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Corporate Governance und Compliance in der Baubranche

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Full House am 20. Februar 2020 an der jährlich stattfindenden Excellence in Compliance Veranstaltung zum Thema «Corporate Governance und Compliance in der Baubranche». Diese brandaktuelle Materie zog viele Compliance-Verantwortliche aus der Bauwirtschaft an die Veranstaltung in Zürich.

Sandra Burlet bei der Begrüssungsrede

Sandra Burlet bei der Begrüssungsrede

Patrick Krauskopf (Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht ZHAW) und Sandra Burlet (Stv. Direktorin bauenschweiz) betonten in ihrer Begrüssungsrede die zentrale Funktion von Compliance bei Bauunternehmen. Die Verbände bauenschweiz und der Schweizerische Baumeisterverband haben deshalb eine gemeinsame Erklärung zu Compliance publiziert, welche bereits von Vertretern diverser Organisationen unterzeichnet wurden. Ziel der Veranstaltung war es deshalb in einem halben Tag die Themen zu behandeln, welche die grössten Risikofaktoren für die Baubranche bedeuten.

Laurens Abu-Talib Erklärt den Paradigmenwechsel

Laurens Abu-Talib erklärt den Paradigmenwechsel

Der Paradigmenwechsel im öffentlichen Beschaffungswesen

Laurens Abu-Talib (Allianz für ein fortschrittliches öffentliches Beschaffungswesen) eröffnete mit seinem Referat zum Thema Beschaffungsrecht die Tagung. Nach einem Überblick über die Revision des Beschaffungsrechts erklärte er den Paradigmenwechsel dieser Revision, die wesentlichen Änderungen und wie die Kantone diese Änderungen ausführen werden. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll damit der Qualitätswettbewerb gegenüber dem bisherigen Preiswettbewerb gestärkt werden. Am Ende seines Referates erklärte Abu-Talib weiter, dass die Plausibilisierung des Angebotes durchaus zu weniger Absprachen, weniger Preisverfälschung und somit einem realistischeren Wettbewerb führen könnte. Er betonte: «Es gibt noch viel zu tun, leben Sie den Paradigmenwechsel aktiv, denn nur weil das Gesetz sich ändert, ändert sich nicht automatisch auch der Wettbewerb!»

 

Praxis der Wettbewerbsbehörden im Bausektor 2019

Markus Wyssling während seines Referats über die aktuelle Kartellrechtspraxis im Bausektor

Markus Wyssling während seines Referats über die aktuelle Kartellrechtspraxis im Bausektor

Markus Wyssling (Wettbewerbskommission) erläuterte die Kartellrechtspraxis im Bausektor des vergangenen Jahres. Insbesondere ging er dabei auf Kompensationszahlungen, den Verzicht auf Schutzgebühren und auf die neusten Fälle der WEKO ein. Zu den Kompensationszahlungen erklärte Wyssling, dass nicht nur kartellrechtliche Folgen bei Verstössen gegen das Kartellrecht auftreten können, sondern auch Folgen aus Vergaberecht, Zivilrecht und sogar Strafrecht. Als Unternehmer müsse man sich somit gut überlegen: «Wollen wir das Risiko eingehen und in das Fadenkreuz der WEKO gelangen oder ergreifen wir im Voraus die nötigen Massnahmen, um nie auf deren Radar zu landen?» Hier hilft Compliance, sowohl bei der Prävention, als auch nach einem Zwischenfall. Dies wurde insbesondere klar bei den Beispielen zum Kies- und Betonkartell, dem Strassenbaukartell und den Verstössen im Engadin.

 

Volker Dohr referiert zum Thema Datenschutz und BIM.

Volker Dohr referiert zum Thema Datenschutz und BIM.

Datenschutz am Beispiel von «Building Information Modelling»

In seinem Referat zum Thema Datenschutz sprach Volker Dohr (ZHAW) darüber, wie Unternehmen mit den Herausforderungen von Datensicherheit, Datenleaks und BIM-Prozessen umgehen können. Er eröffnete sein Referat mit der Frage: «Was kann ich mit Daten tun? Was mache ich wann, wo und mit welchem System? Sind meine Kundendaten sicher?» Zunächst erklärte Dohr, welche Neuerungen mit der Einführung der neuen EU-DSGVO auf die schweizerischen Unternehmen zukommen werden und was ein BIM-Manager in einem Unternehmen macht. Er ging anschliessend unter anderem auf die Grundprinzipien des Datenschutzes genauer ein, wobei insbesondere die Einwilligung der natürlichen Person in die Verwendung der Daten sowie die Integrität und Vertraulichkeit des Unternehmens immer beachtet werden muss. Dohr sprach anschliessend über die Kernelemente des Datenschutzes im Unternehmen und gab den Teilnehmenden Tipps zu deren Implementierung in nur 10 Schritten.

Hands-On-Compliance: Praktische Tipps für die Umsetzung der Compliance im Bauunternehmen

Fabio Babey (ZHAW) erklärte die Theorie zu den Themen Compliance Kommunikation und interne Untersuchung, während René Fischer (Implenia) das

Fabio Babey und René Fischer geben praktische Tipps für die  Umsetzung der Compliance mit Theorie und Beispielen aus der  persönlichen Erfahrung.

Fabio Babey und René Fischer geben praktische Tipps für die Umsetzung der Compliance mit Theorie und Beispielen aus der persönlichen Erfahrung.

Referat mit Praxisbeispielen ausschmückte. Kommunikation ist gemäss Fabio Babey einer der wichtigsten Pfeiler der Compliance. Diese kann mittels gezielter Compliance Schulungen, E-Learnings, regelmässig aktualisierten Dokumentationen oder auch mittels Beratungsstellen gehandhabt werden. Wichtig sei hierbei auf jeden Fall, dass die Compliance von oben nach unten im Unternehmen vorgelebt und durchgesetzt werde. Auch René Fischer meinte dazu: «Solange die Geschäftsleitung nicht hinter Compliance steht, kann man noch so viel kommunizieren, es wird nichts nützen». In einem zweiten Teil zu internen Untersuchungen lag der Fokus auf der Whistleblowing Thematik und dem Vorgehen im Ernstfall. Auch hier waren sich die Referenten einig: «Vertrauen der Mitarbeiter in die Compliance Abteilung führt zu früherer Erkennung von möglichen Verstössen, einer effizienteren internen Untersuchung und geringeren Folgen für das Unternehmen im Falle eines Prozesses».

Nächste Veranstaltung

Die nächste Veranstaltung – Compliance and U.S. Law – wird in Kooperation mit der New York State Bar Association (NYSBA) am 29. April 2020 an der KV Business School in Zürich stattfinden. Anmelden können Sie sich via Online-Formular.

Auskunft: Dr. Felix Schraner, Head Excellence in Compliance, Zentrum für Wettbewerbs und Handelsrecht