Insurance Circle: Chancen und Risiken der Digitalisierung

Dass die Digitalisierung sowohl Chancen als auch Risiken für die Versicherungswirtschaft bietet, zeigte Dr. Maya Bundt, Head Cyber and Digital Strategy bei Swiss Re, am Insurance Circle auf. Dabei hob sie hervor, dass die sich verändernde Risikolandschaft eines neuen Risikoverständnisses bedarf.

Dr. Maya Bundt, Head Cyber & Digital Strategy bei Swiss Re, spricht am Insurance Circle über die digitalisierte Welt.

Dr. Maya Bundt, Head Cyber & Digital Strategy bei Swiss Re, spricht am Insurance Circle über die digitalisierte Welt.

Die Digitalisierung ist ein Makrophänomen, das gegenwärtig fast alle Lebensbereiche betrifft. Aus ökonomischer Perspektive stellt sich die Frage, wo sich daraus neue Geschäftschancen ergeben und wo Geschäftsmodelle überholt werden. Am Insurance Circle veranschaulichte Maya Bundt, Head Cyber & Digital Strategy bei Swiss Re diese Entwicklung in ihrem Referat am Beispiel von Uber, dem Online-Vermittlungsdienst zur Beförderung von Personen. Dabei ging sie der Frage nach, weshalb sich dieses Geschäftsmodell so schnell verbreitet hat und arrivierten Industrien wie der Taxibranche das Wasser abgräbt. Ihr Fazit: Eine Dienstleistung muss die Attribute bequem, günstig, praktisch, schnell und sicher aufweisen, damit sie eine grosse Gefolgschaft anzieht. Wenn Technologie das Leben der Konsumentinnen und Konsumenten vereinfacht, steigt die Akzeptanz. «An das Einfache gewöhnt man sich rasch», fasst die Referentin zusammen.

Veränderte Risikolandschaft und neues Risikoverständnis
Am Beispiel von selbstfahrenden Autos zeigte die Cyber-Spezialistin auf, dass sich gewisse Risiken wie Auffahrunfälle im Pendlerverkehr massiv reduzieren lassen können. Gleichzeitig erwähnte sie aber auch, dass die «connected cars» eine neue Angriffsfläche für Cyber-Attacken (sog. «car hacks») bieten. Hier brauche es ein neues Risikoverständnis: Wenn bei Fahrzeugen sicherheitsrelevante Einrichtungen wie Bremsen ausgeschaltet werden könnten, würde dies zu fatalen Schäden im Strassenverkehr führen. Die Referentin geht davon aus, dass durch den vermehrten Einsatz von digitaler Technologie die Häufigkeit von Frequenzschäden zwar reduziert werden könne, aber Schäden mit hohen Kosten tendenziell ansteigen. Für die Versicherungsindustrie stellt diese Entwicklung eine besondere Herausforderung dar, da die Datenlage im Bereich von Cyber-Risiken aktuell sehr gering ist was die Steuerbarkeit von Portfolios erschwert. Um hier mehr Kenntnisse zu erhalten, werden momentan Modelle entwickelt, um die neuen Risiken besser einschätzbar zu machen.

Neue Risikonehmer
An den autonomen Fahrzeugen lässt sich ebenfalls zeigen, dass eine Verlagerung des Risikonehmers erfolgt. War bis anhin eine natürliche Person Vertragspartner in der Motorfahrzeugversicherung könnte diese durch Firmen wie Automobilhersteller ersetzt werden. Für die Versicherungsindustrie ist dieser Wandel insofern von zentraler Bedeutung, als dass speziell das Motorfahrzeuggeschäft in den meisten Ländern der grösste Markt im Privatversicherungssektor darstellt. Auch der Trend zur «shared economy» könnte dieses Marktsegment weiter beeinflussen. So geht Maya Bundt davon aus, dass es in Zukunft weniger Privatfahrzeuge geben wird: «Das Auto als individualisiertes Transportmittel wird verschwinden, stattdessen werden sich vermehrt Car-Sharing-Ansätze etablieren.»

Veränderte Industriestruktur
Die Referentin zeigte auch auf, dass sich die Industriestruktur der Versicherungsbranche verändert. Dabei erwähnte sie drei Entwicklungen: Erstens gibt es Start-ups wie Lemonade, welche Kundenbedürfnisse einfacher und schneller adressieren als etablierte Versicherungsunternehmen, da sie nicht mit gewachsen Strukturen zu kämpfen haben. Zweitens verfügen «Tech Giants» wie Google, Amazon oder Apple aufgrund ihrer vielfältigen Kundenstruktur und Datenbasis ebenfalls über das Potenzial, Versicherungsdienstleistungen anzubieten. Drittens bilden sich sogenannte Ökosysteme und Partnerschaften, die eine gesamtheitliche Wertschöpfungskette abbilden, zu welchen Versicherungsunternehmen einen Teil beitragen können. Insgesamt zeige sich zwar, dass sich neue Dienstleistungen rund um den Risikotransfer bilden, aber von den neu auftretenden Marktplayern nur die Minderheit tatsächlich als Risikoträger agiere, was insgesamt als Chance für die etablierten Versicherungsunternehmen zu deuten sei. Sie seien nun gefordert, sich in der sich rasch verändernden Industriestruktur neu zu positionieren.

Auskunft: Matthias Erny, Zentrum für Risk & Insurance

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