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Das sind die Herausforderungen am Londoner Versicherungsmarkt

Das Zentrum für Risk & Insurance an der ZHAW School of Management and Law führte diesen Frühling im Rahmen des Weiterbildungsmasters in Insurance Management eine Studienreise nach London durch. Ziel dieser Reise war es, die Entwicklungen und aktuellen Herausforderungen des viert wichtigsten globalen Versicherungsstandortes besser kennenzulernen.

Der Londoner Versicherungsmarkt steht vor grossen Herausforderungen.

Der Londoner Versicherungsmarkt steht vor grossen Herausforderungen.

Lloyd’s of London ist der Inbegriff für einen Versicherungsmarkt mit einer über 300-jährigen Tradition, Treiber war damals die Schifffahrt. London ist der Ort, wo spezielle, komplexe und manchmal auch ausserordentliche Risiken – sehr beliebt sind immer wieder Körperteile von Berühmtheiten – versichert werden können, für die in den konventionellen Versicherungsmärkten kein Risikotransfer erfolgt. So umfasst dieser Markt heute rund 65 Mia. Dollar, was rund 1,3 Prozent des weltweiten Versicherungsmarkts entspricht. Doch dieser Markt steht vor zahlreichen Herausforderungen. Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne wird immer grösser.

Die Stärken von London
Was zeichnet den Londoner Versicherungsmarkt nach wie vor aus? In der City of London findet sich ein einzigartiges Ecosystem, das auf persönlichem Kontakt der Marktakteure (Versicherungsgesellschaften und Broker) sowie den relevanten Unterstützungsdiensten basiert. Die über 300-jährige Underwriting-Tradition hat zu einer Herausbildung von Expertise geführt, die es erlaubt, kreative Lösungsansätze zur Versicherung von Spezialrisiken im Firmenkundengeschäft zu finden. So werden seit einiger Zeit beispielsweise Versicherungslösungen für die kommerzielle Raumfahrt angeboten. Auch die Absicherung von Cyber-Risiken hat jüngst an Fahrt aufgenommen.

London verpasst Anschluss in aufstrebenden Märkten
Insgesamt ist der Marktanteil Londons am globalen Firmenkundengeschäft relativ stabil. Doch London büsste am globalen Rückversicherungsgeschäft stark ein. So hat sich dieses in den letzten Jahren von 15 Prozent (2010) auf 12,3 Prozent (2015) reduziert. Trotz der steigenden Nachfrage nach Risikotransfer in den aufstrebenden Märkten hat sich Londons Anteil an diesem Geschäft ebenfalls reduziert. So waren es 2013 noch 10.5 Mia USD und zwei Jahre später nur noch 9.3 Mia. USD. London kann somit von der Dynamik der aufstrebenden Märkte nur bedingt profitieren.

Mehr lokale Kapazität für Risiken
Treiber hinter diesen Entwicklungen sind einerseits alternative Absicherungsmöglichkeiten wie Fremdkapital oder Insurance Linked Securities (ILS). Andererseits werden Risiken zunehmend dort abgesichert, wo sie sich auch befinden, weil mittlerweile vielerorts mehr Kapazität vorhanden ist. Wie Inga Beale, CEO von Lloyd’s, an einem Referat sagte: «Bis vor einigen Jahren würde jedes grosse – 5 Milliarden US-Dollar teure – Energierisiko aus Dubai in London platziert werden. Jetzt … gibt es genug Kapazität in Dubai, um das Risiko dort zu halten.»

London ein teures Pflaster
Zudem ist London ein teures Pflaster: Lloyd’s Gesamtkostenquote liegt fünf bis acht Prozentpunkte über derjenigen der Konkurrenz. Treiber dieser Quote sind vor allem die Anschaffungskosten, die der Underwriter dem Lloyd’s Broker bezahlt, der das Geschäft letztlich auf den Markt bringt. Momentan beherrschen drei grosse Broker rund 50 Prozent des Firmenkundengeschäfts. Von diesen Entwicklungen profitieren insbesondere Hubs wie Bermuda, Singapur oder auch Zürich. Letzterer insbesondere im Bereich der Rückversicherung.

Der Brexit
Zu all diesen Herausforderungen kommt noch der Brexit. Für die Versicherungsindustrie in Grossbritannien bedeutet dies, dass das sogenannte Passporting aufgehoben wird. Versicherer aus der EU konnten mit einer Zweigstelle in Grossbritannien Versicherungslösungen anbieten und umgekehrt (sogenannte Dienstleistungsfreiheit). Lloyd’s hat als Reaktion auf den Brexit-Entscheid eine Zweigniederlassung in Brüssel eröffnet, um mit diesem Hub das Geschäft mit Kunden in Kontinentaleuropa direkt abzuwickeln und so mögliche Friktionen durch den geplanten EU-Austritt zu umgehen. Ein solcher Schritt löst sowohl direkte als auch indirekte Kosten aus. Zu den Letzteren zählen insbesondere organisatorische aber auch regulatorische Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Dies wirkt sich insbesondere auf zukünftige Geschäftsbeziehungen aus.

Planungsunsicherheit bei bestehenden Verträgen
Aber aufgrund der Contract Continuity ergeben sich einige Herausforderungen für bestehende Verträge. Betroffen davon sind neben Unternehmen Bürgerinnen und Bürger von EU-Staaten, die in Grossbritannien leben und britische Staatsangehörige, die in einem EU-Land leben. Mit dem Austrittsabkommen verlieren die Versicherungsgesellschaften die Lizenz, um Versicherungen in der Jurisdiktion der Kunden anzubieten. In der Folge können sie ihren vertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen. Die Versicherungsgesellschaften machen sich sogar strafbar bei der Erstattung von Leistungsansprüchen. Dies betrifft speziell Rentenversicherungen oder auch Betriebshaftpflichtversicherungen. Es wird davon ausgegangen, dass in Grossbritannien schätzungsweise fünf Millionen und in der EU-27 30 Millionen Versicherte davon betroffen sind. Vonseiten der Association of Britisch Insurers (ABI) wird daher eine «transitional period» einem harten Brexit vorgezogen, wie Hugh Savill, Director of Regulation, an einem Treffen mit den Masterstudierenden betonte. Abschliessend hielt er fest: «Je mehr Zeit wir haben, desto leichter sind die Herausforderungen zu erkennen.»

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