Do you drive like a girl? Neue Ansätze in der Versicherungsindustrie

Auf der Studienreise des MAS Insurance Management erhielten die Studierenden einen Einblick in die Vielfalt Versicherungsmarkts in London und seiner jüngsten Entwicklungen. Startups wie «Insure The Box» und «Bought By Many» mischen den traditionellen Markt auf.

London gilt als Wiege der Versicherungsindustrie und auch heute noch prägt das Traditionshaus Lloyd’s diesen Markt massgeblich. Der Londoner Versicherungsmarkt ist aber auch ein Ort der Innovation. Michael J. Brockman, Gründer und CEO von Insure The Box, lebt seine Passion, mittels Technologie einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten. Er zählt heute zu den Innovationsführern in der Motorfahrzeugversicherung und beweist, dass mittels Telematikansatz sowohl die Schadenkosten als auch das Fahrverhalten positiv beeinflusst werden können. Als seine Kinder mit dem Autofahren begannen, kam er auf die Idee, junge Autofahrerinnen und Autofahrer als Zielgruppe zu definieren – just jene Gruppe, die aus Sicht einer Versicherungsgesellschaft das grösste Risikopotenzial birgt.

Belohnung für sicheres Fahren
Michael J. Brockman lancierte Insure the Box 2009 und verfügt heute über einen Kundenstamm mit 400’000 Policen und einem Datensatz von rund einer Milliarde Meilen pro Jahr. Um seine 140 Pfund teure Blackbox im kompetitiven Versicherungsmarkt zu platzieren, setzte er auf ein Anreizsystem. Sicheres Fahren belohnt wird – eine Bestrafung gibt es nicht. Eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes ist Drive like a girl, eine Antwort auf das EU-Diskriminierungsverbot nach Geschlecht. Wissenschaftlich ist es nämlich erweisen, dass Frauen tendenziell sicherer Auto fahren als Männer.

Vorteile der Telematik und aktuelle Herausforderungen
Bei Insure the Box verfügen die Kunden über ein Konto, auf dem sie Bonus Meilen sammeln und über ein integriertes Online-Portal im Folgejahr für eine Prämienreduktion einsetzen können. Darüber wird  das Fahrzeug bei einem Diebstahl geortet oder bei Unfällen ein Alarmsignal ausgelöst. Die Herausforderungen des Telematik Ansatzes liegen im Datenschutz, da Schnittstellen zu Telekomanbietern bestehen, auf deren Netz die Datenübertragung basiert. Eine weitere Herausforderung besteht darin, das Geschäftsmodell von den Junglenkern auf andere Generationen auszudehnen. Brockman bewältigt diese Probleme mit dem Ansatz der Kundenzentrierung: «You must design a product that a customer wants to buy and not what you want to sell.»

Bought By Many
Eine Versicherungslösung zu finden ist nicht immer ganz einfach, speziell wenn es sich um ein leidenschaftliches Hobby oder um spezielle gesundheitliche Beschwerden handelt. Steven Mendel, ein Aktuar mit über 25 Jahren Erfahrung in der Versicherungsindustrie, lässt mit Bought By Many das Gemeinschaftsgefühl aufleben. Sein Ansatz basiert darauf, Menschen mit gleichen Leidenschaften oder Problemen zusammenzubringen und ihnen eine erschwingliche Versicherungslösung anzubieten, die es auf dem bestehenden Markt nicht gibt. So kommen beispielsweise Modelleisenbahnenthusiasten oder Besitzer von exotischen Haustieren zusammen. Für diese Communities agierte Bought by Many in der Anfangsphase ausschliesslich als Intermediär und suchte bei einer Versicherungsgesellschaft nach einer entsprechenden Lösung. Seit kurzem bietet Bought by Many auch selber Versicherungslösungen mit der Rückendeckung des deutschen Rückversicherers Munich Re an. Dies jedoch nur in denjenigen Nischen, in denen bestehende Versicherungsgesellschaften keine Lösungen anbieten.

Suche nach Bedürfnissen über Social Media
Bought by Many durchforstet Social Media Plattformen (insbesondere Facebook) aktiv nach solchen Interessengruppen und versucht, ihre Bedürfnisse zu verstehen. Ähnlich wie bei Wikipedia stellt das Unternehmen den Community-Mitgliedern Plattformen zum Austausch von Wissen und Information zur Verfügung. Ein weiteres Novum ist die einfache Neuformulierung der Vertragsbedingungen: «Simple, straight forward English … and half policy wording» wie Steven festhält.

Auskunft: Matthias Erny, Zentrum für Risk & Insurance

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