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9. Winterthurer Wirtschaftsrechtstag 2019 – Verantwortung für alle(s)

«Gehört Ethik zum Erziehungsauftrag der Hochschulen?» Dieser Frage widmete sich der diesjährige Winterthurer Wirtschaftsrechtstag mit rund 120 Teilnehmenden.

WRT_Lehne_JensProf. Dr. Jens Lehne, Leiter der Abteilung Business Law der ZHAW School of Management and LAW (SML), eröffnete den 9. Winterthurer Wirtschaftsrechtstag mit einem Blick in die Zukunft und auf die im Jahr 2020 bevorstehende Reakkreditierung AACSB der SML. Dabei hob er die Wichtigkeit der sogenannten «Impact-Nachweise» hervor, die zeigen, welchen Beitrag die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft leistet. Er illustrierte den Impact, den die Abteilung Business Law in Lehre, Forschung und Weiterbildung bezüglich Digitalisierung, gesellschaftlicher Integration, Internationalisierung und Ethik bewirkt.

 

 

WRT_AeschbacherInputreferate
Mit seinem Inputreferat unter dem Titel «Vertrauen – ein Auslaufmodell?» führte Ex-Fernsehmoderator und UNICEF-Ambassador Kurt Aeschbacher in das Thema des Abends ein. Auf humorvolle und persönliche Art zeigte er auf, dass Vertrauen nichts zeitpunktbezogenes, sondern eine Lebenseinstellung sei, die einer täglichen Erarbeitung bedürfe. «Vertrauen ist die Grundvoraussetzung einer funktionierenden Gesellschaft», betonte Aeschbacher, zumal sich die heutige Gesellschaft zu einer Misstrauensgesellschaft entwickelt habe. Um in der heute stark digitalisierten, vernetzten und komplexen Welt Vertrauen aufbauen zu können, seien unter anderem Konstanten wie Ehrlichkeit, ein klares Wertesystem und Mut unumgängliche Grundpfeiler. Daneben benötige eine vertrauensvolle Gesellschaft stabile demokratische Einrichtungen, ein verlässliches Rechtssystem, ein gutes Bildungsangebot und eine unabhängige Medienlandschaft. Seinen Vortrag schloss Aeschbacher mit einem Appell an das Publikum: «Füllen Sie Ihr Leben nicht mit Erfolgslisten, sondern mit Erlebnissen!»

WRT_Krauskopf_PatrickProf. Dr. Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbs- und Handelsrecht, bot das Gegenstück zu Kurt Aeschbachers Referat. Ausgehend von der provokativen These, dass der Mensch grundsätzlich unethisch sei, führte er aus, welche humanitären, sozialen und ökologischen Katastrophen die Menschheit in der Vergangenheit verantwortet hat und auch gegenwärtig noch verantwortet. «Müssen wir zuerst am Boden ankommen, um ethisch zu werden?», fragte er. Seine Antwort: «Ja!» Auch das Wirtschaftssystem des Wettbewerbs nahm er nicht von seiner Kritik aus. Wenn nämlich aufgrund mangelnder Konkurrenzfähigkeit ein Unternehmen Tausende Menschen entlassen müsse, erachte man dies zwar als ethisch fragwürdig, trotzdem werde es akzeptiert. Um eine ethische Grundhaltung zu erreichen und das Vertrauen der Umwelt zu erlangen, sei es nötig, täglich Rechenschaft über sein eigenes Handeln abzulegen. Sein Fazit: «Es gehört zur Aufgabe der ZHAW und anderer Hochschulen, sich die Ethik zusammen mit den Studierenden zu erarbeiten, damit diese zur Lebenseinstellung wird.»

PaneldiskussionWRT_Panel
Prof. Dr. Mark Alder, Head of Distance Learning des Zentrums für Innovative Didaktik, moderierte die Paneldiskussion. Carolin Metzler, Alumna des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsrecht sowie diplomierte Steuerexpertin, erklärte die ethischen Grundsätze ihres Arbeitgebers PricewaterhouseCoopers (PwC), die sich ihrer Meinung nach nicht stark unterscheiden von denjenigen einer nicht-gewinnorientierten Organisation. «Keine Firma hat ein Interesse daran, in der Presse als unethisch dargestellt zu werden». Johan Alexis Palomeque, Student des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsrecht und Präsident der Studentenvereinigung ELSA Winterthur, führte seinerseits aus, dass der Leistungsauftrag seiner Arbeitgeberin, der Caritas Schweiz, per se einen ethischen Grundsatz verfolge. Kurt Aeschbacher wiederum fand die Differenzierung zwischen NPOs und gewinnorientierten Unternehmen irrelevant, denn das Streben nach Gewinn ermögliche schliesslich vielen Menschen einen Erwerb und damit eine Lebensgrundlage. Schliesslich betonte Prof. Dr. Patrick L. Krauskopf das Spannungsfeld zwischen dem Erziehungsauftrag der Hochschulen und dem Wirtschaftskreislauf. Denn Hochschulen würden primär daran gemessen, wie gut ihre Absolventinnen und Absolventen in der Realwirtschaft einsetzbar seien und nicht daran, wie ethisch sich diese verhalten. Es sei deshalb immer wieder herausfordernd, die ethischen Grundwerte nachhaltig zu vermitteln.

WRTSIeber_PhilippSchlusswort
Abschliessend bedankte sich Prof. Dr. Philipp Sieber, Leiter Lehre der Abteilung Business Law, bei allen Panelisten für die lebhafte und kurzweilige Diskussion und beantwortete die Frage «Gehört Ethik zum Erziehungsauftrag der Hochschulen?» aus seiner Sicht als Studiengangleiter. Formell müsse dieser Auftrag, bedingt durch die Anforderungen der Akkreditierung, klar von Hochschulen wahrgenommen werden. Materiell entspräche es zudem dem Ethos aller Dozierenden, Menschen auszubilden, die verantwortungsvolle Entscheidungen treffen. Denn das Recht sei nicht zuletzt eine normative Disziplin, welche ethische Verantwortung voraussetze und auf dem Prinzip von Treu und Glauben aufgebaut sei. Schliesslich wurden alle eingeladen, den Abend beim Apéro riche und einem Drink in der Alumni-Lounge ausklingen zu lassen. Im nächsten Jahr wird die Jahresveranstaltung für alle Wirtschaftsjuristinnen und -juristen der SML am 7. Mai 2020 stattfinden. Alle Interessierten sind bereits heute herzlich eingeladen.

Auskunft: Prof. Dr. Philipp Sieber, Leiter Lehre der Abteilung Business Law