Modul «Integration 1»: Studierende zeigen Potenziale der Digitalisierung auf

Im Modul «Integration 1» schlüpfen Bachelor-Studierende in die Rolle von Beraterinnen und Beratern. Am 11. Dezember präsentierten über 40 Gruppen ihre Vorschläge zu Herausforderungen, mit denen Unternehmen und Organisationen im Zuge der Digitalisierung konfrontiert sind. 

Studierende des Bachelorstudiengangs Betriebsökonomie in der Vertiefung General Management haben sich im Integrationsmodul im zweitletzten Semester mit dem Digitalisierungstrend auseinandergesetzt. In der Rolle von Beraterinnen und Beratern bearbeiteten sie Problemstellungen aus der Industrie, Energie-, Immobilien- und Baubranche sowie dem Hochschulwesen. Dabei wurden sie von Dozierenden begleitet. «Die Studierenden mussten zeigen, dass sie sich im Team innert kurzer Zeit tief in eine Problemstellung einarbeiten, faktenbasiert Lösungsansätze entwickeln sowie eine realistische Umsetzungs-Roadmap entwerfen können», fasst Studiengangleiter Dr. Stefan Schuppisser zusammen. Im Rahmen vier paralleler Veranstaltungen präsentierten die Gruppen ihre Lösungen und stellten sich den kritischen Fragen von Unternehmensvertretern, Dozierenden, Kommilitoninnen und Kommilitonen. Dabei wurde für jeden Branchenschwerpunkt ein Publikumspreis für das überzeugendste Poster vergeben.

Fünf Minuten Zeit, das Publikum zu überzeugen
Besonders spannend war die Veranstaltung zum Thema «Industrie 4.0», da hier die Unternehmensvertreter persönlich anwesend waren. Dr. Matthias Ehrat wiederholte zu Beginn die Zielsetzung: Anhand konkreter Aufträge galt es, Potenziale der Digitalisierung bei der Erzeugung und Verwendung von Gütern und Services zu ermitteln. Zudem ist das Modul als Generalprobe für die Bachelorarbeit gedacht. Daher erstellten alle Gruppen ein sogenanntes Impact Paper, das sie für die Ergebnispräsentation in einen Poster verdichten mussten. Die Gruppen hatten jeweils fünf Minuten Zeit, diese vorzustellen. Der erste Auftrag lieferte der Elektrofahrzeughersteller Kyburz Switzerland AG. Die Gruppen prüften, ob die Flottenmanagement-Lösung beim Postfahrzeug «DXP» bei anderen branchenspezifischen Fahrzeugflotten einsetzbar ist. Weiter beschäftigten sie sich mit der digitalen Überwachung der Fahrzeuge und untersuchten, wie der Produktlebenszyklus eines Fahrzeugs für dessen Wartung und Weiterentwicklung genutzt werden kann. Die Studierenden zeigten Wege auf, wie Kundenpotenziale bei den Serviceleistungen genutzt werden können. Die Firmenvertreter, Philipp Heim, Assistent des CEO, und Hanspeter Wepfer, Leiter Bereich Telematik und Flottenmanagement, stellten zahlreiche Fragen, welche die Gruppenmitglieder souverän beantworteten.

PowerPoint-Präsentation

Erkenntnisse maximal verdichtet: Poster der Gruppe, die den Publikumspreis gewann.

Edgar Heim präsentierte die Fragestellungen der oerlikon balzers aus dem Geschäftsbereich Segment Surface Solutions (Beschichtung von Werkzeugen). Wie kann der Bestellablauf für kleinere Kunden digitalisiert oder durch EDI (Electronic Data Interchange) abgelöst werden? Wie lässt sich dank Digitalisierung bei Abhol- und Lieferlogistik Zeit sparen? Die Studierenden zeigten auf, wie QR- oder Strichcode die manuelle Erfassung der Bestellungen ersetzen können und präsentierten neue Ansätze für Routenplanung und Chargenübermittlung. Eine Gruppe kam zum Schluss, dass es für oerlikon balzers kein Patentrezept gibt und entwickelte deshalb ein Modell, um für jeden Geschäftsfall die ideale Lösung zu identifizieren. Edgar Heim wies darauf hin, dass viele KMU in der Schweiz noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen seien. «Es braucht deshalb nicht immer gleich eine visionäre Lösung à la Fabrik 4.0 zu sein. Wichtig ist, dass auch KMU kleine Schritte zur Digitalisierung ihrer Prozesse machen.»

Lob von Unternehmensvertretern
Eine weitere Auftraggeberin war die RUAG Aerostructures, die Komponenten und Rumpfbauteile für Airbus, Boeing oder Pilatus liefert. Michael Lustenberger stellte die Aufgabenstellung vor. Es galt, basierend auf der Lean-Philosophie und den Möglichkeiten der Digitalisierung, Operational Excellence zu erreichen. Die erste Gruppe zeigte auf, wie Produktionsprozesse digitalisiert und die RUAG Aerostructures zunehmend papierlos gemacht werden kann. Dank  zielgerichtetem Einsatz von Tablets, Arbeitsplatzgestaltung nach Lean-Prinzipien und gezieltem Change Management kann der Umbau gelingen. Lean Manager Roger Schmid, bedankte sich für den tollen Einsatz. «Die Arbeit ist sehr umfassend, tiefgründig und methodisch untermauert», so seine Einschätzung. Die zweite Gruppe legte den Fokus auf die RFID-Technologie (Radio-Frequency Identification). Nach Besichtigung der Werkstätten in Emmen erarbeiteten sie auf Basis einer SIPOC-Analyse ein vereinfachtes Prozessmodell, um die Lagerbestände um 90 Prozent und die Wartezeiten um 45 Prozent zu reduzieren. Roger Schmid lud beide Gruppen ein, vor der RUAG Geschäftsleitung zu präsentieren. «Wir suchen noch einen Lean-Manager», sagte er zum Abschluss bedeutungsvoll.

Auch die Bruker Biospin AG, welche supraleitende Feldmagnete für die Magnetresonanz-Spektroskopie herstellt, wirkte als Auftrageberin mit. Die Aufträge betrafen die Varianz der Qualität der Endprodukte und die elektronisch verfügbaren Informationen zum Herstellungsprozess. Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung in der Supply Chain? Wie können Forecasting und Prozessteuerung optimiert werden? Die Studierenden schlugen vor, den Lieferantenpool von rund 3‘000 Firmen und den Forecasting-Zyklus von 18 Monaten deutlich zu reduzieren. Weiter zeigten sie auf, wie eine Visualisierung des Shopfloors zu einer Steigerung der Performance beiträgt. Die visuelle Darstellung in Echtzeit erlaubt es, Probleme rasch zu erkennen und zu beheben. Firmenvertreter Ronny Nietlisbach dankte den Gruppen für das Engagement und lud sie ebenfalls ein, vor der Geschäftsleitung zu präsentieren.

Die Gewinner mit ihrem Betreuer und Auftraggeber (v.l.n.r.): Julian Gnilka, Sascha Venosta, Matias Bär, Paolo Vignola, Raffaele Russo, Dozent Michael Lustenberger und Roger Schmid von RUAG Aerostructures

Kreativ gestaltete Poster
Die vorgestellten Poster unterschieden sich stark in Bezug auf Komplexität, Informationstiefe und Gestaltung. So visualisierte beispielsweise eine der Gruppen die spezifischen Herausforderungen anhand eines Vier-Gewinnt-Spiels. Eine andere Gruppe gestaltete ein interaktives Poster mit Spezialeffekten. Die meisten wählten aber ein klassisches Format. Die entsprechenden PDFs waren zum Teil sehr aufwändig gestaltet. Ebenso unterschiedlich waren die Präsentationen: Die einen zeigten nur die vorgeschlagenen Lösungen auf, während andere das Publikum an ihrem Lösungsprozess teilhaben liessen.

Nicht nur die Dozierenden und Unternehmensvertreter bewerteten die Teams, auch die Studierenden durften ihren Favoriten wählen und so über den Publikumspreis bestimmen. Am meisten Stimmen erhielt Gruppe 4.3a, die sich mit der Digitalisierung der Produktionsprozesse bei der RUAG Aerostructures auseinandergesetzt hatte. Zum Abschluss dankte Matthias Ehrat allen Teilnehmenden, insbesondere den Firmenvertretern, die es den Studierenden ermöglicht hatten, realen Szenarien und Aufgaben zu bearbeiten.

Auskunft: Matthias Ehrat, Stefan Schuppisser, Abteilung General Management

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