Finance Circle: Digital Bank Regulation – Innovation versus Wettbewerbsverzerrung?

Stellen Innovationen der Fintech-Industrie die Grundprinzipien der Finanzmarktregulierung in Frage? Am 25. September stand diese Grundfrage im Zentrum des Finance Circle der ZHAW School of Management and Law und des Zürcher Bankenverbandes. Einmal mehr zog die Veranstaltung über 170 Interessierte nach Zürich.

Die Digitalisierung eröffnet in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen neue Möglichkeiten. Sie stellt Gesellschaft und Behörden aber auch vor neue Herausforderung – so auch die Finanzindustrie. In der Schweiz sind im Sommer wichtige Weichen für die Regulierung der Anbieter digitaler Finanzdienstleistungen gestellt worden. So trug der Bundesrat neuen, digitalen Geschäftsmodellen Rechnung und ermöglicht einzelne Tätigkeiten im lizenzfreien Raum: Plattformen, die Gelder lediglich zur Abwicklung entgegennehmen und innerhalb von maximal 60 Tagen für den Kunden anlegen, benötigen neu keine Banklizenz mehr. Ebenso ist es erlaubt in «Sandboxes» oder Innovationsräumen ohne Banklizenz zu experimentieren und zwar mit echten Kunden und echtem Geld – allerdings nur mit maximal einer Million Franken. Vorgesehen ist zudem inskünftig eine «light» Lizenz und zwar für Dienstleister, die maximal 100 Millionen Franken entgegennehmen und kein Aktivgeschäft (z.B. Kreditgeschäft) betreiben. Die «light» Lizenz ist auf der Zielgeraden, aber noch nicht final verabschiedet.

Traditionelle und neue Anbieter – gegen- oder miteinander?
Der Anlass startete nach der Begrüssung durch Peter Luginbühl, Vorstandsmitglied des Zürcher Bankenverbands, mit einer Einführung ins Thema durch die Moderatorin des Anlasses, Dr. Marion Pester, Leiterin des Instituts für Wealth und Asset Management der ZHAW School of Management and Law. Danach legte Prof. Dr. Suzanne Ziegler, Leiterin Abteilung Banking, Finance, Insurance der ZHAW School of Management and Law dar, wie die Digitalisierung die Finanzindustrie verändert und mit welchem Regulierungsansatz die Schweizer Behörden darauf reagieren. Im Einführungsreferat wurden bewusst Spannungsfelder aufgezeigt, die den beiden nachfolgenden Referenten das Feld für ihre nachfolgenden Ausführungen öffnete.

«Die Fintech-Unternehmen brechen die Wertschöpfungsketten der Finanzindustrie weiter auf und entsprechend sind andere Rahmenbedingungen und Regulatorien erforderlich als für die traditionelle Bankenindustrie», sagte Urs Haeusler.

«Die Fintech-Unternehmen brechen die Wertschöpfungsketten der Finanzindustrie weiter auf und entsprechend sind andere Rahmenbedingungen und Regulatorien erforderlich als für die traditionelle Bankenindustrie», sagte Urs Haeusler.

So zeigt Urs Haeusler, Mitgründer und Vorstandsmitglied von Swiss Finance Startups, auf, wie aus seiner Warte Innovation gefördert werden kann. Für den Finanzplatz Schweiz ist es zentral, dass Firmen entstehen können, die global erfolgreich sind. Dies namentlich auch im Fintech-Bereich. Nur so können Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Schweiz erhalten bleiben. «Die Fintech-Unternehmen brechen die Wertschöpfungsketten der Finanzindustrie weiter auf und entsprechend sind andere Rahmenbedingungen und Regulatorien erforderlich als für die traditionelle Bankenindustrie», sagte Haeusler. Er hielt im Weiteren fest, dass sich die Regulierung vom Ansatz «one-fits-all» verbschieden müsse und für unterschiedliche Geschäftsmodelle auch Regulierungsvarianten eröffnen müsse. Beispielhaft fügte er verschiedene Fintech-Startups wie loanbox, squiro, crypto fund und smart valor an. Wichtig sei zudem, dass der Risikograd des Geschäftes im Zentrum stehe und nicht Alter oder Grösse des Unternehmens. Am Ende seiner Ausführungen gab er der Hoffnung Ausdruck, dass die FINMA vom Parlament ein flexibles Regulierungsinstrument erhalte, das im Endeffekt eine liberale, innovationsfreundliche, kostengünstige und zeiteffiziente Regulierung ermögliche.

«Man kann nicht einen Konsumentenschutz im Kleinkreditgeschäft der Banken etablieren und dann neue Marktteilnehmer ausserhalb dieses Schutzbereiches operieren lassen», so Dr. Martin K. Hess.

«Man kann nicht einen Konsumentenschutz im Kleinkreditgeschäft der Banken etablieren und dann neue Marktteilnehmer ausserhalb dieses Schutzbereiches operieren lassen», so Dr. Martin K. Hess.

Der Vertreter der Schweizerischen Bankiervereinigung, Dr. Martin K. Hess, begrüsse Fintech-Unternehmen im Grundsatz. Ohne sie würde der Finanzplatz insgesamt verlieren und ein Ausspielen von Fintechs gegen traditionellen Banken wäre ein Rezept für Misserfolg. Wichtig sei aber dennoch, dass gewisse Grundregeln eingehalten würden. «Man kann nicht einen Konsumentenschutz im Kleinkreditgeschäft der Banken etablieren und dann neue Marktteilnehmer ausserhalb dieses Schutzbereiches operieren lassen», so Hess. «Das führt einerseits zu Verzerrungen und andererseits sei der Konsumentenschutzgedanke nicht erfüllt.» Er votierte entsprechend für ein zukunftsträchtiges Regulierungssystem, in welchem für den gleichen Service auch die gleichen Regeln gelten. Im PSD2 sei dies gegenwärtig nicht der Fall. So müssten Banken Schnittstellen öffnen, grosse Technologiekonzerne dagegen nicht. «Das muss verbessert werden, um einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen», sagte Hess. «Auch in der schnelllebigen, digitalen Zeit besteht ein Bedürfnis nach Rechtssicherheit.» Insgesamt gebe es zurzeit aber noch ein Spannungsfeld zwischen der Dynamik der technologischen Entwicklungen auf der einen Seite und einem in der Schweiz üblichen Gesetzgebungsprozess auf der anderen Seite. «Es besteht ein Zielkonflikt zwischen Marktnähe, internationaler Wettbewerbsfähigkeit sowie Rechtssicherheit.»

Zusammen in die Zukunft
In der Podiumsdiskussion zeigte sich dann zunehmend, dass zwischen Fintech-Industrie und etablierten Banken keine Konkurrenzsituation wie zwischen Uber und dem angestammten Taxigeschäft besteht. Vielmehr betonten beide Seiten, dass ein Miteinander im Endeffekt zu einem international wettbewerbsfähigeren Finanzplatz führen würde.

Einigkeit herrschte auch bei der Podiumsdiskussion: Rahmenbedingungen fördern Vertrauen und sind für einen international wettbewerbsfähigen Finanzplatz notwendig.

Einigkeit herrschte auch bei der Podiumsdiskussion: Rahmenbedingungen fördern Vertrauen und sind für einen international wettbewerbsfähigen Finanzplatz notwendig.

Eine Kooperation zwischen Banken und Fintech-Unternehmen bestehe deshalb auch bereits heute, wie Urs Haeusler ausführte. Fintech-Unternehmen seien zwar kundenorientierter und innovativer, jedoch fehle ihnen das Kundenvertrauen und der Kundenzugang, welche Stärken der Banken seien. So ergänzen sich Fintech-Unternehmen und Banken heutzutage gut und die «Coopetition» schafft entsprechend einen Mehrwert für beide Seiten. Es sei aber sowohl für Fintech-Unternehmen als auch für traditionelle Banken notwendig, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um weiteres Vertrauen aufzubauen. Dem pflichtete auch Dr. Martin K. Hess bei und betonte, dass dadurch auch international ein Wettbewerbsvorteil geschaffen werden könne.

Text/Auskunft: Selina Grimm / Suzanne Ziegler, Institut für Wealth & Asset Management / Abteilung Banking, Finance, Insurance

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