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Compliance – wirksam und mit Mass!

Die Veranstaltungsreihe «Excellence in Compliance» widmete sich am 26. April 2018 in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischer Fachverband für Selbstmedikation und dem Schweizerischen Verband für komplementärmedizinische Heilmittel der Compliance in der Gesundheitsbranche.

Patrick Krauskopf (ZHAW) eröffnet die Veranstaltung Excellence in Compliance.

Patrick Krauskopf (ZHAW) eröffnet die Veranstaltung Excellence in Compliance.

Patrick Krauskopf (ZHAW) betonte in seiner Begrüssung die zentrale Funktion von Compliance und das Wissen um die Risiken von Non-Compliance in Pharma-Unternehmen. Er wies auf die Internationalisierung von Compliance hin: Sie zeige sich vor allem bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Behörden sowie der weltweiten Angleichung der Rechtsordnungen. In dieser Hinsicht sollten Unternehmensverantwortliche in der Schweiz insbesondere die Entwicklungen in der EU und in Deutschland im Auge behalten, da diese über kurz oder lang auch von den Schweizer Gerichten übernommen würden.

Gemäss Felix Schraner (ZHAW) ist massvolle Compliance besonders wirksam.

Gemäss Felix Schraner (ZHAW) ist massvolle Compliance besonders wirksam.

Das gesunde Mass im Kartellrecht
Unter dem Titel «Kartellrecht – das gesunde Mass» erläuterte Felix Schraner (ZHAW), dass das Kartellrecht alle Unternehmen aller Branchen betreffe. Besondere Vorsicht sei geboten, da die Weko bereits aktiv werde, sobald Abreden den Wettbewerb potenziell beeinträchtigen würden. Daher sei Kartellrechts-Compliance besonderes effektiv, wenn sie nicht nur reaktiv, sondern vor allem auch präventiv betrieben werde. Konkret müssten «Compliance-Massnahmen bereits vor dem Ernstfall getroffen werden, damit man auf eine Extremsituation – z. B. eine Hausdurchsuchung – vorbereitet ist.» Gemäss Felix Schraner muss «Compliance dort ansetzen, wo die Risiken liegen – denn dann erfolgt sie gezielt und damit wirksam!» Effektive Compliance bedinge jedoch, dass die Verantwortlichen auch Marktentwicklungen rechtzeitig erkennen würden. Denn gerade die Produkte-Spezialisierung und die Digitalisierung der Wirtschaft würden zu neuen kartellrechtlich Fragen führen, insbesondere im Bereich der Marktbeherrschung.

Philipp Fuchs (Vifor Pharma) weist darauf hin, dass Daten rechtmässig verarbeitet werden müssen.

Philipp Fuchs (Vifor Pharma) weist darauf hin, dass Daten rechtmässig verarbeitet werden müssen.

Datenschutzrecht in der Pharmaindustrie
Philippe Fuchs (Vifor Pharma) gab einen Überblick über die Grundlagen des aktuellen und zukünftigen Datenschutzrechts in der Schweiz und der EU. An Fallbeispielen zeigte er auf, wie Kunden- und Patientendaten in der Pharmaindustrie bearbeitet werden und welche datenschutzrechtlichen Fragen sich dabei stellen. Dann führte er aus, welche Grundsätze im Einzelnen zu beachten sind, damit die Datenbearbeitung rechtmässig erfolgt. Dies sei aufgrund der Konsequenzen, die ein Verstoss gegen das Datenschutzrecht heute und vor allem in Zukunft haben könnten, besonders wichtig. Fuchs räumte ein, dass «mit Bezug auf die Neuerungen im Datenschutzrecht grosse Unsicherheiten bestehen.» Indes sei klar, «dass Unternehmen künftig auch das Datenschutzrecht – wie bisher schon das Kartellrecht – wegen der Sanktionen ernst nehmen sollten.»

Fabio Babey (ZHAW) sagt, „Korruption ist vielschichtig und kommt in allen Branchen vor“.

Fabio Babey (ZHAW) sagt, «Korruption ist vielschichtig und kommt in allen Branchen vor».

Korruption als Herausforderung
Fabio Babey (ZHAW) referierte zunächst über die laufende Revision des Heilmittelgesetzes (HMG) und wies die Teilnehmenden auf die wesentlichen Änderungen hin. Dies betrifft insbesondere die Überführung von soft in hard law. Anhand praktischer Beispiele aus seiner eigenen Praxis schilderte Babey im Anschluss die Herausforderungen, mit denen Compliance Officer im Zusammenhang mit Korruption konfrontiert sind. Er betonte, dass die Unternehmenskultur für Compliance zentral sei: «Wenn der CEO das Team zusammenruft und glaubwürdig No-Gos kommuniziert, ist das von unschätzbarem Wert.» Solche Ansagen würden am besten haften bleiben.
Zur besseren Orientierung, welche Vorteile sozial akzeptiert und was rechtlich unzulässig ist, empfiehlt Babey, Beträge festzulegen und bei Unklarheiten den zuständigen internen oder externen Compliance Officer zu konsultieren.

Für Antje Petersen (Sonova Group) hat Compliance viel mit Psychologie zu tun.

Für Antje Petersen (Sonova Group) hat Compliance viel mit Psychologie zu tun.

Wie implementiert man ein wirksames Compliance-System?
Zum Abschluss referierte Antje Petersen (Sonova Group) zum Thema Implementierung und Organisation eines wirksamen Compliance-Systems. Sie zeigte auf, dass effektive Compliance entscheidend für den «long term success» von Unternehmen sei. Die Umsetzung des Systems gelinge erstens dann, wenn sie psychologisch richtig aufgezogen werde – konkret: die Vorteile für die einzelnen Stakeholder erklärt würden. Dabei «sprechen viele stets von der Wichtigkeit des <Tone of the top> – der <tone of the middle> ist jedoch genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger.. Dies gelte unabhängig davon, ob man ein Compliance-System neu aufziehe oder weiterentwickle. Zweitens legte Antje Petersen dar, dass das Monitoring besonders relevant sei, doch sei «Monitoring nicht mit dem Auditing zu verwechseln.» Denn Audits würden punktuell durchgeführt, demgegenüber würde ein Monitoring in Echtzeit und fortwährend erfolgen, was seine Effektivität gewährleiste.

Nächste Veranstaltung
«Compliance und Gesundheit» ist eine Veranstaltung der Serie Excellence in Compliance, organisiert von Felix Schraner, Head Excellence in Compliance der ZHAW. Die nächste Veranstaltung «Compliance im Bereich Datenschutz und Datensicherheit» findet in Kooperation mit dem Zürcher Zentrum für Informationstechnologien und Datenschutz (ITPZ) am 14. Juni 2018 in Zürich statt.

Auskunft: Patrick KrauskopfZentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht

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