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Agiles Banking: Die Antwort auf dynamische Veränderungen?

Ist agiles Banking die Antwort auf dynamische Veränderungen? Diese Frage stand im Zentrum des Finance Circle vom 19. November 2018. Rund 300 Personen besuchten die Veranstaltung zu diesem Trendthema in der Finanzindustrie.

von Tra Mi Cong

Rund 300 Personen lautschen den Ausführungen der Referenten.

Rund 300 Personen lautschen den Ausführungen der Referenten.

Agilität ist ein Schlagwort, das heute nur zu gern in allen möglichen Kontexten verwendet wird, wie die Moderatorin der Veranstaltung, Dr. Marion Pester, Leiterin des Instituts für Wealth & Asset Management der ZHAW School of Management and Law, ausführte. Doch was bedeutet Agilität überhaupt? Was ist das Potenzial dieses Konzepts? Und wie kann Agilität in Banken genutzt werden? Mit diesen Fragestellungen beschäftigten sich die Referate am Finance Circle vom November 2018.

Prof. Dr. Franz Rösli erklärt die VUCA-Welt.

Prof. Dr. Franz Rösli erklärt die VUCA-Welt.

«Wir leben in einer VUCA-Welt»
Prof. Dr. Franz Röösli, Leiter des Zentrums für Unternehmensentwicklung an der ZHAW School of Management and Law, zeigte in seinem Referat die Herausforderungen für Organisationen auf. Diese befänden sich in einer VUCA-Welt, wobei die Abkürzung VUCA Aspekte der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität beschreibe. Mit den bisher traditionellen Führungs- und Organisationsmodellen seien die neuen Herausforderungen jedoch nicht lösbar. Vielmehr werde eine neue Lösung, in Form von agilen Führungs- und Organisationsmodellen, für die jetzt existierenden Probleme benötigt.

Um auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren zu können, bedeute Agilität für Organisationen Kundenzentrierung. Demnach drehe sich alles um den Kunden, sodass sich Unternehmen flexibel an die sich stetig verändernden Kundenbedürfnissen anpassen müssten. Die zentrale Herausforderung für agile Unternehmen sei die optimale Bedienung des Kunden, also dass ein vom Kunden wertgeschätztes Produkt entwickelt werde.

Daniel Previdoli erläutert die Wichtigkeit von Client Insights.

Daniel Previdoli erläutert die Wichtigkeit von Client Insights.

Agilität bedingt ein Umdenken
Die Kundenzentrierung zeigte auch Daniel Previdoli, Leiter der Geschäftseinheit Products, Services & Directbanking und Mitglied der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank, in seinem Referat auf. Besonders würden die Client Insights immer wichtiger werden. Daher lerne die ZKB nicht nur die Bedürfnisse der eigenen Kunden, sondern auch diejenigen von Kunden anderer Banken und Branchen kennen. Basierend auf dem Kundenverständnis würden dann entsprechende Produkte und Dienstleistungen nach agilen Methoden erarbeitet werden.

Um jedoch Agilität in einem Unternehmen nachhaltig zu verankern, sei ein Umdenken notwendig. Die Unternehmenskultur müsse sich verändern, was auch ein neues Führungsverständnis benötige. Als erster Schritt hierfür habe die ZKB ihre Mitarbeiterziele (MbO) abgeschafft, um mehr Gestaltungsspielraum für Mitarbeitende zu schaffen und sie zu motivieren.

Mirjam Bamberger ist überzeugt, dass für Agilität eine Hierachiebefreiung notwendig ist

Mirjam Bamberger ist überzeugt, dass für Agilität eine Hierachiebefreiung notwendig ist

«Don’t fix the people, fix the structures»
Mirjam Bamberger, Leiterin HR & Communications und Mitglied der Geschäftsleitung der AXA, zeigte auf, dass für die Etablierung von Agilität im Unternehmen eine Hierarchiebefreiung notwendig sei. Der Machtpunkt müsse demnach neu verteilt werden. Daher habe die AXA eine Hierarchiestufe rausgenommen, ohne Mitarbeitende zu entlassen.

Auch sie kommt zum Schluss, dass Agilität einen kulturellen Wandel bedinge. Agilität sei ein Mindset und beginne im Kopf jedes Mitarbeitenden. Es müsse eine Kultur geschaffen werden, die es ermögliche, agil zu arbeiten. Mitarbeitende seien dabei das wichtigste Asset einer Organisation.

In der Podiumsdiskussion stellten sich die Referierenden auch den Fragen aus dem Publikum.

In der Podiumsdiskussion stellten sich die Referierenden auch den Fragen aus dem Publikum.

Agile Methoden benötigen Regeln
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde diskutiert, inwieweit Regeln für das Arbeiten nach agilen Methoden notwendig seien. Bamberger führte aus, dass agile Methoden Disziplin bedingen, da klare Prozessschritte vorab definiert werden. Am Ende entstehe jedoch ein Produkt, welches schneller entwickelt und besser auf den Kunden abgestimmt sei. Röösli fügte hinzu, dass Agilität Strukturen beinhalte. Die Strukturen würden jedoch dazu dienen, um Transparenz zu schaffen und eine regelmässige Reflexion und Anpassung zu ermöglichen.

Agilität ist offensichtlich nicht nur ein Schlagwort, sondern ein aktuelles Thema. Mit Hilfe agiler Methoden und Denkweisen können kundenzentrierte und innovative Finanzdienstleistungen entwickelt werden. Für die Etablierung von Agilität in Banken wird jedoch zunächst eine kulturelle Veränderung benötigt – ein Mindset-Change.

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