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Arbeitsrechtstagung 2019 – Veränderungen im Unternehmen korrekt und sozialverträglich gestalten

Reger Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Teilnehmenden und Referierenden – dies war das Ziel der Arbeitsrechtstagung vom 7. März 2019 in Zürich. Im frisch renovierten Hotel Marriott wurde eine Plattform für arbeitsrechtliche Fragen und Antworten im Zusammenhang mit Betriebszusammenschlüssen, Sanierungen von Unternehmen und Stellenabbau geboten.

Das Thema der Podiumsdiskussion war, wie betriebliche Veränderungen arbeitsrechtlich korrekt gestaltet werden können.

Das Thema der Podiumsdiskussion war, wie betriebliche Veränderungen arbeitsrechtlich korrekt gestaltet werden können.

Die Tagungsleiterin Dr. iur. Sara Licci eröffnete den Anlass mit den Worten «Veränderungen im Unternehmen können bisweilen kleinere oder grössere Stürme auslösen. Ziel dieses Vortrags ist es, Ihnen die Grundlagen zu liefern, wie alle so unversehrt wie möglich durch den Sturm kommen.» Die langjährige Dozentin der ZHAW School of Management and Law (Zentrum für Sozialrecht) und Rechtsanwältin gab den Teilnehmenden dann mit ihrem Referat grundlegende rechtliche Bestimmungen über den Betriebsübergang sowie massgebende Aspekte für die korrekte Durchführung einer Massenentlassung mit auf den Weg.

Aus den Erfahrungen des Leiters Mobiles RAV Aargau
Urs Schmid, Leiter des Mobilen RAV im Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, nahm den Faden auf. Er blickte auf eine über 20-jährige Erfahrung zurück. In dieser Zeit hatte er viel erlebt im Bereich betrieblicher Umstellungen. Rund 300 Massenentlassungen hat er begleitet, was ihn zu pragmatischen Ansichten geführt habe. Er warnte also vor übereiltem Handeln, ungenügender Vorbereitung und unklaren Botschaften, wenn es um Personalabbau geht. Ein jüngstes positives Beispiel: Ein grösseres Unternehmen sei seinen Empfehlungen gefolgt und sogar der CEO habe am Workshop für Führungskräfte teilgenommen, an welchem professionelles Trennungsmanagement Thema war. Schmid sei klar, dass Trennungen – wie im Privatleben – auch ein Teil des Arbeitslebens sein können. Aber: «Ein Kündigungsgespräch muss man üben. Es muss sec, klar und trotzdem menschlich sein.» Es gebe immer wieder typische Fehler beim Personalabbau. Über 50-Jährige und auch die verbleibende Belegschaft würden in der Planung oft vergessen gehen.

Wenn der Wind der Veränderung weht
Jean Christoph Schwaab, ehemaliger Nationalrat (VD) und Zentralsekretär des SGB im Bereich Arbeitsrecht, sieht das Hauptziel darin, so viele Stellen wie möglich zu retten. Bei Plänen zum Personalabbau werde zu häufig nur über die Milderung der Folgen des Abbaus diskutiert, wenn es doch eigentlich darum gehen sollte, Arbeitsplätze zu erhalten. Auch er erachtete es als wichtig, dass genügend Zeit und Spielraum vorhanden sei, um einen Personalabbau so sauber wie möglich zu planen und durchzuführen. Damit könne verhindert werden, dass Veränderungen in Unternehmen auf beiden Seiten nur Unzufriedenheit hinterlasse.

Das Referat von Daniella Lützelschwab, Leiterin des Ressorts Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, zeigte anhand von praktischen Beispielen den Ablauf eines Konsultationsverfahrens und von Sozialplanverhandlungen sowie die dabei zu vermeidenden Stolpersteine auf. Dabei betonte die Referentin auch die Wichtigkeit der Schulung der Arbeitnehmervertretung. Auch würden gewisse Differenzen in der Arbeitgeber- und Arbeitnehmersicht deutlich, so z. B. in Bezug auf vorverhandelte Sozialpläne. Nach einem reichhaltigen Kaffeebuffet lud Moderator Mark Alder, der den Morgen mit dem Sprichwort «Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen», eröffnet hatte, zu einer spannenden Podiumsdiskussion.

Führungskräfte in der Pflicht
In der Mittagspause erwartete die Teilnehmenden ein grosszügiger Lunch, der die Möglichkeit zu anregendem Austausch bot. In den Nachmittag startete Rechtsanwältin Monika McQuillen mit einem Beitrag zu den Pflichten von Führungskräften. Sie zeigte anschaulich die unterschiedlichen Arten deren Transaktionen auf Arbeitsverhältnisse, aber insbesondere die in diesem Zusammenhang auftretenden Haftungsfragen. Sie wies auf Methoden hin, wie in der Praxis versucht wird, diese Risiken zu minimieren. Es folgen vier Sessions mit hohem Praxisbezug, an denen in kleineren Gruppen teilgenommen werden konnte. Dabei ging es um den Sonderfall Sanierung (Georg J. Wohl und Zeno Schönmann, Rechtsanwälte), Kurzarbeit (Andrea Kaiser, Rechtsanwältin), ein Praxisbeispiel zur Zusammenlegung von Betrieben (Hans-Rudolf Castell, Rechtsanwalt und ehem. Leiter Direktion HRM Migros-Gruppe) sowie die Vorbereitung von Arbeitnehmenden auf die Frühpensionierung durch das HR (Christoph Plüss, Pensionskassenexperte Partner Allvisa AG).

Die Tagung bot den Teilnehmern eine Plattform für diverse Themen im Bereich Arbeitsrecht.

Die Tagung bot den Teilnehmenden eine Plattform für diverse Themen im Bereich Arbeitsrecht.

Reintegration und Agilität
Am späteren Nachmittag folgte ein Referat von Dr. Philipp Egli, Leiter des ZHAW-Zentrums für Sozialrecht, zur Reintegration von älteren Arbeitnehmenden in den Arbeitsmarkt aus Sicht der beruflichen Vorsorge sowie ein Ausblick durch Matthias Mölleney, Inhaber peopleXpert, auf die Zukunft, in welcher der Agilität eine wichtige Rolle zukommen wird. Der sich bereits heute abzeichnende vielfältige Wertewandel wird ein Generationenmanagement mit Fingerspitzengefühl unerlässlich machen und so – nebst Digitalisierung und Transformation – ebenfalls neue Herausforderungen an die Weiterentwicklung der Führungskräfte stellen. Heute und morgen werden und sollen Lösungen eine wirksame Kooperationskultur begünstigen, in der Teams Leistungen erbringen dank «Psychologial Safety», in welcher Wert gelegt wird auf Vertrauen, Respekt und Wertschätzung.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von Schulthess Forum und der ZHAW School of Management and Law durchgeführt.
Weitere Informationen finden Sie auf der Veranstaltungsseite.

Auskunft: Dr. Sara Licci, Zentrum für Sozialrecht, ZHAW School of Management and Law

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