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Kolloquium «Sprache und Recht»

Das am 24. Januar 2019 zum zweiten Mal durchgeführte Kolloquium «Sprache und Recht» widmete sich der Forschung an der Schnittstelle zwischen Linguistik und Rechtswissenschaft.

Plenum_Kolloquium Sprache und Recht

Die Sprache ist nicht nur das Arbeitswerkzeug von Juristinnen und Juristen, sondern auch der wichtigste Untersuchungsgegenstand der Linguistik. Das von Andreas Abegg und Bojan Peric (Zentrum für Öffentliches Wirtschaftsrecht) in Zusammenarbeit mit Andreas Kley (Universität Zürich) organisierte Kolloquium fokussierte daher auf mögliche Wechselwirkungen dieser beiden Disziplinen sowie insbesondere auf digitale Methoden rechtslinguistischer Forschung. Präsentiert wurden Ideen und Projekte führender Schweizer Forschenden sowohl der Sprach- wie auch der Rechtswissenschaft.

Die juristische Sprache in der Praxis
Aus juristischer Sicht ist die Sprache in erster Linie ein praxisrelevantes Instrument. Jean Nicolas Druey mahnte daher in seinem Eröffnungsbeitrag dazu, die Sprache nicht allzu sehr auf ihre Eigenschaft als Trägerin von Information zu reduzieren, sondern vermehrt den Sinn der Begriffe zu untersuchen. Thomas Probst von der Universität Fribourg ergänzte die Sprachreflexion mit einer Gegenüberstellung von (natürlicher) Gerichtssprache und (künstlicher) Computersprache, die sich weder vollständig überlappen noch gänzlich voneinander unterscheiden. Andreas Kley und Lea Schwab (Universität Zürich) widmeten sich darüber hinaus der Frage, wie die Sprachfähigkeiten von Studierenden der Rechtswissenschaften verbessert werden können, und stellten didaktische Online-Werkzeuge vor, die an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich im Einsatz sind.

Schnittmengen von Linguistik und Recht
Andere Diskurse eröffnen sich, wenn die juristische Sprache selbst zum Gegenstand sprachwissenschaftlicher Forschung wird. Anhand bestimmter sprachlicher Elemente lassen sich namentlich einerseits, wie Heiko Hausendorf (Universität Zürich) aufzeigte, unterschiedliche Facetten der pragmatischen Nützlichkeit von juristischen Texten aufzeigen, andererseits, so das Votum von Stefan Höfler (Universität Zürich), legt eine linguistische Analyse implizite Inhalte des Rechtstextes frei, was Rückschlüsse auf deren kommunikative Funktion und die zugrundeliegenden gesellschaftlichen Werte ermöglicht. Wie sich solche Werte offenbaren können, diskutierte der Beitrag von Philipp Dreesen (ZHAW Angewandte Linguistik), der die brisante Debatte über den juristischen Status der deutschen Sprache in Deutschland analysierte.

Den Fokus stärker auf die juristische Arbeit legten Mischa Senn (Zürcher Hochschule der Künste), der die Notwendigkeit der linguistischen Reflexion von Wortmarken bei Urheberrechtsstreitigkeiten betonte, sowie Jennifer Smolka (Bundeskanzlei) und Benedikt Pirker (Universität Fribourg), die mögliche Anwendungen sprachwissenschaftlicher Termini – beispielsweise der Präsupposition – bei der Interpretation von Rechtstexten demonstrierten.

Pascale Sutter stellte die Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen vor.

Pascale Sutter stellte die Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen vor.

Digital-linguistische Methoden und Tools
In den letzten Jahren hat die Integration digitaler Arbeits- und Analysemethoden in die sprachwissenschaftliche Forschung immer mehr zugenommen. Insbesondere die Erstellung von Korpora, also digitalisierter Textsammlungen, die für unterschiedliche Zwecke verwendet werden können, erfreut sich grosser Beliebtheit. Pascale Sutter (Rechtsquellenstiftung) präsentierte die Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, ein schweizweit einzigartiges Korpus historischer juristischer Texte, die bis ins Mittelalter zurückreichen und nun computergestützt erforscht werden können. Ein gänzlich anderes Korpus, nämlich die Texte von Swisslex, benutzen Noah Bubenhofer, Christian Kriele und Felix Steiner (ZHAW Angewandte Linguistik), um eine computergestützte Ontologie des Schweizer

Rechts zu erstellen, welche den juristischen Fachwortschatz systematisch erfassen soll. Das Projekt von Andreas Abegg und Bojan Peric (ZHAW School of Management and Law) schliesslich untersucht den Wandel des Schweizer Rechtsdiskurses seit dem Beginn der Digitalisierung. Hierfür werden digitalisierte Bundesgerichtsentscheide, Botschaften des Bundesrats und Parlamentsdebatten der letzten Jahrzehnte korpuslinguistisch analysiert.

Noah Bubenhofer arbeitet an einer Ontologie des Schweizer Rechts.

Noah Bubenhofer arbeitet an einer Ontologie des Schweizer Rechts.

Der interdisziplinäre und interuniversitäre Charakter des Kolloquiums hat die Vielfalt der möglichen Untersuchungsgegenstände und Analyseverfahren aufgezeigt und zu intensiven Diskussionen angeregt. Innerhalb wie ausserhalb der ZHAW stiess die Veranstaltung auf reges Interesse und zeigte die Relevanz, das Potenzial sowie den Forschungsbedarf der noch jungen Disziplin der Rechtslinguistik auf. Verschiedene Publikationen, Projekte und eine Folgeveranstaltung sind geplant.

Auskunft: Prof. Dr. Andreas Abegg, Leiter Zentrum für Öffentliches Wirtschaftsrecht