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Entrepreneurial Foresight: Erste Antrittsvorlesung an der SML

Was an vielen Universitäten Tradition hat, hält auch an der SML Einzug: Neue Professoren stellen sich mit einer Antrittsvorlesung vor. Adrian W. Müller, Professor für Innovation Management und Entrepreneurship machte am 12. März den Anfang.

Stephan Loretan, Leiter Abteilung General Management, begrüsste die über 60 Anwesenden in der Aula im Volkartgebäude zur ersten Antrittsvorlesung eines SML-Professors. Er stellte den Referenten vor und erwähnte seine Funktion als strategischer Leiter des Startup Incubators der ZHAW, für die der Gründer zweier Unternehmen prädestiniert ist.

Was zeichnet erfolgreiche Innovatoren aus? Dieser Frage ging Adrian W. Müller, Leiter des Center for Innovation & Entrepreneurship, mithilfe von 8 Grundsätzen auf den Grund. Ein Problem von Innovatoren sei der Konflikt zwischen Planungsnotwendigkeit und Unsicherheiten bzgl. der Zukunft. Dabei gelte es, Prognosen zu misstrauen. „Denn Rückblickend erweisen sich viele als reichlich absurd.“ Beispielsweise äusserte Bill Gates 1995 die Meinung, das Internet sei nur ein Hype. Erfolgreiche Innovatoren misstrauen nicht nur fremden Prognosen, sondern auch den eigenen. Als der Toyota Primus 1997 vorgestellt wurde, lachten viele über das Modell. Amerikanische und deutsche Hersteller pflegten da noch ganz andere Zukunftsvorstellungen. Inzwischen sind Hybrid-Fahrzeuge eine Erfolgsgeschichte, so dass auch Daimler zugeben musste, aus der Geschichte viel gelernt zu haben. Trotzdem müssten Entrepreneurs andern signalisieren, dass sie den Zukunftsprognosen und -annahmen vertrauen. Denn, wo grosse Informationsasymmetrie herrsche, also z.B. zwischen Unternehmer und Investor, sei es wichtig, Vertrauen zu vermitteln, um sich und seine Idee optimal zu verkaufen. „I pitch, therefore I am“, lautet die Devise von „Pitching-Papst“ Guy Kawasaki, der auch die 10-20-30 Regel geprägt hat: 10 Slides, 20 Minuten, 30-Punkte-Schrift.

In seiner kurzweiligen Antrittsvorlesung zitierte Adrian Müller u.a. den griechischen Philosophen Perikles: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen; es kommt darauf an, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“

Wichtige Methoden und Konzepte für Entrepreneurs
Doch was kann man über die Zukunft wirklich wissen? Strategic Foresight gibt Werkzeuge an die Hand, um dies zu klassifizieren. Adrian W. Müller sprach in Anlehnung an Ulf Pillkahn von Erwartbarkeiten, Wahrscheinlichkeiten, Denkbarkeiten, Überraschungen und Wünschbarkeiten. Somit sei es, je nach Situation und Voraussetzung eine andere Zukunft, über die erfolgreiche Innovatoren sprechen. Und je häufiger sie ihre Geschichte erzählen, desto besser werden sie darin und desto eher entwickeln sie passende Versionen für unterschiedliche Situationen. Es gehe aber nicht nur ums Verkaufen, die Idee müsse auch die Anforderungen der drei Dimensionen Bedürfnisse (gesellschaftliche Faktoren), Möglichkeiten (technische Faktoren) und Machbarkeiten (ökonomische Faktoren) zufriedenstellend erfüllen. Sonst  sei Erfolg kaum möglich. Müller erwähnte die Concorde, die zwar einem Bedürfnis entspricht und ein Glanzstück der Ingenieurkunst ist, jedoch nie wirtschaftlich erfolgreich operierte. Ein Konzept, dem Müller viel abgewinnen kann, ist das „Lean Startup“ von Eric Ries. Da bei den meisten Startups die Planbarkeit fehlt, müssen sie sehr schlank operieren. Es gelte, möglichst rasch einen Prototypen (Minimal Viable Product) zu entwickeln, zu verbessern und so in kleinen Schritten voranzukommen. Ein ständiges  Lernen und Anpassen. Dies gilt nicht nur für Produkte und Dienstleistungen sondern auch für das Startup sowie die Entrepreneurs selbst.

Das Wesentliche und Visionäre
Den Grundsatz, Fokussierung auf das Wesentliche, illustrierte Müller anhand des Cirque du Soleil. Die 80iger-Jahre waren mit dem Aufkommen der Unterhaltungselektronik keine gute Zeit, um ein neues Zirkus-Format zu entwickeln. Die Gründer veränderten aber das Konzept und verzichteten auf Stars und Tiernummern, was Kosten sparte. Zudem definierten sie als Zielgruppe Erwachsene statt ganze Familien. Der Erfolg hat ihnen Recht gegeben. Erfolgreiche Innovatoren würde schliesslich die Zukunft erschaffen, bevor sie eintritt. Kaum jemand verkörpert dies besser als Elon Musk, der „Meister der Visionen“. Mit PayPal reich geworden, gründete er u.a. Tesla und SpaceX, die Elektromobiliät bzw. private Raumfahrt revolutionieren. Die Vorstellungskraft ist also eine wichtige Triebfeder für erfolgreiche Innovatoren. Oder in den Worten Alfred Einsteins: „Logic will get you from A to B. Imagination will take you everywhere.“

Unternehmertum wird zunehmend als wichtige Innovationskraft erkannt. Hier sieht  das CIE seine Mission. Es ist die Überzeugung des Centers, dass der „Entreprenural Spirit“ Innovationen voranbringt (egal ob in Startups, KMUs oder Konzernen) und nicht die technokratischen Vorstellungen, die lange vorgeherrscht haben. Dieser Spirit sei nicht lernbar, das Feuer müsse von innen kommen. Mit seinen Aus- und Weiterbildung kann das CIE aber wachrütteln, die Werkzeuge lehren und realistische Erwartungen vermitteln.

Die 8 Grundsätze im Überblick:

  1. Zukunftsprognosen misstrauen
  2. Den eigenen Zukunftsannahmen misstrauen
  3. Signalisieren, dass man den Zukunftsprognosen und -annahmen vertraut
  4. Verschiedene Zukunftsszenarien erzählen
  5. Wünschbarkeiten, Möglichkeiten und Machbarkeiten integrieren
  6. Planen, um zu experimentieren und zu lernen
  7. Auf das Wesentliche fokussieren
  8. Zukunft schaffen, bevor sie eintritt

Die nächste Antrittsvorlesung findet am 27. März statt: Prof. Hans Brunner wird zum Thema „Wealth Management“ referieren. Anmeldung bitte bis 20. März.

Auskunft: Adrian W. Müller, Center for Innovation & Entrepreneurship

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