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Finance Circle: Bankenregulierung – wo bleibt die Eigenverantwortung der Kunden?

Am 31. August 2015 lud die Abteilung Banking, Finance, Insurance zum ersten Finance Circle nach der Sommerpause ein. Dabei wurden verschiedene Aspekte der Regulierung aus Sicht der Wissenschaft, Aufsicht und betroffenen Banken diskutiert.

Vollkaskomentalität und Bankenregulierung. Zwei Begriffe die bis anhin wenig miteinander in Verbindung gebracht wurden. Dass jedoch eine Tendenz zur Überregulierung besteht, wurde am gestrigen Anlass deutlich. Bei der Suche nach einem sinnvollen Gleichgewicht zwischen den Interessen der Kunden, Banken und dem Regulator sind neben den erwünschten auch unbeabsichtigte Auswirkungen zu berücksichtigen.

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Suzanne Ziegler erläutert den Regulierungsbedarf aus ökonomischer Sicht.

Ökonomische Rechtfertigung der Regulierung
Dass Finanzmarktregulierung nicht nur juristische, sondern auch ökonomische Fragestellungen beinhaltet, wurde im Einstiegsreferat von Frau Prof. Dr. Suzanne Ziegler, Leiterin der Abteilung Banking, Finance, Insurance, dargestellt. Es gilt, die Regulierung so auszugestalten, dass diese die gewünschte Wirkung erzielt und sowohl Effizienz- als auch Effektivitätsansprüchen genügt. Die Frage, ob sich Regulierungseingriffe mit der Begründung des Marktversagens rechtfertigen lassen, liegt im Fokus vieler wissenschaftlichen Untersuchungen. Zu bedenken ist dabei, dass bei Bankgeschäften grundsätzlich asymmetrische Informationen zwischen Kunde und Bank bestehen, welche sich nicht vollständig aufheben lassen. Suzanne Ziegler erläuterte am Beispiel des Einlergerschutzes eine bekannte regulatorische Massnahme aus ökonomischer Sicht.

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Horst Bienert erklärt aus Sicht der Aufsicht die Grundidee der FIDLEG.

Neben betroffenen Banken und den zu schützenden Kunden, nimmt auch die Aufsichtsbehörde eine wichtige Position im Regulierungsprozess ein. Diese Position wurde von Prof. Dr. Horst Bienert, Dozent für Banking & Finance an der ZHAW School of Management and Law, vertreten. In seinen Ausführungen relativierte er den von vielen Regulierungskritikern unterstellten revolutionären Ansatz der neuen Finanzmarktgesetzgebung. Finanzdienstleistungen sollen im «bestmöglichen Interesse der Kunden» angeboten und abgewickelt werden. Eine solche Formulierung, die sowohl das schweizerischen FIDLEG als das europäischen MiFID enthalten, ist keinesfalls neu für die Branche. Da sich Regulierungsmassnahmen auch nur auf einen begrenzten Sachverhalt beziehen können und keinesfalls den Einzelfall regeln, dürfen Kunden ihre Eigenverantwortung nicht aufgegeben. Grundlegende Regeln wie jene, dass die jeweils versprochene Rendite mit einem entsprechenden Risiko zusammenhängt, sollten alle Anlegerinnen und Anleger auch in Zukunft selber berücksichtigen.

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Nationalrat Hans-Peter Portmann äussert sich kritisch über das aktuelle Mass an Regulierungen.

Abschaffung der Eigenverantwortung durch Überregulierung?
Das dritte Referat erfolgte durch Nationalrat Hans-Peter Portmann. Er brachte neben seiner politischen Sichtweise auch seine Erfahrungen als Managing Director bei der LGT Bank (Schweiz) AG ein. Dass regulatorische Eingriffe die Privatsphäre der Kunden gefährden und dem Einzelnen die Eigenverantwortung absprechen, sieht er als Gefahr. Pointiert war deshalb sein Zitat von Benjamin Franklin: «Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren». Eindrücklich war auch der Überblick zu den politischen Aktivitäten, die im direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Finanzmarktregulierung stehen. Die vielen parlamentarischen Vorstösse und Gesetzesrevisionen verdeutlichen, wie aktuell das Thema ist und wie schwierig die Suche nach einem geeigneten Mass an Regulierung ist.

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Die angeregte Podiumsdiskussion wurde von Anita Sigg geleitet.

Dass noch viele offene Fragen in Bezug auf das Mass und die Folgen der Finanzmarktregulierung bestehen, zeigte sich in der lebendigen Diskussionsrunde. Unter der Moderation von Anita Sigg, stellvertretende Leiterin des Instituts für Wealth & Asset Management, nutzten die rund 70 Teilnehmenden die Chance, Fragen zu stellen. Beim abschliessenden Apéro riche bestand ausgiebig Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die Veranstaltung fand letztmalig im Technopark Winterthur statt. Fortan wird der Finance Circle jeweils an der Pädagogischen Hochschule Zürich durchgeführt.

Auskunft: Anita Sigg, Abteilung Banking, Finance, Insurance

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