Finance Circle: Frischer Wind im Kreditgeschäft

Trotz schönstem Sommerwetter erschienen über 300 Bankerinnen und Banker zum Finance Circle der SML, um sich über Chancen und Herausforderungen des Peer-to-Peer Lendings in der Schweiz zu informieren.

Kredite gibt es beinahe schon so lange wie das Geld selbst. Lange Zeit waren Bankkredite eine wichtige Form der Kapitalbeschaffung. Im Zeitalter der Digitalisierungen übernehmen nun aber vermehrt Onlineplattformen die Vermittlung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber – sogenanntes Peer-to-Peer Lending. Am Finance Circle der ZHAW School of Management and Law (SML) und des Zürcher Bankenverbands befassten sich Vertreter von Startups aus diesem Bereich sowie des traditionellen Bankkreditgeschäfts mit den Vor- und Nachteilen dieses Trends.

Daniel Hunziker, Vizepräsident des Zürcher Bankenverbandes, begrüsste die Teilnehmenden.

Daniel Hunziker, Vizepräsident des Zürcher Bankenverbandes, begrüsste die Teilnehmenden.

Grosses Wachstum, geringes Volumen
Nach der Begrüssung durch Daniel Hunziker, Vizepräsident des Zürcher Bankenverbandes, führte Moderator Roland Hofmann vom Institut für Wealth & Asset Management der SML ins Thema ein. «Plattformen für Peer-to-Peer Lending können die Transaktions- und Informationskosten senken und sich dadurch im Vergleich zu den Banken komparative Kostenvorteile nutzen», so Hofmann. «Dafür erbringen sie keine banktypischen Transformationsleistungen und geben somit das Ausfallrisiko an die Investoren weiter.» Für die Überwindung von asymmetrischen Informationen, die Erleichterung der Risikoteilung oder der Asset Transformationen lassen sich die Banken dagegen über eine höhere Zinsmarge entschädigen.

Trotz des rasanten Wachstums von 362 Prozent 2016, bleibt das Gesamtvolumen aller Crowdfunding-Kategorien in der Schweiz mit 128 Millionen Franken aber noch sehr gering. Im Vergleich zum Volumen der Inlandkredite von Schweizer Banken in der Höhe von 1109 Milliarden Franken macht das Crowdfunding lediglich 0.012 Prozent aus. «So bald wird es das traditionelle Kreditgeschäft der Banken nicht verdrängen», sagt Roland Hofmann. Diese Geschäftsmodelle würden hohe Volumen erfordern, die Schweiz sei dafür aber ein vergleichsweise kleiner Markt. «Die Finanzmarktregulierung ist stark national geprägt, was Cross Border-Geschäftsmodelle schwieriger umsetzbar macht», so Hofmann. Dennoch gebe es Beispiele von erfolgreichen Vermittlungsplattformen, welche enorme Effizienzsteigerungen und ganz neue Wertschöpfungsketten möglich machen.

«Wir verringern Aufwand und Gebühren von Kapitalgebern und -nehmern um 90 Prozent und sind dabei dennoch transparent und sicher», sagt Stefan Mühlemann, CEO von loanboox.

«Wir verringern Aufwand und Gebühren von Kapitalgebern und -nehmern um 90 Prozent und sind dabei dennoch transparent und sicher», sagt Stefan Mühlemann, CEO von loanboox.

Kreditantrag in 15 Minuten
Eines dieser Beispiele ist loanboox, eine Plattform welche Kantone und Gemeinden mit institutionellen Kapitalgebern und Banken zusammenbringt. Gründer und CEO Stefan Mühlemann erklärte am Finance Circle die Erfolgsgeschichte des Fintech-Startups. Nach neun Monaten im Geschäft hat loanboox bereits ein Finanzierungsvolumen von drei Milliarden Franken generiert. Das Startup finanziert sich selbst über eine Vermittlungsgebühr von einem Basispunkt (0,01%). «Wir verringern Aufwand und Gebühren von Kapitalgebern und –nehmern um 90 Prozent und sind dabei dennoch transparent und sicher», sagt Mühlemann. Einen Kreditantrag einzureichen dauert in der Regel 15 Minuten. Mühlemann sieht seine Firma nicht als Konkurrenz zu den Banken – im Gegenteil: 29 Banken haben die Plattform bereits als zusätzlichen Investitionskanal entdeckt.

« Wir steigern fortlaufend unseren Marktanteil im Kreditgeschäft und bauen unsere Marktführerschaft im P2P-Lending aus, über die Landesgrenzen hinweg», sagt cashare-CEO Michael Borter.

« Wir steigern fortlaufend unseren Marktanteil im Kreditgeschäft und bauen unsere Marktführerschaft im P2P-Lending aus, über die Landesgrenzen hinweg», sagt cashare-CEO Michael Borter.

Seit beinahe zehn Jahren im Geschäft ist cashare mittlerweile der grösste online Kreditmarktplatz der Schweiz. Seit der Gründung hat die Plattform bereits 1500 Projekt mit einem Volumen von rund 300 Millionen Franken finanziert. Im Gegensatz zu loanboox richtet sich das Angebot auch an Privatanleger und KMU – die Bandbreite der Kredite liegt 80’000 und 500’000 Franken. « Wir steigern fortlaufend unseren Marktanteil im Kreditgeschäft und bauen unsere Marktführerschaft im P2P-Lending aus, über die Landesgrenzen hinweg», sagt Mitgründer und CEO Michael Borter. Bereits plant cashare ein Pilotprojekt zur Vermittlung von Krediten für holländische Grossbank ABN Amro. Wie auch loanboox erfüllt cashare die strengen Anforderungen der FINMA wie etwa im Bereich der Datensicherheit und lehnt rund 80 bis 90 Prozent der Kreditgesuche aus Risikogründen ab.

Auf dem Podium diskutierten (vlnr) unter der Leitung von Roland Hofmann (ZHAW), Stefan Mühlemann (loanboox), Michael Borter (cashare) und Steven Himmelbach (Credit Suisse).

Auf dem Podium diskutierten (vlnr) unter der Leitung von Roland Hofmann (ZHAW), Stefan Mühlemann (loanboox), Michael Borter (cashare) und Steven Himmelbach (Credit Suisse).

Crowdlending vs. Bankkreditgeschäft
In der anschliessenden Podiumsdiskussion trafen die Vertreter der Crowdlending Plattformen auf Steven Himmelbach, der als Leiter der Firmenkunden Region Zürich bei der Credit Suisse (CS) die Perspektive des traditionellen Bankkreditgeschäfts einnahm. «Wenn man vergleicht, dass alleine die CS zurzeit Kredite in der Höhe von 60 Milliarden Franken vergibt, sehen wir die Fintechs nicht als Bedrohung an. «Für komplexe Finanzierungen und Beratungen wird es auch in Zukunft eine persönliche Betreuung brauchen», so Himmelsbach. Trotzdem könnten auch die Grossbanken von innovativen Startups profitieren und diese bei Bedarf übernehmen. Die Euphorie dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die grosse Bewährungsprobe für die Fintech-Branche noch anstehe, ergänzte Roland Hofmann. Ob sich Crowdlending-Plattformen auch bei einem steigenden Zinsniveau oder grösseren Zahlungsausfällen behaupten können, werde sich zeigen.

Auskunft: Roland Hofmann, Institut für Wealth & Asset Management

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