unerlässlich sei, deren Persönlichkeitsrechte zu schützen.

 «Bilder sind ambivalent. Jeder ist scheinbar dabei gewesen.»  Karin Matussek, Bloomberg

«Bilder sind ambivalent. Jeder ist scheinbar dabei gewesen.»
Karin Matussek, Bloomberg

Josef Ackermann und das berühmt-berüchtigte Victory-Zeichen
Karin Matussek, Korrespondentin für Recht und Justiz bei Bloomberg, äusserte in ihrer Keynote zum Einfluss von Bildern und Texten im Wirtschaftsjournalismus. Ein Beispiel war dabei der Mannesmann-Prozess und das mittlerweile berühmte Foto des damaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit dem Victory-Zeichen. Dem Bild – und damit dem Menschen – wurde schnell der Titel «hässliches Gesicht des Kapitalismus» zugeschrieben. Über die tatsächlichen Hintergründe wurde kaum berichtet: Weil das Gericht sich verspätet hatte, scherzten Ackermann und seine Mitangeklagten, um sich die Wartezeit zu vertreiben. Ackermann imitierte dabei im Scherz Michael Jackson. Der Sänger war in der gleichen Woche mit dem V-Zeichen vor die Medien getreten – als Angeklagter im Kindsmissbrauchs-Pozess. Gegen die Macht der scheinbaren Botschaft des Bildes gingen die Fakten unter.

Im anschliessenden von Prof. Dr. Patrick Krauskopf geleiteten Panel diskutierten die Rechtskommunikationsexpertin Dr. Mascha Santschi Kallay, der Kommunikationsleiter der ZHAW School of Management and Law Jürg Hostettler, der Geschäftsführer von Voxia communication Laurent Ashenden und der Gründer von lawbusiness Alexander Gendlin, wie wichtig gerade für die Öffentlichkeit die Verbindung von Fakten und Geschichten ist. Dabei zeigte Laurent Ashenden am Beispiel der UBS, wie gezielt Gegengeschichten eingesetzt wurden mit dem Ziel, eine Image-Korrektur zu bewirken. Alexander Gendlin ergänzte, dass man nicht nur vor Gericht Recht bekommen müsse, sondern dies auch in der Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen werden müsse.

«Weshalb brauchen Firmen eine Sprachregelung? Nur, weil sie nicht sagen können oder wollen, wie etwas wirklich ist.» Alt Bundesrat Christoph Blocher

«Weshalb brauchen Firmen eine Sprachregelung? Nur, weil sie nicht sagen können oder wollen, wie etwas wirklich ist.»
Alt Bundesrat Christoph Blocher

Zwei alt Bundesräte zum Abschluss
Die abschliessende Keynote «Kommunikation in Politik und Wirtschaft – Ein Erfahrungsbericht» wurde von alt Bundesrat Christoph Blocher gehalten. Nach seiner Erfahrung bedeutet Krisenkommunikation immer, dass man in der Öffentlichkeit «hinstehen und die Wahrheit sagen muss.» Wer versuche zu verschleiern, schade am Ende sich, seiner Firma und seinen Anliegen. Alt Bundesrat Kaspar Villiger stimmte beim anschliessenden Gala-Dinner im Haus zur Geduld dieser Sichtweise grundsätzlich zu, betonte jedoch, dass man die ganzen Krisenvorbereitungen nicht überschätzen sollte. Denn ob eine Person letztlich in der Lage sei, in der Krise richtig reagieren und nachhaltig zu agieren, wisse man immer erst, wenn die Krise da ist.

«In der Krisenkommunikation sollte man auf Querdenker hören.» Alt Bundesrat K. Villiger

«In der Krisenkommunikation sollte man auf Querdenker hören.»
Alt Bundesrat K. Villiger

Am 2. April 2020 findet bereits die 5. Litigation-PR-Tagung statt. Alle Informationen dazu sowie die Möglichkeit, sich für den Newsletter anzumelden, gibt es auf der Webseite der Tagung.

Auskunft: Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht