DACH-Compliance-Tagung 2017: Vergleichbare Herausforderungen – Gemeinsame Lösungen

Am 17. Februar 2017 fand die 1. DACH-Compliance-Tagung in Winterthur statt. Aktuelle Herausforderungen der drei Länder wurden aus Sicht von Verbänden, Wissenschaft und Praxis behandelt.

Verbandsvorstände im Panel (von links nach rechts): Rudolf Schwab, Eric Soong, Katharina Hastenrath, Helke Drenckhan und Thomas Pletscher

Verbandsvorstände im Panel (von links nach rechts): Rudolf Schwab, Eric Soong, Katharina Hastenrath, Helke Drenckhan und Thomas Pletscher

Wirtschaftsskandale erschüttern fast täglich die Gesellschaft. Als Reaktion ist das Thema Compliance bei Unternehmen hochaktuell. Auf der DACH-Compliance-Tagung diskutierten Expertinnen und Experten der drei Länder und führende Schweizer Wirtschaftsverbände über Lösungsansätze zu aktuellen Herausforderungen.

Wirtschaft und Compliance
Dr. Thomas Pletscher, Mitglied der Geschäftsleitung von economiesuisse sowie Generalsekretär bei ICC Switzerland, zeigte die enge Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg und Compliance auf. Historisch betrachtet, hatte in den vergangenen Jahrhunderten der «ehrbare Kaufmann» die direkte Compliance-Verantwortung. Er war als Alleinverantwortlicher verpflichtet, die Gesetze einzuhalten und sich ehrbar, also über die Gesetze hinaus, anständig und ethisch korrekt zu verhalten. Diese Direktverantwortung existiert heute in internationalen Unternehmen mit weitreichender Arbeitsteilung nicht mehr. Die Verantwortung tragen nun vor allem die Organe. Diese müssen auf eine wirksame Minimierung der Risiken hinarbeiten, was bei zunehmender Komplexität eine Herausforderung darstellt.

Die Sicht des internationalen Chief Compliance Officers
Drei Kernpunkte für die erfolgreiche Compliance-Arbeit im Unternehmen lassen sich aus der Vorträgen der Praktikerinnen und Praktiker der drei Länder als besonders wichtig herausheben.

  1. Bekämpfung übergreifender Risiken
  2. Richtiger Governance-Risk-Compliance-Ansatz
  3. Compliance Leadership des Line Managements

Risiken sind zunehmend nicht mehr einzeln, sondern übergreifend und im Zusammenhang zu betrachten. Leider herrscht bei mancher Unternehmensleitungen noch immer das Denken vor, dass sich nach interner Risikoabwägung Verstösse bisweilen auch lohnen können. Dies muss sich ändern, will man den Risiken Herr werden. Allerdings bringen immer mehr und weitreichendere interne Kontrollen nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis. Wichtig ist hingegen die Förderung integren Verhaltens im Unternehmen.

Ein Governance-Risk-Compliance-Ansatz kann die intendierten Synergien zwischen einzelnen Compliance- und Risikofunktionen fördern, sofern einige grundlegende Punkte beachtet werden. Dazu zählt die klare Benennung und organisatorische Aufteilung von Risiken sowie eine umfassende Definition, was die verschiedenen Funktionen unter Begriffen wie Prozesse, Risk Appetite, Bruttorisiko etc. verstehen.

Zudem ist das Leadership des Line Managements das Fundament einer effektiven Compliance-Arbeit. Alle Skandale sind auch auf das Versagen des Top- und Middle-Managements hinsichtlich Leadership zurückzuführen, teilweise sogar durch bewusste Non-Compliance dieser Funktionsträger. Eine gefestigte Führungskultur, die Compliance durch das Vorleben von persönlicher Verantwortung, Ehrlichkeit, Authentizität und Integrität gestaltet, wirkt Verstössen wie ein gutes Immunsystem entgegen.

Eric S. Soong, Group Chief Compliance Officer & Corporate Security, Schaeffler Group nennt die Erfolgsfaktoren für einen GRC-Ansatz.

Eric S. Soong, Group Chief Compliance Officer & Corporate Security, Schaeffler Group nennt die Erfolgsfaktoren für einen GRC-Ansatz.

Grösste Herausforderungen der DACH-Region aus Verbandssicht
Die Tagung hat die führenden Spitzen der bedeutendsten Compliance-Verbände der DACH-Region, Ethics & Compliance Switzerland, das Netzwerk Compliance aus Deutschland, sowie den Österreichischer Compliance Officer Verbund, an einen Tisch gebracht. Dabei wurden die aktuellen länderübergreifenden Risiken diskutiert, Lösungsansätze angedacht und ein Ausblick auf die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren geworfen.

Rudolf Schwab, Compliance Officer, Telekom Austria; Vorstand Österreichischer Compliance Officer Verband (ÖCOV), stellte die Risiken anhand des CPI-Index dar.

Rudolf Schwab, Compliance Officer, Telekom Austria; Vorstand Österreichischer Compliance Officer Verband (ÖCOV), stellte die Risiken anhand des CPI-Index dar.

Zusätzlich zu den Referaten und der Paneldiskussion gab es noch sechs verschiedene Workshops, die unter der Leitung von Helke Drenckhan, Katharina Hastenrath, Patrick Krauskopf und Michael Widmer durchgeführt wurden.

Die zweite DACH-Compliance-Tagung findet am 16. Februar 2018 in Winterthur statt.

Katharina Hastenrath, ZHAW School of Management and Law und Vorstand im Netzwerk Compliance, zog Vergleiche zwischen Compliance-Herausforderungen in Deutschland und der Schweiz.

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Patrick Krauskopf, ZHAW School of Management and Law, beschrieb in seinem Referat das Kartellrecht für die DACH-Region.

Patrick Krauskopf, ZHAW School of Management and Law, beschrieb in seinem Referat das Kartellrecht für die DACH-Region.

Jens Lehne, ZHAW School of Management and Law, fasste die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung zusammen.

Jens Lehne, ZHAW School of Management and Law, fasste die wichtigsten Erkenntnisse der Tagung zusammen.

Auskunft: Patrick Krauskopf, Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht

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