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Crowdfunding: Alternative Finanzierungsquelle und attraktive Anlagemöglichkeit

Die Finanzierung ist für KMU in der Gründungs- und Wachstumsphase eine grosse Herausforderung. Wer nicht über genügend Eigenmittel verfügt, ist auf Hilfe von Banken und Investoren angewiesen. Nun etabliert sich mit Crowdfunding eine alternative Finanzierungsform, die für Kapitalgeber und -nehmer Vorteile haben kann.

 Der Begriff des Crowdfunding lässt sich als Schwarmfinanzierung definieren, wobei in diesem Kontext die «Crowd» als Masse von Internetnutzern steht. Eine Vielzahl von Menschen bringt online im Rahmen von Kampagnen Geld für kulturelle, soziale oder kommerzielle Projekte auf. Dabei lassen sich die Sub-Kategorien Crowddonating, -supporting, -lending sowie -investing unterteilen.

Begriffsabgrenzung im Crowdfunding. Quelle: eigene Darstellung

Begriffsabgrenzung im Crowdfunding. Quelle: eigene Darstellung

Die Motive von Kapitalnehmern für die Lancierung einer Kampagne lassen sich in finanzielle und nicht-finanzielle Beweggründe unterteilen. Die Erschliessung von alternativen Finanzierungsquellen steht vor allem im Crowdlending und -investing im Vordergrund. Zusätzlich ermöglicht Crowdfunding dem Kapitalnehmer auch einen direkten Dialog mit den Endkundinnen und -kunden, womit sie unmittelbares Feedback zu Produkten oder Projekten erhalten.

“Banking is essential, banks are not.” (Bill Gates)

Ein globales Phänomen auf Wachstumskurs
Ein kurzer Blick über die Grenze zeigt: Crowdfunding ist global erfolgreich und auf Wachstumskurs. Im Jahr 2015 wurde weltweit ein Volumen von USD 34.4 Milliarden über Crowdfunding-Kampagnen vermittelt, was einem Wachstum von 112 Prozent gegenüber 2014 entspricht. Allerdings befinden sich die verschiedenen Märkte in sehr unterschiedlichen Stadien. Grossbritannien vereint aktuell über 70 Prozent des europäischen Transaktionsvolumens von Crowdfunding-Kampagnen. Während sich in dieser Region bereits eine ganze Crowdfunding-Industrie zu etablieren beginnt, bemühen sich in der Schweiz auch grössere Plattformen noch um kostendeckende Umsetzungen des Geschäftsmodells.

Weltweites Crowdfunding-Volumen 2012-2015. Quelle: Massolution Crowdfunding Report 2016

Weltweites Crowdfunding-Volumen 2012-2015. Quelle: Massolution Crowdfunding Report 2016

Starke Dynamik im Schweizer Markt
Per Ende August 2016 waren in etwa 50 Plattformen auf dem Schweizer Markt aktiv. Diese Plattformen teilten sich 2015 ein Volumen von CHF 27.3 Millionen über alle Crowdfunding-Kategorien hinweg, was einem Wachstum von ca. 70 Prozent gegenüber 2014 entspricht. Interessanterweise ist die Kategorie Crowddonating/Crowdsupporting in der Schweiz mit CHF 12.3 Millionen volumenmässig am bedeutendsten. Dies im Gegensatz zu den weiter entwickelten Märkten in den USA oder Grossbritannien, wo der Fokus stark auf Crowdlending liegt.

Crowdfunding-Volumen in der Schweiz 2015. Quelle: in Anlehnung an «Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016», HSLU/Swisscom, 2016

Crowdfunding-Volumen in der Schweiz 2015. Quelle: in Anlehnung an «Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016», HSLU/Swisscom, 2016

Prospektiv gilt hervorzuheben, dass der Crowdlending-Markt in der Schweiz mit 125 Prozent aktuell das stärkste Wachstum der Sub-Kategorien aufweist. Gerade wegen den eindrücklichen Wachstumsraten gilt es, den Blick für das grosse Ganze nicht zu verlieren. Trotz der herrschenden Euphorie ist Crowdlending in absoluten Zahlen betrachtet noch immer eine Nische. Das Volumen von CHF 7.9 Millionen ist im Vergleich zum Konsumkreditmarkt mit neu abgeschlossenen Krediten im Wert von über CHF 3.9 Milliarden noch immer sehr gering.

Risiken nicht ausser Acht lassen
Auch im Crowdlending lässt sich der für alle Anlageformen gültige Zusammenhang von Rendite und Risiko nicht aushebeln. Allerdings herrscht eine andere Risikostruktur als im klassischen Kreditgeschäft über eine Bank. Der Kreditausfall ist beim Crowdlending nicht durch den Einlagensicherungsfonds gedeckt, folglich trägt der Anleger das Risiko seiner Geldanlage selbst. Im Gegenzug winkt aber eine deutlich höhere Rendite. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass langfristig gesehen und bei guter Streuung durchschnittliche Renditen zwischen vier und sechs Prozent durchaus als realistisch angesehen werden können (Ausfälle sowie erhobene Gebühren bereits inkludiert). Gleichwohl sollten Investoren berücksichtigen, dass darin keinesfalls eine garantierte Rendite gesehen werden kann. Aus diesem Grund ist das A und O einer ausgewogenen Anlagestrategie auch in diesem Fall eine ausreichende Streuung des Kapitals. Die Analysen im Bereich der Kreditausfallquote lassen noch keinen repräsentativen Schluss für den Schweizer Markt zu, weshalb auf die Erfahrungen internationaler Wettbewerber zurückzugreifen ist. Lending Club, die grösste peer-to-peer-lending Plattform der Welt mit Sitz in San Francisco, beziffert seine Ausfälle auf durchschnittlich fünf Prozent. Bei Smava (DE) beträgt die Ausfallquote zwischen drei und fünf Prozent, wobei das Risiko des Kreditausfalls auf die Gemeinschaft verteilt wird. Lendix (FR) wiederum musste, nach eigenen Angaben, noch keine Ausfälle beklagen, was sicherlich auf die restriktive Kreditvergabe zurückzuführen ist (weniger als ein Prozent der Kreditgesuche werden genehmigt).

Steigender Bekanntheitsgrad begünstigt Wachstum
Aufgrund der aktuellen Entwicklung darf davon ausgegangenen werden, dass der Crowdfunding-Markt in den nächsten ein bis zwei Jahren deutlich an Dynamik gewinnen wird. Insbesondere im stark wachsenden Bereich des P2B-Lending sind weitere Markteintritte sehr wahrscheinlich. Gleichzeitig wird es bereits in diesem noch frühen Stadium zu einer ersten Marktkonsolidierung und damit verbundenen Austritten aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen kommen. Die Gesamtvolumina im Crowdfunding-Markt werden weiter stark zunehmen, was insbesondere auf einen steigenden Bekanntheitsgrad von Crowdfunding innerhalb der Schweizer Bevölkerung zurückzuführen ist. Für das Jahr 2016 erscheint eine Verdoppelung des Volumens auf über CHF 60 Millionen als durchaus realistisch. Die Treiber dieser Entwicklung sind vornehmlich im KMU-Lending sowie im Real Estate Crowdfunding zu suchen.

Auskunft: Fabian Danko, Institut für Financial Management

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