Alumni Homecoming Day: Mut zum Scheitern

Risiken eingehen, mit dem Scheitern umgehen und daraus lernen – das Thema des diesjährigen Alumni Homecoming Day bot Anlass für angeregte Diskussionen. Über 300 ehemalige Studierende, Dozierende und Mitarbeitende kehrten am 4. November für das Highlight SML-Kalenderjahr an ihre Alma Mater zurück.

«Fehler nicht das Ende einer Entwicklung, sondern ein integraler Bestandteil des Lernprozesses», sagte SML-Direktor André Haelg.

«Fehler nicht das Ende einer Entwicklung, sondern ein integraler Bestandteil des Lernprozesses», sagte SML-Direktor André Haelg.

«Steh auf, wenn Du am Boden bist.» Mit diesem Zitat aus einem Song der «Toten Hosen» läutete SML-Direktor André Haelg den 7. Alumni Homecoming Day ein. Der Umgang mit dem Scheitern, die Angst vor dem Risiko und der Mut zum Unternehmertum standen im Zentrum diesjährigen Veranstaltung. Im Gegensatz zum angelsächsischen Raum würde in der Schweiz das Fehlermachen weitgehend tabuisiert, so Haelg. «Dabei sind Fehler nicht das Ende einer Entwicklung, sondern ein integraler Bestandteil des Lernprozesses.» Er berief sich dabei auf den niederländischen Designer und Werber Erik Kessels, der in seinem Buch «Die Kunst, hemmungslos zu scheitern» dazu aufruft, Misserfolge zu riskieren, um Neues zu erschaffen.

«Ich habe gelernt, dass Vision etwas anderes ist, als alles Operative zu delegieren», sagt Switcher-Gründer Robin Cornelius.

«Ich habe gelernt, dass Vision etwas anderes ist, als alles Operative zu delegieren», sagt Switcher-Gründer Robin Cornelius.

Verantwortung für seine Ideen
Einer, der dieses Prinzip am eigenen Leib erfahren hat, ist Robin Cornelius. 1981 hatte er als 24-jähriger Student das Textilunternehmen Switcher gegründet. Auf ihrem Höhepunkt im Jahr 2006 erzielte seine Firma, die sich durch soziales und ökologisches Engagement auszeichnet, einen Umsatz von 84 Millionen Franken – Cornelius wurde von Ernst&Young zum Unternehmer des Jahres gekürt. Heute, zehn Jahre später, steht Switcher vor dem Konkurs. «Ich habe gelernt, dass Vision etwas anderes ist, als alles Operative zu delegieren», sagte Cornelius mit einem Augenzwinkern. Seinen Humor und seinen Idealismus hat er trotz des Scheiterns nicht verloren. Seit sich Robin Cornelius 2008 aus dem operativen Geschäft von Switcher zurückgezogen hat, konzentriert er sich ganz auf sein Projekt respect-code, mit dem sich die gesamte Wertschöpfungskette von Textilien nachvollziehen lässt. «Ich habe noch immer eine Verantwortung für meine Idee und werde sie weiterverfolgen.»

«Hartnäckigkeit zahlt sich irgendwann aus», sagt Lisa Chuma, CEO der Women's Expo Switzerland.

«Hartnäckigkeit zahlt sich irgendwann aus», sagt Lisa Chuma, CEO der Women’s Expo Switzerland.

Lasst Euch nicht entmutigen
Dass man seine Ideen nicht durch einen Misserfolg aufgeben sollte, ist auch die Devise von Lisa Chuma. «Dort, wo ich herkomme, kennt man den Begriff Scheitern gar nicht», erzählt die 31-jährige Unternehmerin. Sie ist in Simbabwe aufgewachsen – einem der ärmsten Länder der Welt. Früh hat sie gelernt, sich zu vernetzen, Chancen zu nutzen und etwas zu riskieren. Als sie 2011 von London aus in die Schweiz kam, baute Lisa Chuma quasi aus dem Nichts die Women’s Expo Switzerland auf. Am 26. März 2017 findet der Netzwerkanlass für Frauen mit über 160 Ausstellerinnen und 2000 Besucherinnen bereits zum fünften Mal statt. «Hätte ich gewusst, wie schwierig das sein würde, hätte ich es vielleicht gar nicht gewagt», sagt sie heute. Sich nicht entmutigen zu lassen, sei das Wichtigste. «Hartnäckigkeit zahlt sich irgendwann aus», ist sie überzeugt. Ihr nächstes Ziel ist es, als erste schwarze Frau ins Schweizer Parlament gewählt zu werden.

Robin Cornelius, Matthias Holenstein, Lisa Chuma, Beat Habegger, Giada Ilardo und Marc Maurer diskutierten auf dem Podium über die Angst vor dem Scheitern.

Robin Cornelius, Matthias Holenstein, Lisa Chuma, Beat Habegger, Giada Ilardo und Marc Maurer diskutierten auf dem Podium über die Angst vor dem Scheitern.

Realistisch sein, aber nicht aufhören zu träumen
Nach den beiden eindrücklichen Keynotes diskutierten die beiden Speaker mit weiteren Gästen unter der Leitung von 10vor10-Produzentin Bettina Ramseier weiter und beantworteten Fragen. Dabei ging es vor allem darum, wie man seine Angst vor dem Misserfolg überwinden könne. «Idealerweise hat man keine Angst, wenn man selbst definiert, was Scheitern heisst», sagte der Zürcher Kantonsrat und SML-Beirat Beat Habegger. Als Head of Political Risk setzt er sich bei der Swiss Re auch beruflich mit dem Thema auseinander. Ein gewisses Mass an Angst helfe dabei, schwierige Entscheide vorsichtig zu fällen, solange man sich nicht davon lähmen lasse. «Die Angst begleitet einem immer», gibt Giada Ilardo unumwunden zu. Mit 17 Jahren hat sie den Grundstein zu ihrem Tattoo-Imperium Giahi gelegt und seither viele Risiken auf sich genommen. «Der Laden in Winterthur hat ein Vermögen gekostet und ich trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter», sagt Illardo. Die Angst, dass ihr Konzept nicht aufgehe, ist für die Self-Made-Millionärin heute inzwischen unbegründet. «Realistisch sein, aber nicht aufhören zu träumen», lautet ihr Ratschlag für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer.

Das Publikum fragte gespannt nach Erfolgsrezepten.

Das Publikum fragte gespannt nach Erfolgsrezepten.

«Kann man es lernen, mutiger zu werden», lautete eine Frage aus dem Publikum. «Dafür muss man sein Umfeld verändern, einen ersten Schritt wagen», rät Matthias Holenstein. Als Geschäftsführer der Stiftung Risiko-Dialog beschäftigt er sich mit der Frage, wie einzelne Menschen und die Gesellschaft mit Risiken und Krisen umgehen. In der Schweiz brauche man keine existenziellen Ängste zu haben, ist Marc Maurer überzeugt. Der SML-Alumnus ist COO und Partner bei der Laufschuhmarke On-Running, die heute über 120 Mitarbeitende weltweit beschäftigt. «Sich eine Komfortzone zu schaffen, kann nicht der einzige Lebensinhalt sein.» Um erfolgreich zu sein, musste auch er aus der Komfortzone ausbrechen. Auf die Frage, was er anders machen würde, wenn er mit dem Start-up noch einmal beginnen müsste, antwortete er: «Früher anfangen.»

Nicolas Huxley freut sich als erster Preisträger über den SML Alumni Award. Moderatorin Bettina Ramseier fühlt ihm auf den Zahn.

Nicolas Huxley freut sich als erster Preisträger über den SML Alumni Award. Moderatorin Bettina Ramseier fühlt ihm auf den Zahn.

Fehler nur einmal machen
Um solchen Unternehmergeist und ausserordentliche Leistungen auszuzeichnen, hat die SML unter ihren Absolventinnen und Absolventen zum ersten Mal einen Alumni Award verliehen. Nominiert waren Marc Schürch, CEO des ICT-Dienstleister Netcloud; Nicole Gerber, langjährige Präsidentin der Alumni ZHAW SML; Klaus Tischhauser, Gründer des nachhaltigen Asset Managers Responsability; Nadja Lang, CEO der Max Havelaar Stiftung und Nicolas Huxley, CEO des Designerlabels Elephbo. In einer Online-Abstimmung wurde letzterer zum Gewinner des ersten Alumni Awards gewählt. Freudig nahm Huxley den Preis entgegen – stellvertretend für ein Team von Mitarbeitenden in Kambodscha, Bosnien und der Schweiz; wie er ausdrücklich betonte. «Ich erlebe Scheitern auf einer täglichen Basis, und sei es auch nur in kleinen Dingen», sagte der Preisträger. «Davon darf man sich nicht beirren lassen und versuchen, nie denselben Fehler zwei Mal zu machen.»

Die Basler Drumcrew «stickStoff» sorgte mit fulminantem Trommelwirbeln für Stimmung.

Die Basler Drumcrew «stickStoff» sorgte mit fulminantem Trommelwirbeln für Stimmung.

Einen fulminanten Abschluss des offiziellen Teils des Alumni Homecoming Day bildete der Auftritt der Basler Drumcrew «StickStoff». Auch die Trommler haben gelernt, mit Misserfolg umzugehen, etwa als sie 2013 in einer deutschen Casting-Show im Halbfinal ausgeschieden waren. Inzwischen begeistern die innovativen Tambouren mit ihren flexiblen, neuartigen Auftritten bei jährlich über 100 Shows das Publikum im In- und Ausland – so auch an der SML. Begleitet von ihrem Trommelwirbel wurde das Buffet eröffnet und die über 300 ehemaligen Studierenden, Mitarbeitenden und Dozierenden nutzten den Gelegenheit, um sich an der Alma Mater Night über ihre eigenen Fehlschläge und Erfolge auszutauschen, alte Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Wer den Abend verpasst hat oder es kaum erwarten kann, ihn zu wiederholen, notiere sich den 3. November 2017 bereits im Kalender. Dann findet der nächste Alumni Homecoming Day statt.

Auskunft: Simone Thomas, Alumni & Friends

Mehr Bilder in der SML Gallery

Der Alumni Homecoming Day ist eine gute Gelegenheit, Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.

Der Alumni Homecoming Day ist eine gute Gelegenheit, Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.

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