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Investor Fachtagung Hedge Funds: Steigende Volatilität – höheres Alpha-Potenzial

Wie und mit welchen Forschungsmethoden können Hedge Funds neue Wege zur Generierung von echtem Alpha erarbeiten? Diese Frage wurde von fünf Experten vor rund 110 geladenen Gästen aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

von Regina Anhorn und Drilon Prenaj

Rund 110 Personen lauschten den Ausführungen der Referenten.

Rund 110 Personen lauschten den Ausführungen der Referenten.

Die ZHAW Investor Fachtagung Hedge Funds, welche am 29. August 2018 bereits zum 16. Mal in Folge durchgeführt wurde, war dieses Jahr dem Thema «Steigende Volatilität – höheres Alpha-Potenzial» gewidmet. Wie in den Vorjahren wurde sie in Kooperation mit dem Swiss Hedge Fund Council organisiert. Wie und mit welchen Forschungsmethoden können Hedge Funds neue Wege zur Generierung von echtem Alpha erarbeiten? Diese Frage wurde im grossen UBS Auditorium vor rund 110 geladenen Gästen von fünf Experten aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert.

Dr. Philipp Keller ist überzeugt, dass Risiko Management in einem Umfeld mit wachsenden politischen und rechtlichen Risiken eine zentrale Rolle spielen wird.

Dr. Philipp Keller ist überzeugt, dass Risiko-Management in einem Umfeld mit wachsenden politischen und rechtlichen Risiken eine zentrale Rolle spielen wird.

Geopolitische Szenarien und ihre Auswirkung auf Hedge-Fund-Strategien
Dr. Philipp Keller, COO bei Quantica Capital AG, zeichnete ein eher düsteres Bild der zukünftigen Arbeitswelt. Gemäss dem von ihm skizzierten Szenario zerstört Technologie mehr Jobs als geschaffen werden. Eine postkapitalistische Gesellschaft, wie zum Beispiel für die Schweiz und die EU vorstellbar, kann aber durchaus positiv aussehen: Gewinne aus dem Einsatz von Algorithmen und Robotern werden so besteuert, dass für jedermann ein grosszügiges Einkommen generiert wird.

In seiner Zukunftsprognose gab sich Keller überzeugt, dass Länder, welche die Automation vorantreiben und die Einkommensschere reduziert haben, konkurrenzfähig sein dürften. Die Finanzmärkte werden mittel- und langfristig volatil bleiben. Deshalb glaubt er, dass anpassungsfähige systematische Trading-Strategien langfristig besser abschneiden werden als jene, welche auf einem bestimmten Makro Regime basieren. In einem Umfeld, wo regulatorische, politische und rechtliche Risiken wachsen, wird Risiko-Management eine zentrale Rolle spielen.

Gemäss Jiri Krol haben rund 40 Prozent der Teilnehmenden an seiner globalen Hedge Fund Umfrage bereits insgesamt 60 Milliarden USD in nachhaltige Anlagen investiert, mit wachsendem Trend.

Gemäss Jiri Krol haben rund 40 Prozent der Teilnehmenden an seiner globalen Hedge Fund Umfrage bereits insgesamt  USD 60 Milliarden in nachhaltige Anlagen investiert, mit wachsendem Trend.

Nachhaltige Anlagen: Trends im Hedge Fund Bereich
Jiri Krol, Deputy CEO und Global Head of Government Affairs bei der AIMA, stellte die Ergebnisse einer globalen AIMA Studie vor, welche den vielversprechenden Titel trägt «From Niche to Mainstream: Responsible Investments and Hedge Funds». Die befragten Hedge Funds repräsentieren ein Universum von USD 550 Milliarden. 51 Prozent der Befragten gaben an, dass das Interesse an nachhaltigen Anlagen seitens der Investoren in den letzten zwölf Monaten gewachsen sei. Dieser Trend dürfte sich gemäss Krol fortsetzen. Rund 40 Prozent der Befragten haben insgesamt USD 60 Milliarden in nachhaltige Anlagen investiert.

Auffallend ist das markante Wachstum der Kundennachfrage von über 80 Prozent bei Institutionen mit Assets von über einer Milliarde US-Dollar. Bei kleineren Fund Managern ist die Wachstumsrate dagegen nicht mal halb so gross. Gemäss Krol spielt hier der Kostenfaktor eine wichtige Rolle.

Trotz grosser Herausforderungen ist Christian Nistler überzeugt, dass alternative Anlagen das Rendite-Risikoprofil einer Pensionskasse verbessern können.

Trotz grosser Herausforderungen ist Christian Nistler überzeugt, dass alternative Anlagen das Rendite-Risikoprofil einer Pensionskasse verbessern können.

Einsatz von alternativen Anlagen aus der Sicht der Syngenta Pensionskasse
Christian Nistler erläuterte in anschaulicher Weise die Anlage-Philosophie bei der Syngenta Pensionskasse. Alternative Anlagen repräsentieren rund 21 Prozent des Anlagevolumens. Hedge Funds machen rund 10 Prozent der Anlagen aus. Beide Zahlen liegen klar über dem Schweizer Durchschnitt. Der Referent ist der Überzeugung, dass alternative Anlagen eine Verbesserung des Rendite-Risikoverhältnisses herbeiführen können. Der Weg dazu führt über eine breitere Diversifikation des Gesamtrisikos, dem Abschöpfen verschiedener Risikoprämien und dem «Hoffen» auf überdurchschnittliche Managerleistung. Seine Hauptdevise ist «Ganz oder gar nicht.» Im Vordergrund stehen dabei die Konzentration auf mittelgrosse bis grosse Manager mit mehrjähriger Erfahrung bei stabilen Direktinvestments.

Er verhehlte allerdings nicht, dass es auch grössere Herausforderungen gibt. Dazu gehören die hohen Gebühren im «Niedrig-Rendite-Umfeld», gehen doch nach seiner Einschätzung 30–40 Prozent der Bruttorendite an den Hedge Fund Manager. Der hohe Komplexitätsgrad sowie der höhere Aufwand bei der Umsetzung gehören ebenfalls dazu. Trotzdem zeichnete er – von Ausnahmen wie im Jahr 2016 abgesehen – insgesamt ein positives Bild von der Entwicklung der Hedge Fund Positionen in seinem Portfolio.

Gemäss Dr. Jochen Spuck können Patentdaten genutzt werden, um Technologie- und Investitionstrends frühzeitig zu entdecken.

Gemäss Dr. Jochen Spuck können Patentdaten genutzt werden, um Technologie- und Investitionstrends frühzeitig zu entdecken.

M&A, Venture Capital und Smart Beta: Der Mehrwert von Patentdaten
Dr. Jochen Spuck, Patentexperte beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, gab Einblicke in die Nutzung von Patentdaten als alternative Datenquelle. Patente sind öffentlich, reguliert und haben sowohl einen rechtlichen wie auch wirtschaftlichen «Impac». Durch das Aufkommen ausgeklügelter Analyseverfahren für grosse Datenmengen kann mit Patentdaten ökonomischer Mehrwert generiert werden.

Zunächst muss die Qualität der jeweiligen Patente evaluiert werden. Diese lässt sich unter anderem über die Anzahl Zitierungen eines Antrags durch andere Antragsteller ableiten. Schliesslich ergeben sich nutzbare Informationen zum Patentportfolio eines Unternehmens. Diese Erkenntnisse können als Frühindikatoren genutzt werden, um ein mögliches M&A-Potenzial aufzudecken. Aber auch erhöhte Innovationstätigkeiten von Apple rund um die Apple Watch waren beispielsweise so schon sechs Jahre vor der Markteinführung erkennbar.

Gregory Bättig erklärte, dass Deep Learning kein Use Case ist, sondern eine Methode repräsentiert, welche durchaus Beschränkungen aufweist.

Gregory Bättig erklärte, dass Deep Learning kein Use Case ist, sondern eine Methode repräsentiert, welche durchaus Beschränkungen aufweist.

Was ist Deep Learning?
Zum Abschluss der Vortragsreihe präsentierte Gregory Bättig von Flink AI die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Artificial Intelligence, insbesondere von Deep Learning. Letzteres ist eine Architektur, um komplexe Strukturen innerhalb riesiger Datenmengen herauszufiltern. Der Rechner ist damit befähigt, anhand von klassifizierten Beispieldaten zu lernen und somit beispielsweise Klassifikationsaufgaben zu lösen. Die Implementierung ist im Gegensatz zu anderen Machine-Learning-Algorithmen mathematisch eher simpel, benötigt jedoch immense Rechenpower. Eine Schwachstelle dieser Technologie bleibt die Frage nach der Haftung, da der Entscheidungsfindungsprozess dieser Algorithmen teilweise schwer interpretierbar ist.

Prof. Dr. Peter Schwendner (3. v. r.) führte durch Anlass und Podiumsdiskussion

Prof. Dr. Peter Schwendner (3. v. r.) führte durch Anlass und Podiumsdiskussion

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