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Herausforderungen der Krankenversicherungsbranche

Dr. Reto Dahinden, CEO der Swica, sprach am Insurance Circle der ZHAW School of Management and Law über die aktuellen Herausforderungen der Krankenversicherungsbranche.

Dr. Reto Dahinden, CEO Swica

In der öffentlichen Wahrnehmung stehen die Krankenversicherer in keinem guten Licht: Sie würden viel Gewinn machen und gleichzeitig wenig leisten wollen, sich gegen Veränderungen wehren, über Kosten statt Lösungen sprechen und hohe Prämien verlangen. «Nicht so Swica!», dementiert Reto Dahinden, CEO der in Winterthur beheimateten Krankenversicherung. Laut Dahinden ist es der Swica ein Anliegen, über Leistungen, Hilfestellungen und Nutzen zu sprechen: «Swica ist keine Kasse, sondern eine Gesundheitsorganisation, die nicht die Kosten, sondern die Kunden ins Zentrum stellt.» Zufriedene Kunden seien das A und O der Versicherungsgesellschaft.

Die «Unwuchten» im Schweizer Gesundheitssystem
Die Finanzierung des Gesundheitssystems ist über Jahre gewachsen. Dahinden erläuterte, wie diese Unwuchten zustande kommen, nämlich durch Interessenskonflike, Querfinanzierungen und Fehlanreize. Diese müssten schrittweise, aber konsequent eliminiert werden, da sie wichtige Optimierungen verhindern würden.

Das Finanzierungs-Dilemma
Sofern medizinisch möglich, ist die ambulante Behandlung schon heute vielerorts eine Selbstverständlichkeit. Dies berücksichtigt laut Dahinden den medizinischen Fortschritt und sei im Interesse der Patienten. Stationäre Leistungen werden von Krankenversicherungsgesellschaften (45 Prozent) und Kantonen (55 Prozent) gemeinsam getragen, wohingegen die Versicherten zu 100 Prozent für die ambulanten Leistungen aufkommen müssen. Daher sei eine einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen «folgerichtig»: «Ambulant vor stationär schafft in der aktuellen Tariflandschaft finanzielle Fehlanreize und entlastet das Kantonsbudget auf Kosten der Prämienzahler», erklärt Dahinden. Durch die aktuellen Finanzierungsstrukturen würden die Fehlanreize zu Lasten der Prämienzahler künftig noch grösser. Dahinden appelliert, Kantone und Versicherer ins gleiche Boot zu holen.

Die Verlagerung von stationär zu ambulant ist bereits in vollem Gang. Es wird massiv in den Aufbau ambulanter Strukturen investiert. Die Ausgaben für ambulante Leistungen stiegen im Jahr 2017 um rund acht Prozent. Als Folge von AVOS (ambulant vor stationär) müssten die Gesamtkosten im stationären Bereich sinken. Doch sind rund 70 Infrastrukturprojekte (Investitionen CHF 15 Mrd.) geplant oder bereits in Ausführung. Diese Investitionen werden den stationären Bereich künftig verteuern. Der Ruf nach «kostendeckenden» OKP-Tarifen (obligatorische Krankenpflegeversicherung) wird wachsen. Die Spitalplanung erfolgt primär kantonal. Als Konsequenz droht eine teure Überversorgung. Die bisherigen Erträge aus dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geraten unter Druck. Die Durchsetzung des Tarifschutzes (Doppelverrechnung, Mehrleistungsverträge) reduzieren die Erträge aus dem VVG. Die absehbare finanzielle Mehrbelastung der Kantone im Bereich der Alterspflege erhöht den Druck auf die kantonalen Budgets.

Einheitliche Finanzierung gefordert
Die Betriebskosten im stationären Bereich werden weiter steigen: Infrastruktur-Investitionen und steigende Personalkosten erhöhen die zukünftigen Betriebskosten. Variable Kosten reagieren auf allfällige Verlagerungen von stationär zu ambulant. Hier ist eine Strukturbereinigung von Nöten. Andererseites werden die Erträge im stationären Bereich tendenziell sinken. Durch die Verschiebung von stationär zu ambulant sinken die fallbezogenen Leistungszahlungen von Grundversicherung, Kanton und Zusatzversicherung. Gleichzeitig führen Tarifschutz und Mehrleistungsverträge zu weiteren Ertragsausfällen im VVG. Fazit: «Die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen stellt sicher, dass sich Politik, Kantone und Versicherer mit vereinten Kräften für ein finanziell tragbares Gesundheitswesen einsetzen», so Dahinden.

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