ales "" & is zhaw mitarbeiter: "zhaw_staff"

Sind Renditen und gutes Gewissen vereinbar? Dieser Frage ging der Finance Circle nach

Nachhaltige Anlagen galten lange als Nischenprodukt, sind aber längst salonfähig geworden. Sehr hohe Vermögenszuwächse in solchen Anlageformen zeugen vom hohen Interesse der Anlegerinnen und Anleger. Doch können Kunden damit auch gutes Geld verdienen oder lassen sich die Produkte primär nur gut verkaufen? Am Anlass stand die Frage nach der Performance nachhaltiger Anlagen im Zentrum.

Rund 200 Finanzfachleute nahmen am Finance Circle vom 20. April in Zürich teil. Moderator Roland Hofmann begrüsste die Anwesenden auch im Namen des Partners und Sponsors, des Zürcher Bankenverbands. Klaus Tischhauser, Präsident Swiss Sustainable Finance sowie CEO der responsAbility Investments AG, begann mit einem Markt- und Strukturüberblick und stellte gängige Investmentstrategien für nachhaltige Finanzanlagen vor.

Weltweit wachsender Markt
Weltweit erreichte der Markt für nachhaltige Finanzanlagen 2014 rund 21,4 Billionen Dollar. Europa ist noch führend, die USA legen aber stark zu. Bezüglich Kundengruppen dominieren global betrachtet institutionelle Anleger (über 90%). Allerdings ist der Anteil der Privatkunden in der Schweiz überdurchschnittlich hoch ist. Zurzeit wächst das „Impact Investing“ stark, wobei der Löwenanteil (55%) auf das Thema Mikrofinanz entfällt. Insgesamt ist der europäische Impact-Markt noch klein, medial erfährt er aber hohe Aufmerksamkeit. Klaus Tischhauser nannte speziell die Themen Landwirtschaft, Gesundheit und Energie als spannende Investitionsbereiche. Dabei seien neue Technologien oft Treiber positiver Entwicklungen („Development Investments“).

Weniger Volatilität im Portfolio
Gemäss Anja Hochberg, CIO Schweiz & Europa bei der Credit Suisse, ist die Grossbank seit 10 Jahren im Bereich Nachhaltige Anlagen engagiert. Noch treiben die institutionellen Kunden den Markt, doch registriere man ein steigendes Interesse von Privatinvestoren, vor allem auch in der Schweiz. Diverse Studien belegen, dass es bei nachhaltigen Anlagen keinen Nachweis für eine schlechtere Performance gibt, wenn man diese mit klassischen Anlagearten vergleicht. Aufgrund der tiefen Korrelation nachhaltiger Anlagen mit herkömmlichen Assetklassen können sie zu einer besseren Portfolio-Diversifikation beitragen. Man dürfe allerdings auch bei nachhaltigen Anlagen langfristige Wertschwankungen nicht ausser Acht lassen. Dank der steigenden Anzahl Produkte und Mandate habe man immer mehr Möglichkeiten, nachhaltig orientierte Kunden zielgerecht zu beraten und umfassende Lösungen anzubieten.

Von Saints, Sinners und Megatrends
Mirjam Staub-Bisang hat bereits 2011 ein Fachbuch zum Thema veröffentlicht. Als sie sich für das Thema zu interessieren begann, war sie stark ideologisch geprägt und wollte „die Welt verbessern“. Nach einer ernüchternden Unterhaltung mit einer Nachhaltigkeitsexpertin über deren persönliche Anlagestrategie wurde ihr aber klar, dass nur erfolgreich sein kann, was auch eine angemessene Rendite bringt. Daraus leitet sie die Definition bzw. den pragmatischen Ansatz der Independent Capital Group ab: Demzufolge sind nachhaltige Anlagen Investments, bei denen neben finanziellen auch nicht-finanzielle, ökologische, soziale und Governance-Kriterien berücksichtigt werden mit dem Ziel, die bestmöglichen Anlageresultate zu erreichen. Bezüglich der Strategien äusserte sie sich kritisch zum Best-in-Class-Ansatz: Man wisse, dass eine Reduktion der Anlagemöglichkeiten auf wenige Werte sich negativ auf die Performance des Portfolios auswirken können.

Das nachhaltige Anlagen gut performen, scheint die Harvard-Studie „Saints beat Sinners“ zu belegen. Demzufolge schlägt die Aktienperformance von Unternehmen der „high sustainibility“-Gruppe über den Zeitraum von 18 Jahren diejenige der „low sustainibility“-Gruppe um 50%. Die Praxis zeige allerdings, dass solche Vergleiche je nach Zeitraum ganz unterschiedlich ausfallen können. Grosses Potenzial sieht Mirjam Staub-Bisang beim „Megatrend“ Ressourceneffizienz-Anlagen. In diesem Wachstumsmarkt seien die Perspektiven für langfristige Anlagen sehr positiv. Mit Blick auf die institutionellen Anleger wies sie drauf hin, dass gerade Pensionskassen bzgl. Rendite keine Kompromisse machen dürften. Anlagen mit unterdurchschnittlicher Performance kämen somit nicht in Frage.

Eine kurze Podiumsdiskussion, moderiert von Roland Hofmann, rundete den Anlass ab. Insgesamt zeigte sich, dass sich gute Renditen und gutes Gewissen durchaus vereinbaren lassen. Anschliessend wurden die Gäste zum persönlichen Austausch bei einem Apéro riche eingeladen. Die Veranstaltung fand an der Pädagogischen Hochschule Zürich statt.

Auskunft: Roland Hofmann, Abteilung Banking, Finance, Insurance

was Sie vielleicht auch interessiert...

Hinterlasse eine Antwort