ales "" & is zhaw mitarbeiter: "zhaw_staff"

III. Paralegal-Forum: Chancen und Challenges der Digitalisierung für Paralegals

Das Thema ist hochaktuell und die Aula der ZHAW gefüllt. Prof. Dr. Jens Lehne, Leiter Abteilung Business Law (ZHAW), hiess über 100 Teilnehmende am III. Paralegal Forum zum Thema Digital Transformation 4.0 willkommen.
IMG_2254

Einleitend hielt Jens Lehne fest, dass die Digitalisierung grosse Hoffnungen wecke, aber auch mit Ängsten, insbesondere in Zusammenhang mit Datenmissbrauch und Arbeitsplatzverlusten, verbunden sei. Im Zentrum stehe heute die Frage, wie sich Paralegals für die Digitalisierung wappnen könnten und was die ZHAW mit ihrem Ausbildungsprogramm dazu beitragen werde.

Christian Waha zeigte den Veränderungsprozess am Arbeitsplatz auf.

Christian Waha zeigte den Veränderungsprozess am Arbeitsplatz auf.

Das Office der digitalen Zukunft
Als «Oscar-Träger» der Softwarebranche und Berater grosser multinationaler Unternehmen im Bereich Digitalisierung sprach Christian Waha über die Zukunft des digitalen Arbeitsplatzes. Die Arbeit habe sich von Manpower und handschriftlicher Arbeit hin zur digitalen Ablage, Grossraumbüros, flexiblen Arbeitszeiten und neuen Kommunikationsmitteln entwickelt. «Im Zentrum steht heute eine möglichst schnelle und flexible Datenbearbeitung sowie unbeschränkter Zugriff auf Datenbanken und Dokumente, die von vielen Personen gemeinsam bearbeitet werden – die so genannte Collaboration», so Waha. Diese Entwicklungen seien auch mit Herausforderungen, z. B. im Zusammenhang mit Datensicherheit und Government Rules, verbunden. Aus rechtlicher Sicht sei es daher wichtig, dass man sich auf einen sicheren und adäquaten Regulierungsrahmen verlassen könne.

Der Paralegal der digitalen Zukunft
Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht, ist der Überzeugung, dass die «Digitalisierung nicht zu Arbeitsplatzverlusten, sondern zu einer Verschiebung der Tätigkeitsfelder führt.» So seien beispielsweise im Kartellrecht früher Absprachen schriftlich vereinbart worden und das Beweismaterial sei demnach überschaubar gewesen. Heute habe sich das Datenvolumen durch die Digitalisierung vervielfacht, was sich exemplarisch an kartellrechtlichen Untersuchungen im Finanzbereich gezeigt habe, wo zehntausende von Chats zu prüfen waren. Die Verarbeitung von solchen Datenmengen wäre sowohl für die betroffenen Unternehmen als auch für Wettbewerbsbehörden, etwa im Rahmen von Beweisauswertungen, ohne Unterstützung von Paralegals finanziell und organisatorisch kaum zu bewältigen. Dies eröffne für Paralegals neue Tätigkeitsfelder.

Marie-Noëlle Necco, Absolventin CAS Paralegal II/2017, nahm den Preis für die beste Abschlussarbeit entgegen.

Marie-Noëlle Necco, Absolventin CAS Paralegal II/2017, nahm den Preis für die beste Abschlussarbeit entgegen.

CAS PARALEGAL Award
Die Swiss Paralegal Association (SPA) hat das Ziel, das Berufsbild «Paralegal» in der Schweiz zu etablieren. Stefan Liechti, Vorstand SPA, präsentierte zum ersten Mal den CAS PARALEGAL Award für den besten Paralegal-Abschluss. Der Preis wurde von der Schulthess Juristische Medien AG gesponsert und von Nora Keller übergeben. Ausgezeichnet wurde Marie-Noëlle Necco für ihre Arbeit zum Thema «Rechtliche Herausforderungen bei der Anwendung von mobilen medizinischen Apps zum Krankheitsmanagement». In der Laudatio hob Dr. Felix Schraner, Studienleiter CAS Paralegal / DAS Paraleglism ZHAW, die Aktualität und Praxisrelevanz der Arbeit hervor, die die Jury überzeugt hatte.

Die Ansichten der digitalen Zukunft – Podium
Die Podiumsdiskussion zwischen den hochkarätigen Experten zeigte, dass die Auswirkungen der Digitalisierung schwierig absehbar sind, die Zukunftsaussichten für Paralegals jedoch in jedem Fall sehr gut sind und die Bedeutung der Weiterbildung weiter zunehmen wird.

Felix Schraner zeigte auf, dass Veränderungen des Arbeitsplatzes nichts Neues sind – «diese zeigt die Entwicklung von der Agrarwirtschaft über die Industrialisierung bis zur aktuellen Digitalisierung.» Der technische Fortschritt sei faszinierend und die Menschen versuchten mitzukommen. Insofern sei «der Wettlauf zwischen Technik und Qualifikation der Arbeitskräfte eine Konstante der letzten 150 Jahre.» Entsprechend würde der CAS Paralegal an der ZHAW die Entwicklung angepasst. Neu werde der Fokus insbesondere auf Schnittstellen-Themen wie digitale Daten und Automatisierung, digitaler Kundenzugang sowie digitaler Verkehr mit Ämtern und Behörden gerichtet, wobei das bewährte Grundkonzept des CAS unverändert fortbestehe.

René Rall, Generalsekretär SAV, stellte fest, «die Digitalisierung führt dazu, dass Anwälte sich in Zukunft mehr auf ihre Kerntätigkeit konzertieren werden.» Er wünsche sich allgemein mehr Offenheit der Anwälte gegenüber technischen Veränderungen und sei der Überzeugung, dass Paralegals in der Schnittstelle Recht und Technik eine wichtige Funktion einnehmen würden.

Michele Imobersteg, Unternehmer, hat bereits vor zehn Jahren den CAS Paralegal absolviert und ist der Auffassung, dass durch die Digitalisierung langfristig Arbeitsplätze verloren gingen, insbesondere in der Rechtsbranche. Er vertrete daher die Meinung, dass ein IT-Basiswissen heutzutage unabhängig von Beruf und Branche essenziell sei.

Marc Bloch Sommer, Geschäftsführer Swisslex, sagte: «Ich glaube nicht daran, dass Menschen jemals durch Maschinen ersetzt werden können.» Mit der künstlichen Intelligenz seien jedoch langfristig Veränderungen verbunden, denen man sich nicht entziehen könne. Kurz- und mittelfristig werde die Nachfrage nach Paralegals jedoch steigen. Wichtig sei es, die Verständigung zwischen IT-Verantwortlichen und Anwälten zu senken, wozu Know-how an der Schnittstelle von Recht und Informatik unabdingbar sei.

Eleonora Zoratti berichtet über die Vielfalt ihrer Aufgaben als Paralegal.

Eleonora Zoratti berichtet über die Vielfalt ihrer Aufgaben als Paralegal.

Erfahrungsbericht eines Paralegals
Das abschliessende Referat hielt Eleonora Zoratti, CAS Paralegal Absolventin und heute tätig als Paralegal im Rechtsdienst von VINCI Energies Schweiz AG. Sie zeichnete entlang ihrer beruflichen Karriere den Wandel der Rechtsbranche nach. Dabei erkannte sie: «Paralegals verstehen Zusammenhänge zwischen Recht und Wirtschaft und sind damit für Legal Counsels eine Entlastung.» Entwicklungsmöglichkeiten sehe sie für Paralegals insbesondere in den Bereichen Records Management, strukturierter Wissenstransfer, Automatisierung Legal-Prozesse und im Content Management.

Paralegal-Forum 2019
Das IV. Paralegal-Forum findet am 23. Mai 2019 statt. Die ZHAW School of Management and Law freut sich schon heute, Sie begrüssen zu dürfen.

Auskunft: Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht

was Sie vielleicht auch interessiert...

Hinterlasse eine Antwort