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Finance Circle: Ist Markowitz überholt? Neue Modelle in der Asset Allocation

Der Grossteil der heutigen Finanzpraxis basiert immer noch auf dem nobelpreisgekrönten Modell von Harry Markowitz aus dem Jahre 1952. Am Finance Circle stellte sich die legitime Frage nach Alternativen zur der über sechzig Jahre alten Theorie.

Text: Jann Stoz und Alexander Schaier

Die Suche nach innovativen Ansätzen zur Portfoliokonstruktion hat sich in den letzten Jahren verstärkt, da sich die Markowitzoptimierung, insbesondere während Finanzkrisen, als fragil herausgestellt hat. Der neue Trend zur faktorbasierten Asset Allocation (FBAA) versucht diesem Umstand Rechnung zu tragen und könnte in Zukunft die Vermögensverwaltung prägen. Doch wie funktioniert faktorbasiertes Anlegen? Was sind die Vorteile einer FBAA gegenüber dem Standardansatz aus einer strategischen Asset Allocation (SAA) und taktischen Abweichungen (TAA)? Kann eine FBAA die Diversifikation eines Portfolios robuster machen? Ist der Ansatz einer faktorbasierten Asset Allocation nur für institutionelle Kunden geeignet oder können auch Privatanleger davon profitieren? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, haben sich am Montag, 6. Juni 2016, rund 250 Teilnehmende zum Finance Circle an der Pädagogischen Hochschule in Zürich eingefunden.

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«Der Anlagenotstand verführt viele Investoren dazu, die Risikokomponente bei der Portfoliokonstruktion zu vernachlässigen», sagt Carmine Orlacchio.

Effektive Diversifikation statt Renditemaximierung
Nach der Begrüssung durch Prof. Dr. Peter Meier vom Institut für Wealth & Asset Management übernahm Carmine Orlacchio, CIO und Gründungspartner der OLZ & Partners Asset and Liability Management AG, und führte das interessierte Publikum ins Thema ein. Dabei ging er kurz auf die klassische Portfoliotheorie ein und zeigte auf, dass eine gute Zusammenarbeit der Finanzindustrie mit den Forschungsinstitutionen für die Überwindung des aktuellen Anlagenotstands von hoher Relevanz ist. «In der aktuellen Situation lassen sich viele Investoren dazu verführen, die Risikokomponente bei der Portfoliokonstruktion zu vernachlässigen», so Orlacchio.

Faktorbasierte Asset Allocation
Dr. Daniel Höchle vom Institut für Wealth & Asset Management stellte dem Publikum den Grundgedanken einer faktorbasierten Asset Allocation vor. Dabei machte er klar, dass faktorbasiertes Anlegen zu einer robusteren Diversifikation führen könne und dass dieser Ansatz sowohl für institutionelle als auch private Anleger geeignet sei sofern diese über einen ausreichend langen Anlagehorizont verfügen. «Wesentlich ist, dass bei der FBAA, anders als beim Standardansatz, das Portfolio-Exposure nicht gegenüber Asset-Klassen, sondern gegenüber Risikofaktoren, welche als Treiber der Assetklassen-Renditen verstanden werden, festgelegt wird», erklärte Daniel Höchle. Da sich die Faktorexposures der Assetklassen im Zeitablauf ändern, führt eine Asset Allocation mit konstanten Positionen gegenüber den Risikofaktoren zu einer dynamischen Anpassung der Assetklassen-Gewichte. «Als Hauptvorteil der FBAA kristallisierte sich deren verfeinerte Steuerung der Portfoliorisiken heraus», fasst Höchle zusammen. «Demgegenüber besticht der Standardansatz durch seine Einfachheit.»

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Dr. Daniel Höchle vom Institut für Wealth & Asset Management stellte dem Publikum den Grundgedanken einer faktorbasierten Asset Allocation vor.

Ist Markowitz überholt?
Prof. Dr. Heinz Zimmermann von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel analysierte, weshalb der Markowitz-Ansatz so weit verbreitet ist und inwiefern der amerikanische Ökonom die Modellierung der Finanzmärkte vor über sechzig Jahren revolutioniert hatte. Am Beispiel der modernen Portfoliotheorie zeigte er auf, welche Herausforderungen sich stellen, wenn man versucht, Finanzinnovationen in die Praxis umzusetzen. Seine Konklusion war, dass der Ansatz von Markowitz natürlich nicht überholt ist, dass eine erfolgreiche Umsetzung des Modells in der Praxis jedoch clevere Ansätze zur Schätzung der Input-Parameter erfordert – die Extrapolation von historischen Daten funktioniert nicht.

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«Der Ansatz von Markowitz ist natürlich nicht überholt», sagt Heinz Zimmermann. «Eine erfolgreiche Umsetzung des Modells in der Praxis erfordert jedoch clevere Ansätze zur Schätzung der Input-Parameter – die Extrapolation von historischen Daten funktioniert nicht.»

Angeregte Diskussion und Fragerunde
Nach den kurzweiligen Referaten entstand ein interessanter Gedankenaustausch zwischen den Experten, welcher von Peter Meier moderiert wurde. Carmine Orlacchio unterstrich dabei, dass die Schweizer Finanzindustrie eigenständige Innovationen brauche und sich nicht auf dem Vertrieb von ausländischen Produkten verlassen könne. «Trotz den Smart-Beta Produkten, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, wird es auch in Zukunft Platz für Hedge Funds geben», sagte Daniel Höchle. «Denn die beiden Produkte unterscheiden sich stark bezüglich Transparenz und Komplexität.» Heinz Zimmermann erläuterte, dass die Liquidität eines Marktes für dessen Effizienz zwingend ist, was als Entscheidungskriterium zur aktiven oder passiven Anlage dienen kann.

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Prof. Dr. Heinz Zimmermann, Carmine Orlacchio und Dr. Daniel Höchle in der angeregten Diskussion, welche von Prof. Dr. Peter Meier moderiert wurde.

Zusammenfassend wurde am Finance Circle deutlich, dass die faktorbasierte Asset Allocation durch konstante Korrelationen zwischen den Risikofaktoren eine robustere Diversifikation von Finanzanlagen ermöglicht. Ausserdem stelle die Analyse von Faktorexposures eines Portfolios ein relevantes Instrument zum Verständnis der durch die Vermögensanlage eingegangenen Risiken dar. Jedoch zeigte sich in der Diskussion auch, dass die Methodik einer faktorbasierten Asset Allocation aufgrund ihrer Komplexität und der Anforderung eines langen Anlagehorizonts in naher Zukunft wohl eher für institutionelle Kunden mit hohem Anlagevolumen interessant sein dürfte. Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Beantwortung von Publikumsfragen waren, dass Rebalancing-Kosten je nach Häufigkeit der Anpassung der Assetklassengewichte tief gehalten werden können und dass die Umsetzung der FBAA auf eine korrekte Identifikation der relevanten Risiko-Faktoren angewiesen ist.

Für weitere Informationen zur faktorbasierten Asset Allocation und Zugang zu den Referaten im PDF Format wenden Sie sich bitte an Daniel Höchle oder besuchen Sie die Website des Instituts für Wealth & Asset Management.

Auskunft: Daniel Höchle, Institut für Wealth & Asset Management

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