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Donald Trump zitiert Studie von ZHAW-Mitarbeiter – und liegt trotzdem falsch

Die gegenwärtige amerikanische Handelspolitik kann potenziell positiv für die US-Wirtschaft sein – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. SML-Mitarbeiter Benedikt Zoller-Rydzek hat mit seiner Studie “Who is Paying for the Trade War with China?” ein Echo ausgelöst, welches auch beim US-Präsidenten Gehör gefunden hat.

Dass eine starke Vereinfachung von wissenschaftlicher Arbeit schnell zu ungewollten und unzulässigen Politikempfehlungen führen kann, hat das weltweite Echo auf eine EconPol Studie (auf Deutsch als ifoSchnelldienst) gezeigt, welche die Auswirkungen der US-Importzölle auf amerikanische Konsumenten und chinesische Produzenten untersucht. Das von Dr. Benedikt Zoller-Rydzek (ZHAW) und Gabriel Felbermayr (Weltwirtschaftsinstitute in Kiel) verfasste Policy Brief wurde nicht nur von verschiedenen Medien wie Bloomberg, Vox.com, der Handelszeitung oder der japanischen Nikkei aufgegriffen, sondern auch vom US-Präsidenten Donald Trump. Am 13. Mai 2019 bezieht er sich in einem Tweet direkt auf die Studienergebnisse:

US Präsident zitiert Studie von ZHAW Mitarbeiter

US Präsident zitiert Studie von ZHAW Mitarbeiter

Chinesischen Hersteller tragen die Hauptlast der US-Zölle
Zoller-Rydzek und Felbermayr zeigen in der Tat auf, dass die Erhöhung des US-Importzolls um 25 Prozentpunkte auf ausgewählte chinesische Produkte 22,5 Mrd. zusätzliche Zolleinnahmen in den USA generiert und mit einem Nettowohlfahrtsgewinn in der Höhe von USD 18,4 Mrd. in den USA verbunden ist. Von einer Zollerhöhung um 25 Prozentpunkte werden im Durchschnitt 20,5 Prozentpunkt vom chinesischen Exporteuer getragen und lediglich 4,5 Prozentpunkte von US-Firmen und -Konsumenten (siehe Grafik 1 und 2). Dies bedeutet, dass von jedem zusätzlichem US-Dollar Zolleinnahmen 82 Cent vom chinesischen Exporteuer bezahlt werden und lediglich 18 Cent vom US-Konsumenten. Genau dies wurde so vom US-Präsidenten aufgenommen.

ChinaUSTariffConsumerPriceZoller

ChinaUSTariffProducerPriceZoller

Dieser Effekt entsteht, da die US-Regierung bestimmte Produkte strategisch ausgewählt und mit Zöllen belegt hat. Es wurden Produkte bevorzugt, die einfach substituiert werden können. Das heisst, US-Konsumenten können einfach auf andere Produkte ohne Zoll ausweichen oder das gleiche Produkt von einem nicht chinesischen Produzenten beziehen. Wollen betroffene chinesische Firmen weiterhin wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie ihren Preis senken und damit ihre Profitmargen. In diesem Fall tragen chinesische Firmen die ökonomische Last der US-Importzölle.

Wichtige Einschränkungen und Bedingungen
Doch mit diesem Tweet wurde die Studie plötzlich als Legitimation der US-Handelspolitik wahrgenommen. Dabei wurden die in der Studie gemachten Einschränkungen und Bedingungen grosszügig ignoriert:

  • China erhebt keine Gegenzölle auf US-Güter, die ähnlich strategisch gewählt wurden und deren ökonomische Last hauptsächlich bei US-Exporteuern liegt. China erhob allerdings umgehend entsprechende Gegenzölle.
  • Es gibt keine Wechselkurseffekte. Der Renminbi sank aber seit der Einführung der US-Zölle um mehr als 7 Prozent.
  • Eine Partialgleichgewichtsanalyse berücksichtigt keine dynamischen Anpassungseffekte aus Drittländern.
  • Multinationale Unternehmen aus den USA mit chinesischen Produktionsstandorten tragen immer die volle Zolllast von 25 Prozentpunkten.
  • Eine Ausweitung der US-Importzölle auf mehr Produkte verkleinert den positiven Wohlfahrtseffekt, wenn nicht gar umkehrt, da die Güter nun nicht mehr strategisch ausgewählt werden und schwerer zu substituieren sind.

Handelskrieg hat langfristig keine positiven ökonomische Effekte
All diese Relativierungen passen natürlich nicht in einen kurzen Tweet. Dennoch sollte dem aufmerksamen Beobachter bzw. der aufmerksamen Beobachterin klar sein, dass ein ausufernder Handelskrieg mit umfassenden Zöllen auf alle Importe weder einfach zu gewinnen ist, noch langfristig positive ökonomische Effekte hat. Präsident Donald Trump drohte für den 10. Juni 2019 zusätzliche Zölle in der Höhe von 5 bis 25 Prozentpunkten auf alle mexikanischen Importe an. Dieser Schritt war nicht nur im US-Handelsministerium, sondern auch bei den Republikanern im Kongress und Senat, umstritten. Dass die Zölle letztendlich nicht erhoben worden sind, ist daher nicht verwunderlich und bestätigt die obige Aufzählung der Einschränkungen.

Kontakt: Dr. Benedikt Zoller-RydzekInternational Management Institute,