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Behavioral Finance: Aktuell und doch unterschätzt?

Der Finance Circle vom 25. September 2018 widmete sich dem Thema Behavioral Finance. Über 300 Personen wollten von den Experten der ZHAW, der acrevis Bank AG und der Braingroup AG wissen: Ist die Verhaltensökonomie aktuell und doch unterschätzt?

von Selina Grimm und Kremena Bachmann

Behavioral Finance werde oftmals mit dem Anlage- und Investmentprozess in Verbindung gebracht, wie Anita Sigg, Moderatorin der Veranstaltung und Leiterin der ZHAW-Fachstelle für Personal Finance & Wealth Management, ausführte. Verhaltensökonomische Aspekte sind mit den verschiedensten Entscheidungen, welche wir täglich treffen, verbunden. Die zentrale Frage des Finance Circle war demnach: Wie kann unter Berücksichtigung des Entscheidungsverhaltens von Finanzdienstleistungskunden ein Mehrwert generiert werden?

Dr. Kremena Bachmann erläutert den Mehrwert der Behavioral Finance.

Dr. Kremena Bachmann erläutert den Mehrwert der Behavioral Finance.

Berücksichtigung individueller Kundenpräferenzen ist zentral
Alle drei Referierenden waren sich einig, dass das Entscheidungsverhalten der Kundschaft zwingend in der Entwicklung von Dienstleistungen bzw. Produkten berücksichtigt werden müsse. Dr. Kremena Bachmann, Dozentin der ZHAW School of Management and Law, meinte, dass die Behavioral Finance in der Wissenschaft aktuell sei. In der Praxis werde der Mehrwert der Verhaltensökonomie aber oftmals unterschätzt. Um Behavioral Finance in der Praxis zu berücksichtigen, gelte es, einerseits optimale Lösungen für die Kundschaft zu schaffen, indem deren individuelle Präferenzen berücksichtigt werden, und andererseits die Kundschaft von Fehlverhalten zu schützen.

Dr. Michael Steiner referiert über seine Tabletlösung mit verhaltensökonomischem Fundament.

Dr. Michael Steiner referiert über seine Tabletlösung mit verhaltensökonomischem Fundament.

Verhaltensökonomische Aspekte in Anlageprozess integriert
Die acrevis Bank AG bietet eine interaktive Tabletlösung im Anlagebereich an. Mit dieser Lösung erfassen sie u. a. die Risikofähigkeit, den Anlagehorizont sowie die Risikobereitschaft des Kunden. Der CEO der acrevis Bank AG, Dr. Michael Steiner, führte aus, dass die auf Verhaltensökonomie basierenden Fragestellungen Kundinnen und Kunden Freude bereiten würden. Zurzeit seien sie aber an einem Maximum der Komplexität angelangt. Zentral sei deshalb, dass bei der Umsetzung der Verhaltensökonomie die Einfachheit im Zentrum stehe. Die Kundenberaterinnen und -berater als wichtige Schlüsselpersonen im Beratungsprozess wurden mittels einer Schulung auf die neue Tabletlösung vorbereitet.

Daniel Bareiss erklärt sein Modell der Online-Finanzplanung.

Daniel Bareiss erklärt sein Modell der Online-Finanzplanung.

Verhaltensökonomie alleine genügt zur Umsetzung nicht
Daniel Bareiss, CEO der Braingroup AG, zeigte auf, dass der Berater bzw. die Beraterin heutzutage eine zentrale Rolle in der Finanzplanung einnimmt. Soll eine zur physischen Beratung ergänzende Online-Finanzplanung entwickelt werden, gelte es deshalb, verschiedene Herausforderungen (u. a. Kundenführung, Motivationsförderung) zu überwinden. Die Verhaltensökonomie (z. B. Mental Accounting = Planungswelten/Sparziele) könne hierbei wichtige Erkenntnisse liefern. Zur Umsetzung in der Praxis werde aber mehr benötigt: Weitere Disziplinen wie die Soziologie seien notwendig und bei der Lösungsentwicklung seien auch Kreativität und Expertise gefordert.

Reduktion der Komplexität als zukünftiges Potenzial
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde insbesondere die Vereinfachung der Prozesse angesprochen. Steiner führte aus, dass ihr primäres Ziel sei, die bestehenden Prozesse für ihre Kunden einfacher und verständlicher zu gestalten. Zusätzliche Module und neue Aspekte seien zurzeit nicht im Fokus. Bareiss meinte ebenfalls, dass die Komplexität der Finanzplanung reduziert werden müsse, sodass sowohl die Kundschaft als auch der Berater bzw. die Beraterin die Inhalte versteht. Er denke dabei insbesondere an eine visuelle und nicht an eine funktionale Reduktion. Bachmann betonte, dass für eine langfristige Kundenbeziehung immer der Mehrwert für die Kundschaft im Vordergrund stehen müsse und die Kenntnisse über Behavioral Finance nicht dazu missbraucht werden dürfen, um Kundinnen und Kunden zu manipulieren.

Die Podiumsteilnehmer diskutieren über das Potenzial der Verhaltensökonomie.

Die Podiumsteilnehmer diskutieren über das Potenzial der Verhaltensökonomie.

Fazit aller Referierenden war, dass die Verhaltensökonomie aktuell ist. Sie weise viel Potenzial auf, um innovative und kundenorientierte Lösungen zu entwickeln. Die Behavioral Finance ist nicht nur im klassischen Anlagebereich relevant, sondern kann bei sämtlichen Finanzdienstleistungen einen Mehrwert schaffen. Für die Umsetzung in der Praxis seien jedoch weitere Fertigkeiten gefordert, darunter Einfachheit und Kreativität.

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