ASEAN-Botschafter zu Gast in Winterthur

Die Botschafter von Indonesien, Laos, Malaysia, den Philippinen, Thailand und Vietnam waren am 9. Oktober zu Gast an der ZHAW School of Management and Law (SML). Am DIB Circle stellten sie einem interessierten Publikum die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) vor und diskutierten über die wirtschaftliche, politische und soziale Zusammenarbeit der Staaten in der Region. Die SML vertraten Dr. Daniel Seelhofer, Leiter der Abteilung International Business, und Dr. Max Schweizer, Ex-Diplomat und Leiter der Fachstelle für Foreign Affairs and Applied Diplomacy. Stadtpräsident Michael Künzle begrüsste die Botschafter in Winterthur.

Gemeinsam stark

«Mit einer Bevölkerung von 625 Millionen und einem Bruttoinlandprodukt von 2512 Milliarden US-Dollar ist ASEAN der sechstgrösste Wirtschaftsraum der Welt», erklärte Dato‘ Mohd Zulkephili Bin Mohd Noor, Botschafter von Malaysia, einem der Gründungsstaaten der ASEAN. 1967 schlossen sich Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Singapur zu dieser regionalen Kooperation zusammen, die heute zehn Staaten in Südostasien umfasst. «Die Flagge der ASEAN stellt zehn Reisrispen dar, die für die Mitgliedstaaten stehen», erklärte Leslie J. Baja, Botschafter der Philippinen. «Alleine sind sie zerbrechlich, aber gemeinsam sind sie stark.»

Konflikte im Südchinesischen Meer

Trotz ihrer vielfältigen Zusammenarbeit auf sicherheitspolitischer, wirtschaftlicher und soziokultureller Basis streben die ASEAN-Staaten keine Integration nach dem Beispiel der Europäischen Union an. Auch die Frage nach einer gemeinsamen Währung, die eine Studentin aus dem Publikum stellte, verneinten die Botschafter. «Wir haben aus der Geschichte gelernt», sagt Leslie J. Baja und sorgt für Erheiterung in der vollbesetzten Aula des Volkartgebäudes. Bei Themen wie dem Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer, das riesige Öl- und Gasvorkommen birgt, wurde es aber bald wieder ernst. «Die ASEAN-Staaten möchten eine friedliche Lösung finden – im Gegensatz zu gewissen anderen Ländern», sagte Baja in Anspielung auf das chinesische Säbelrasseln.

Verhandlung über Freihandelsabkommen

Die Beziehungen der Schweiz zu den ASEAN-Staaten erläuterte Botschafter Didier Chambovey, Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge. «Die Aushandlung von Freihandelsabkommen ist ein wahres Wettrennen zwischen der EU, der Schweiz und den übrigen EFTA-Staaten geworden. Aus zeitlichen Gründen verhandeln wir deshalb vorerst nicht mit der ASEAN selbst, sondern mit den einzelnen Teilstaaten.» Zurzeit sind Abkommen mit Thailand, Indonesien, Vietnam und Malaysia in Verhandlung. Als Kenner der Region und Autor des Buches «Regional Integration in East Asia» schilderte der Soziologe Dr. Patrick Ziltener von der Universität Zürich seine Einschätzung zu Südostasien zwischen Globalisierung und Regionalisierung.

Interkulturelle Diskussionen

In der Podiumsdiskussion stellten insbesondere die Studierenden aus Angola, die im Rahmen des Projects «Future Leaders of Angola» an der SML zu Gast sind, viele Fragen. Es entstand eine interessante Diskussion, die beim anschliessenden Apéro noch fortgesetzt wurde. Gespräche zwischen angolanischen Studierenden und südostasiatischen Diplomaten im Foyer des Volkartgebäudes sind schöne Beispiele für die internationale Ausrichtung der ZHAW School of Management and Law.

Auskunft: Max Schweizer und Dominique Ursprung, Fachstelle für Foreign Affairs and Applied Diplomacy

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