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Finance Circle: Ist Open Banking ein Fluch oder Segen für Schweizer Banken?

Ist Open Banking ein Fluch oder Segen für Schweizer Banken? Diese Frage stand im Zentrum des Finance Circle vom 4. Juni 2018. Rund 300 Personen besuchten die Veranstaltung zu diesem zukunftsträchtigen Bankenthema.

von Selina Grimm und Roland Hofmann

Rund 300 Personen lauschten den Ausführungen der Referenten.

Rund 300 Personen lauschten den Ausführungen der Referenten.

Roland Hofmann von der ZHAW führte durch den Anlass.

Roland Hofmann von der ZHAW führte durch den Anlass.

Open Banking hat das Potenzial, die Bankenwelt markant zu verändern, wie der Moderator der Veranstaltung, Roland Hofmann, Dozent an der ZHAW sowie Studiengangleiter MAS Financial Consulting, ausführte. Zuerst sei aber ein grundlegendes Verständnis rund um das Thema Open Banking notwendig. Begriffe wie API, TPP oder PSD2 könnten wegweisend für die Zukunft des Bankings sein. Anschliessend stelle sich die Frage nach der Umsetzung: Wie kann und soll Open Banking in der realen Welt gelebt werden? Wo und wie entsteht dabei ein Kundennutzen? Die nachfolgenden Referate beleuchteten das Thema aus verschiedenen Perspektiven.

Open Banking biete viel Raum für Innovationen rund um die klassischen Dienstleistungen, meint Sandro Graf.

Open Banking biete viel Raum für Innovationen rund um die klassischen Dienstleistungen, meint Sandro Graf.

Für Innovation ist die Adoption durch die Kunden zwingend
Sandro Graf, Leiter Service Lab am Institut für Marketing Management an der ZHAW, zeigte in seinem Referat die Kundensicht auf. Er hob das Nutzenversprechen («value proposition») der Finanzdienstleister hervor. Der wahrgenommene Kundennutzen sei individuell und sollte von den Banken genau identifiziert werden. Aber wie kann Open Banking den wahrgenommenen Kundennutzen fördern? Open Banking bietet viel Raum für Innovationen rund um die klassischen Dienstleistungen, wie Sandro Graf ausführte. Bei Innovationen sei die Adoption durch den Kunden aber der zentrale Aspekt. Nicht die Innovation an sich sei disruptiv, sondern der Nutzen für die Kunden. Der wahrgenommene Kundennutzen spielt bei Open Banking deshalb eine wichtige Rolle, weil neue Möglichkeiten bei der Gestaltung der Kundeninteraktion bestünden.

Gian Reto à Porta versteht die Schweizerische Bankiervereinigung nicht.

Gian Reto à Porta versteht die Schweizerische Bankiervereinigung nicht.

Banken müssen sich mit dem Thema «Open Banking» befassen
Den Kundennutzen zeigte auch Gian Reto à Porta, CEO von Contovista und Vorstandspräsident bei Swiss Finance Startups, in seinem Referat auf. So könnte ein Kunde beispielsweise über eine App seine verschiedenen Bankkonten anschliessen, um einen Überblick über seine gesamte Vermögenslage zu erhalten. Doch befürworten auch Bankmitarbeitende Open Banking? Bei einer Kurzumfrage durch Gian Reto à Porta fand die Mehrheit des anwesenden Publikums Open Banking eine gute Idee. Für Gian Reto à Porta sei es deshalb verwunderlich, dass die Schweizerische Bankiervereinigung Open Banking als «unnötig», «gefährlich» und «teuer» ansehe. Seine These war, dass der Branchenverband defensiv argumentiere und dass Banken, die sich mit dem Thema proaktiv befassen, zukünftig auch erfolgreich sein würden.

André Renfer ist überzeugt davon, dass Open Banking ein Weg ist, um zukünftig am Ökosystem teilzunehmen.

André Renfer ist überzeugt davon, dass Open Banking ein Weg ist, um zukünftig am Ökosystem teilzunehmen.

Eigene Software ermöglicht Flexibilität
Im Gegensatz zu anderen Banken entwickelt die Hypothekarbank Lenzburg ihre Software Finstar selber. Dies gebe der «Hypi» die notwendige Flexibilität in der Entwicklung und Umsetzung, führte André Renfer, Bereichsleiter Services der Hypothekarbank Lenzburg, aus. Open Banking sei für die sie ein Weg, am zukünftig wichtigen Ökosystem teilzunehmen. Die eigene Software ermögliche ihnen, die Systeme so zu bauen, dass eine Öffnung der Schnittstellen und somit Open Banking möglich sei. André Renfer führte auch aus, wie die Hypi Open Banking umsetzt: Sie bieten einen hauseigenen App-Store an, von welchem er ein Mockup am Finance Circle zeigte. Aber um Innovationen zu fördern, brauche es noch mehr: Wichtig sei die Schaffung von Freiräumen für Mitarbeitende, sodass neue Ideen auch ermittelt und umgesetzt werden können.

Regulierung sei nur bedingt zielführend – aber rege zur Diskussion an
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wies der Moderator Roland Hofmann darauf hin, dass in der EU die Öffnung durch die Gesetzgebung PSD2 erzwungen werde. Er wollte deshalb von den Referierenden wissen, ob in der Schweiz ein Zwang oder eher eine freiwillige Teilnahme zielführend sei. André Renfer sagte bestimmt, dass es keinen Zwang brauche. Da die Technologien sich rasend schnell weiterentwickeln, sei zurzeit sowieso nur eine Nachregulierung möglich. Gian Reto à Porta wies darauf hin, dass Swiss Finance Startups eine Selbstregulierung vorgeschlagen habe. Seine Angst sei, dass die hiesigen Banken den Anschluss verpassten, wenn sie sich nicht intensiv mit der Thematik Open Banking beschäftigten. Dadurch könnte die ausländische Konkurrenz zur Bedrohung werden, da sich diese Anbieter durch PSD2 mit dem Thema auseinandersetzen müssen.

In der Podiumsdiskussion stellten sich die Referenten auch den Fragen aus dem Publikum.

In der Podiumsdiskussion stellten sich die Referenten auch den Fragen aus dem Publikum.

Wie am Finance Circle aufgezeigt wurde, gibt es noch viel Unbekanntes im Bereich von Open Banking. Weitere Anwendungsbeispiele sowie eine Zusammenarbeit aller betroffenen Parteien werden notwendig sein, um die Komplexität des Themas zu erfassen.

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