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Blockchain und Recht in der Praxis

Am 10. April 2018 führte das Zentrum für Unternehmens- und Steuerrecht eine Tagung zum Thema «Blockchain und Recht in der Praxis» durch. Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen nach Winterthur, um während eines Tages einen vertieften Einblick in die Schnittstelle zwischen Recht und Technologie zu gewinnen.

von Nicolas Jacquemart und Stephan D. Meyer

Daniel Haudenschild, CEO der Swisscom Blockchain AG, erläutert verschiedene Blockchain-Anwendungen

Daniel Haudenschild, CEO der Swisscom Blockchain AG, erläutert verschiedene Blockchain-Anwendungen.

Markante Kursveränderungen haben das Interesse an virtuellen Währungen in der breiten Öffentlichkeit geweckt. Zahlreiche Finanzinstitute bieten Anlageprodukte in diesem Bereich an. Verschiedene Staaten überlegen sich, eigene virtuelle Währungen auszugeben. Und auf Unternehmen übt die Kapitalbeschaffung mittels Initial Coin Offering eine hohe Anziehungskraft aus. Die Blockchain-Technologie, auf der die virtuellen Währungen basieren, weist ein grosses Potenzial auf. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Doch sind manche rechtliche Fragen noch nicht geklärt.

Das Zentrum für Unternehmens- und Steuerrecht der ZHAW School of Management and Law lud für die Tagung am 10. April 2018 nach Winterthur, um den Teilnehmenden einen vertieften Einblick in rechtliche Fragestellungen im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie zu bieten. Acht Expertinnen und Experten aus der Praxis beleuchteten technische und regulatorische Herausforderungen.

Harald Bärtschi von der ZHAW School of Management and Law wies einleitend auf die interdisziplinäre Ausrichtung der Tagung hin.

Harald Bärtschi von der ZHAW School of Management and Law wies einleitend auf die interdisziplinäre Ausrichtung der Tagung hin.


Von der Informatik zum Finanzmarktrecht
Anschaulich erläuterte der Informatiker Dr. Christian Decker, Core Tech Engineer bei der Blockstream Inc., am Beispiel von Bitcoin die technischen Grundlagen der Blockchain-Technologie. Er betonte, wie wichtig es angesichts der aktuellen Stimmung ist, die sinnvollen Blockchain-Applikationen von anderen, dem Hype geschuldeten Vorhaben zu unterscheiden. Anschliessend widmete sich Björn-Gunnar Flückiger vom FinTech-Desk der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA der Behördenpraxis. In seinem weitreichenden Referat ging er auf die Ziele der FINMA sowie auf die Qualifikation von Blockchain-Anwendungen und Initial Coin Offerings ein. In der anschliessenden Fragerunde gab es neben vereinzelten kritischen Fragen viel Lob bezüglich der Offenheit und des Wissensstandes der FINMA.

Björn-Gunnar Flückiger von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA veranschaulichte die Vielfalt des Themas Blockchain aus regulatorischer Sicht.

Björn-Gunnar Flückiger von der FINMA veranschaulichte die Vielfalt des Themas Blockchain aus regulatorischer Sicht.

Vom Regulator zu den Regulierten
Im folgenden Block der Tagung hatten drei Vertreter der Finanz- und FinTech-Industrie von ihren Erfahrungen berichtet. Zunächst legte Jan Brzezek, CEO und Co-Founder der Crypto Finance AG, die Herausforderungen beim Aufbau des ersten schweizerischen Kryptowährungs-Fonds dar. Daraufhin beschrieb Dr. Karin Lorez, Senior Legal Associate bei MME, die in der Schweizer Bankenlandschaft erstmalige Einführung eines Kryptowährungsangebots durch die Falcon Private Bank im Jahr 2017. Nach der Mittagspause gewährte Benedikt Schuppli, Rechtsanwalt und ehemaliger Legal Counsel der Lykke AG, Einblick in die Fallstricke bei der Implementierung eines globalen Blockchain-Exchange. Er zeigte auf, wie die internationale Regulierungsvielfalt die rechtliche Komplexität erhöht.

Von der Rechnungslegung zur Beraterpraxis
Heiko Petry von KPMG und der Universität St. Gallen forderte die Teilnehmer mit seinen anspruchsvollen Überlegungen zur Behandlung von Kryptowährungen in der Rechnungslegung. Zum Abschluss vermittelten Daniel Haudenschild, CEO der Swisscom Blockchain AG, und Marco Grossi, Director bei Deloitte, anhand praktischer Beispiele einen Eindruck davon, wo sich verschiedene Industrien im Umsetzungsprozess von Blockchain-Projekten befinden.

Die Stimmung war den ganzen Tag über konzentriert, aber unverkrampft, und die Teilnehmenden nutzten die Pausen für bereichernde Gespräche. Auch wenn nicht alle Fragen geklärt werden konnten, bot die Tagung eine umfassende Darstellung der rechtlichen Herausforderungen, und das Tagungsleitungs- sowie Moderationsteam durfte sich über das ausgezeichnete Feedback der Teilnehmenden freuen.

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