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Compliance: Herausforderungen an der Unternehmensspitze

Unternehmen sehen sich heutzutage zunehmenden rechtlichen Hürden und regulatorischen Herausforderung ausgesetzt. Die Compliance ist dabei besonders gefordert, namentlich die Unternehmensspitze, welche für die strategische Umsetzung des Compliance Management Systems verantwortlich ist und dieses entsprechend umsetzten muss. Die Compliance muss dabei als Teil der Unternehmensstrategie und als Führungsinstrument im Unternehmen verwirklicht werden.

von Fabio Babey und Kimberley Bucher

Compliance ist «VUKA»
VUKAUnternehmen sind der VUKA-Welt ausgesetzt: VUKA steht für Volatilität, Ungewissheit, Komplexität sowie Mehrdeutigkeit. Die VUKA-Welt beeinflusst, wie Strategien erstellt, Entscheidungen getroffen oder mit Risiken umgegangen wird. Hiervon betroffen ist auch die Compliance:

  • Volatilität: Ereignisse verlaufen unerwartet und die Ursachen sind schwierig zu evaluieren. Dies gilt oftmals auch für Compliance-Vorfälle oder regulatorische Veränderungsprozesse. Hier ist die Compliance stark gefordert, müssen doch derartige Entwicklungen rasch möglichst antizipiert und Handlungsoptionen aufgezeigt werden können.
  • Ungewissheit: Regeln und Erkenntnisse, die früher einmal galten, sind plötzlich veraltet. Immer wieder zeigt sich, dass wahrscheinliche Prognosen schwieriger erstellt werden können. Die mangelnde Vorhersehbarkeit führt zu Ungewissheit und Unsicherheit. Für die Compliance bedeutet dies, dass diese kontinuierlich bei der Unternehmensplanung und -strategie einbezogen werden muss («Agiles Compliance Management System»).
  • Komplexität: Komplexität bedeutet, dass aufgrund der digitalen Transformation und der Globalisierung Prozesse komplizierter und vielschichtiger werden. Für die Compliance bedeutet dies einen Perspektivenwechsel: Das Management muss im Hinblick auf die Compliance «beweglich» bleiben und die Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, um Lösungen sowie Massnahmen zu definieren.
  • Mehrdeutigkeit: In der VUKA-Welt ist vieles nicht exakt bestimmbar, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Fehlinterpretation steigt. Teilweise muss mit Widersprüchen und Paradoxa gerechnet werden. Es gibt kaum mehr eindeutige Lösungen für ein bestehendes Problem. Gerade für die Glaubwürdigkeit der Compliance stellen sich hier viele Herausforderungen: Einerseits braucht es zunehmend flexible Lösungen, andererseits muss Kontinuität und Verlässlichkeit gewährleistet sein, damit die Mitarbeitenden klar wissen, was «compliant» ist und was nicht.

Unternehmensspitze: Herausforderung «Compliance»
ComplianceDie erfolgreiche Umsetzung der Compliance in einem Unternehmen bedarf eines klaren Bekenntnisses der Unternehmensspitze. Nur wenn die Führungsebene, allen voran der CEO, vermittelt, dass Compliance kein «nice-to-have» ist, sondern für das Unternehmen unabdingbar ist, werden sich das Management und die die Mitarbeitenden daran ein Beispiel nehmen und die Compliance «leben». Für die Unternehmensspitze sind dabei folgende Punkte von besonderer Beachtung:

  • Überzeugen Sie durch Taten, nicht durch Worte: Führungspersonen müssen durch Taten überzeugen und nicht durch Gerede. «Wasser predigen und Wein trinken» ist keine Option. Die Mitarbeitenden müssen erkennen, dass auch ihr Vorgesetzter die Compliance im Unternehmen praktisch vorlebt und umsetzt.
  • Sie stehen für Compliance, es beginnt mit Ihnen: Die Compliance muss von Führungspersonen verinnerlicht werden. Ausnahmen und Ausreden gibt es dabei nicht. Führungspersonen prägen die Compliance-Kultur massgeblich und sollten diese zur eigenen DNA machen. Dies ist letztlich eine Haltungsfrage.
  • Sie stehen für Compliance, rund um die Uhr: Glaubwürdigkeit bzgl. Compliance kann nur entstehen, wenn diese rund um die Uhr gelebt wird. Dies betrifft sowohl die Mittagspause als auch den «After-Work-Drink». Die Vorbildfunktion von Führungspersonen kennt keine zeitlichen Einschränkungen.

Digitale Transformation: Compliance in Action
Durch die digitale Transformation werden eine Vielzahl von Geschäftsprozessen automatisiert, digitalisiert und datenbasiert ausgestaltet. Insbesondere werden durch die digitale Transformation Anwendungen und Arbeitsinstrumente verändert. Von der fortschreitenden digitalen Transformation ist selbstredend auch die Compliance betroffen. Es ist eine Herausforderung für jedes Unternehmen, das Compliance Management System stetig und agil an diese digitalen Entwicklungen anzupassen:

  • Agilität: Das Compliance Management System muss agil und digital umgesetzt werden. Zentral ist aber gleichzeitig, dass die bestehende IT-Infrastruktur des Unternehmens berücksichtigt wird. Ein Compliance Management System sollte nicht die IT-Infrastruktur des Unternehmens dominieren, sondern optimal in diese eingebettet werden.
  • Automatisierung: Die digitale Transformation bietet u.a. die Chance, präventive wie auch nachgelagerte Überwachungsmassnahmen, wie bspw. das Screening von Dokumenten oder Prozesskontrollen, automatisiert durchzuführen. Diese neuen Arbeitsinstrumente sollten in einem modernen Compliance Management System zwingend eingebunden werden.
  • Risikomanagement: Mittels Datenanalyse und Evaluation können künftige Ereignisse, Risiken oder Trends besser vorhergesagt und antizipiert werden. Compliance Massnahmen werden damit im Optimalfall nicht mehr reaktiv, sondern proaktiv gestaltet.

Leadership, Management und Transformation: Excellence in Compliance Event

Dr. Fabio Babey, EMBA (HSG) Compliance-Experte und Referent am Excellence in Compliance

Dr. Fabio Babey, EMBA (HSG)
Compliance-Experte und Referent am Excellence in Compliance

Welche Chancen und Herausforderungen die digitale Transformation mitbringt und wie die Führungsspitze damit umgeht, beleuchten renommierte Expertinnen und Experten am Excellence in Compliance Event, der am 5. November 2020 unter dem Thema «Leadership, Management and Transformation: Compliance Herausforderungen» stattfindet. Im Anschluss an die Veranstaltung findet ein Apéro zum Austausch mit den Expertinnen und Experten statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Auskunft: Dr. Fabio Babey, EMBA (HSG), Zentrum für Wettbewerbs und Handelsrecht