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4. Tagung «Compliance bei Stiftungen und Vereinen – Transparenz als Wettbewerbsvorteil»

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Kristina Picenoni und Patrick Krauskopf eröffneten die Online-Tagung

Kristina Picenoni

Patrick Krauskopf, Leiter Zentrum für Wettbewerbsrecht und Compliance, begrüsste gemeinsam mit der Co-Organisatorin, Kristina Picenoni vom «Liberalen Institut» am 1. Juli 2021 die Zuschauerinnen und Zuschauer zur IV. Tagung «Compliance bei Stiftungen und Vereinen». Auch dieses Jahr konnten wieder hochkarätige Rednerinnen und Redner gewonnen werden.

Das Thema der diesjährigen Tagung ist die Transparenz als Wettbewerbsvorteil. Es ist nicht einfach ein transparentes Informationsmanagement auf strategischer und operativer Ebene aufzubauen und zu pflegen. Die zentrale Frage der Tagung war daher, wie viel Transparenz muss, kann und darf überhaupt sein?

Tagung wurde musikalisch begleitet durch die Mitglieder (Siena Licht Miller, Luca Bernard und William Green) des Internationalen Opernstudios der Oper Zürich und auf Youtube gestreamt.

Siena Licht Miller - Mezzo

Siena Licht Miller – Mezzo

Luca Bernard - Tenor

Luca Bernard – Tenor

William Green - Pianist

William Green – Pianist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fokus I: Transparenz in der Mittelbeschaffung

Sarah Wyss – «Gemeinsam geht es besser. Wer finanziert die Selbsthilfe?»

Sarah Wyss mit dem ersten Vortrag

Sarah Wyss mit dem ersten Vortrag

Sarah Wyss, Nationalrätin und Geschäftsführerin der Stiftung Selbsthilfe Schweiz, erläuterte die Herausforderungen von operativen Stiftungen. Die Stiftung Selbsthilfe Schweiz fördert die operativen Tätigkeiten der Selbsthilfegruppen, dies umfasst die Beratung bestehender Gruppen, Aufbau von neuen Selbsthilfegruppen, Qualitätssicherung- und Entwicklung etc. Es werden nicht alle Kosten durch den Leistungsauftrag des Staates gedeckt, weshalb die Stiftung auch auf finanzielle Hilfe Dritter angewiesen ist. Ca. 40% wird durch Leistungsaufträge des Staates finanziert. Dies beinhaltet vor allem die Vernetzung und Beratung der Selbsthilfe und ist auf klare gesetzliche Grundlagen zurückzuführen. 20% wird durch Eigenerträge finanziert, z.B durch eigene Veranstaltungen, Weiterbildungen etc. 40% werden durch Drittmittel beschaffen, also durch Förderstiftungen oder durch Spenden von Unternehmen. Die grössten Herausforderungen bestehen bei der Finanzierung durch Drittmittel. Beispielsweise ist bei der Finanzierung durch Förderstiftungen zum Teil schwierig Projekte zu lancieren, welche auch mit dem Zweck der Förderstiftungen vereinbar sind. Die Stiftung Selbsthilfe Schweiz möchte keine Selbsthilfegruppe benachteiligen, daher ist sie an einer Basisfinanzierung interessiert. Bei der Finanzierung durch Unternehmen hingegen ergeben sich andere Herausforderungen. Es gibt viele Unternehmen welche Stiftungen unterstützen wollen, jedoch ist dies auch mit Gegenleistungen verbunden. Oft entsteht durch die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen ein klassisches Sponsoring-Verhältnis. Die Schwierigkeit hierbei ist es, durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen das unabhängige Handeln der Stiftung zu wahren. Wichtig ist es hierbei, nach aussen mit einem klaren Leitbild aufzutreten, um die Finanzierungsgrundsätze für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Sarah Wyss betonte ebenfalls wie wichtig es ist, dass die Finanzrapporte transparent der Öffentlichkeit wiedergegeben werden. Wird offen aufzeigt wie die finanzielle Situation aussieht, so ist auch nachvollziehbar in was das Geld investiert wird.

Dies sind die täglichen Herausforderungen, mit welchen sich operative Stiftungen auseinandersetzen müssen.

Rasha Hammad – «Our vision: a world without human trafficking. As an NGO we are dependent on trasparent private donations»

Rasha Hammad über die ethischen Grundsätze

Rasha Hammad über die ethischen Grundsätze

Rasha Hammad, CEO und Gründerin von Youth Underground, präsentierte die grundlegenden Prinzipien, welche für Youth Underground bei der Spendensammlung von höchster Priorität sind.

Youth Underground ist ein Schweizerischer Verein mit Sitz in Genf, welcher weltweit tätig ist. Die Mission ist es, den Menschenhandel durch Bildung der Jugend und durch Aufklärungsarbeit zu verhindern.

Das Sammeln von Spenden ist deshalb so wichtig für diese Organisation, da ohne Hilfsgelder ihre Tätigkeit nicht möglich wäre. Youth Underground haben strikte Prinzipien, an die sie sich bei der Auswahl der Spendengebern, resp. bei der Annahme von Spendengeldern halten. Die Spendengeber müssen eine ausgeprägte Corporate Social Responsibility Kultur aufweisen und völlig transparent sein. Rasha Hammad betonte ausserdem, dass es gewisse Spendengeber gibt, von denen sie auf keinen Fall Hilfsleistungen annehmen würden. Z.B nehmen sie keine staatlichen Hilfsmittel an, damit diese Staaten oder diese Regierungen keinen politischen Druck auf Youth Underground ausüben können. Des Weiteren kommen Unternehmen, welche nicht im Einklang mit den Prinzipien von Youth Underground arbeiten, als Spendengeber nicht in Frage. Aus diesem Grund wird Youth Underground als sehr ethisches Unternehmen wahrgenommen. Sie betreiben Compliance, arbeiten transparent und dies wird von der Öffentlichkeit auch wahrgenommen. Die Schulen, die Medien und die Unternehmen wissen, dass Youth Underground ethisch und moralisch handelt und dies ist auch der Grund, warum sie als Organisation wachsen. Jede Person kann nachschauen, von wo die Spenden herkommen. Es handelt sich meistens um mehrere kleinere Spendenbeträge, jedoch durch moralisch vertretbare Geldgeber und auf das ist Rasha Hammad sehr stolz.

Zum Schluss wies Rasha Hammad darauf hin, dass weltweit 130 Millionen Kinder jede Stunde dem Menschenhandel zum Opfer fallen. Die meisten davon sind Kinder. Jedes Unternehmen, welches etwas zur Bekämpfung des Menschenhandels beitragen möchte, kann sich am Programm von Youth Underground beteiligen.

Panel-Diskussion

Adrian Förster: "Die Öffentlichkeit interessiert sich mehr für die Transparenz bei der Mittelverwendung"

Adrian Förster: “Die Öffentlichkeit interessiert sich mehr für die Transparenz bei der Mittelverwendung”

Patrick Krauskopf moderierte die Paneldiskussion. Als erstes begrüsste er Herrn Adrian Förster, CEO von Save the Children Schweiz, der ältesten Kinderrechtsorganisation der Welt. Er bat ihn als Einstig in die Panel-Diskussion, seine Meinung zu den bisherigen Standpunkten darzulegen.

Laut Adrian Förster lebt auch Save the Children Schweiz von Spendengeldern und Compliance und Transparenz ist auch bei ihnen ein grosses Thema. Er betonte, dass Prinzipien und Regeln bei der Mittelbeschaffung extrem wichtig sind. Seiner Erfahrung nach jedoch, interessiert sich die Öffentlichkeit mehr darüber  wie die Mittel verwendet werden als woher die Mittel stammen.

Patrick Krauskopf ging mit den Panelisten der Frage nach, ob das Interesse der Öffentlichkeit wirklich so gering ist bei der Herkunft von Spendengeldern, vor allem wenn man bedenkt, dass vor nicht allzu langer Zeit die Konzernverantwortungsinitiative fast angenommen wurde. Ausserdem fragte er die Panelisten, welchen Stellenwert die Compliance heute hat und was sie den anderen Vereinen und Stiftungen auf den Weg geben können.

Von links nach rechts: Patrick Krauskopf, Rasha Hammad, Adrian Förster, Sarah Wyss

Von links nach rechts: Patrick Krauskopf, Rasha Hammad, Adrian Förster, Sarah Wyss

Rasha Hammad machte klar, dass die Meinungen in der Öffentlichkeit bezüglich Beschaffung der Spendengelder auseinander gehen. Es gibt Leute welche den Standpunkt vertreten, dass es im Endeffekt keine Rolle spielt woher die Gelder stammen, so lange sie ethisch verwendet werden. Sie ist der Überzeugung, dass ihre Reputation gefährdet wäre, wenn sie Spendengelder von unethischen Organisationen oder Regierungen annehmen würden. Wenn man den Zweck verfolgt, den weltweiten Menschenhandel zu stoppen und sehr viel Wert auf ethische und moralische Grundsätze legt, dann muss man auch davon ausgehen, dass die Interessengruppen dies genau so sehen. In diesem Sinne ist aufgrund dieser Grundsätze die Compliance extrem wichtig für Youth Underground, denn ohne Compliance würden sie grosse Reputationsschäden riskieren. Vereinen und Stiftungen ratet sie, immer im Auge zu behalten welchem Ziel sie nachgehen und welche Interessengruppen ihre Arbeit verfolgen. Sie sieht einen steigenden Trend was das Interesse der Öffentlichkeit angeht und wenn man sich nachhaltig als Organisation entwickeln möchte, muss die Compliance priorisiert werden.

Sarah Wyss machte auf den Unterschied zwischen staatlichen Leistungsaufträgen und «freiwilligen Hilfsleistungen» aufmerksam. Bei staatlichen Leistungsaufträgen ist aufgrund der zwingenden gesetzlichen Grundlagen die Transparenz stets gegeben.  Bei «freiwilligen Hilfsleistungen» liegt der Fokus der Öffentlichkeit eher auf die Frage, was mit dem Geld gemacht wird resp. gemacht wurde. Bei der Mittelbeschaffung ist das Interesse hingegen nicht so gross wie bei der Mittelverwendung, wird aber sowohl bei staatlichen Leistungsaufträgen als auch bei «freiwilligen Hilfsleistungen» immer wichtiger. Die Stiftungslandschaft wird sich diesbezüglich in den kommenden Jahren verändern und den Fokus vermehrt auf die Compliance setzten, um keine Reputationsschäden zu riskieren. Den Vereinen und Stiftungen gibt sie auf den Weg, klare Regeln bezüglich der Beschaffung von Spendengeldern aufzustellen. Es sollten keine Spenden von Organisationen angenommen werden, welche dem eigenen Stiftungszweck widersprechen. Eine laufende Überprüfung des Mittelzuflusses ist ebenfalls bedeutend, damit stets sichergestellt ist, dass die Mittel aus Taschen stammen hinter diesen man auch stehen kann. Ausserdem sollten Vereine und Stiftungen stets transparent sein, damit die Öffentlichkeit auch sieht, woher die Mittel herkommen und wie sie verwenden werden.

Aus der Sicht des Gesetzgebers sieht sie momentan keinen Bedarf für Änderungen. Mit dem Institut der Stiftungsaufsicht gibt es eine gute Grundlage betreffend Überwachung der Stiftungen.

Adrian Förster fügte zu seiner vorherigen Aussage hinzu, dass Compliance Programme in der Beschaffung von Spendengeldern wichtig sind. Save the Children Schweiz setzt dies auch mit einer sehr feinmaschigen Prüfung der Geldgeber um, jedoch stellte die Öffentlichkeit bisher weniger Fragen dazu. Er findet es aber wichtig und gut, wenn Spender oder Interessengruppen kritisch sind und sich über die Mittelbeschaffung erkundigen. Auch habe Save the Children Schweiz ein Child Rights and Business Beratungsangebot, wo mit Businesspartnern die Wertschöpfungskette bezüglich ihrer Auswirkungen auf Kinderrechte angeschaut wird.

Fokus II: Transparenz in der Mittelverwendung

Caroline Buss – Der Brückenschlag: Transparenz als Wettbewerbsvorteil

Caroline Buss von der StiftungSchweiz

Caroline Buss von der StiftungSchweiz

Caroline Buss stellte die Haupttätigkeiten von StiftungSchweiz vor. Sie ist dort unter anderem für Compliance zuständig. StiftungSchweiz ist keine Stiftung, sondern eine Plattform, welche die Akteure der Philanthropie in der Schweiz digital miteinander verbindet. Die drei Bereiche, welche vorgestellt wurden, sind die Stiftungsplattform, die Spendenplattform und ihr Branchenmagazin «THEPHILANTHROPIST».

Die Stiftungsplattform soll Projektträger (mittelsuchende Organisationen) und Förderstiftungen miteinander verbinden. Ein Projektträger kann auf dieser Plattform nach passenden Geldgebern suchen, aber auch Förderstiftungen können nach passenden Projekten suchen, um ihre Förderung zu platzieren.

Die Spendenplattform ist für private Spender gedacht. Diese können dort gemeinnützige Organisationen finden und nachlesen, was diese bewirken. Wenn eine passende Organisation gefunden wurde, kann man direkt über die Plattform einen Betrag spenden. Die spendenerhaltende Organisation hat über die Plattform einen detaillierten Überblick über die Spenden.

Durch dieses simple Prinzip können Spendengeber und Spendensuchende ideal miteinander verbunden werden, jedoch musste StiftungSchweiz für die Umsetzung einige Hürden überwinden. Denn durch dieses System wurde StiftungSchweiz zu einem Finanzintermediär, da das Geld einige Tage auf einem Treuhandkonto liegt, ehe es an die gemeinnützige Organisation weitergeleitet wird. Somit unterstehen sie dem Geldwäschereigesetz und sind unter der Aufsicht der FINMA. Nach über einem Jahr internen Umstellungen und Verhandlungen mit der FINMA hat StiftungSchweiz eine Ausnahmebewilligung erhalten. Diese Umstellungen waren teuer und aufwändig, jedoch haben diese viel Positives bewirkt. StiftungSchweiz muss nun dadurch, dass sie der FINMA unterstellt ist, einige Kontrollmechanismen durchführen, ehe Spendenzahlungen vorgenommen werden können. Dadurch wird für alle Beteiligten Sicherheit und Transparenz geschaffen.

Nik Gugger – Inputreferat

Nationalrat Nik Gugger

Nationalrat Nik Gugger

«Spenden ist nicht einfach». Mit diesen Worten begann Nik Gugger, Nationalrat und Sozialunternehmer, das Inputreferat zur Transparenz in der Mittelverwendung. Er brachte einige interessante Denkanstösse für die Panel-Diskussion.

Was bedeutet Transparenz und wo beginnt diese? Gemäss Nik Gugger bedeutet Transparenz Durchsichtigkeit und kann bei einem NGO bereits bei der internen Kommunikation anfangen. Spender aber auch Mitarbeiter müssen klar nachvollziehen können, welche Mittel wann und wie gespendet wurden. Daher ist es sehr wichtig, dass gerade eine NGO nach innen und aussen klar und transparent kommuniziert. Dies kann eine grosse Herausforderung sein und ein NGO muss ihren Mitarbeitern und den Spendern die Schritte klar aufzeigen.

Auf der anderen Seite stellte Nik Gugger klar, dass Transparenz sensibel angegangen werden muss. Die Privatsphäre und die berufliche Integrität des einzelnen Spenders sind nicht immer transparent. Es muss mit Bedacht gewählt werden, welche Informationen an die Öffentlichkeit gehen dürfen.

Ein weiterer Interessanter Punkt sind Interessenskonflikte zwischen den Anspruchsgruppen. Diese können zu Intransparenz führen und jede Organisation muss sich laut Nik Gugger in so einem Fall überlegen, wann der richtige Moment ist etwas zu kommunizieren – was ist moralisch vertretbar für die Organisation?

Als letzten interessanten Input stellte Nik Gugger die Frage, wie sich Organisationen verhalten sollen, wenn Projekte scheitern? Wie Transparent sollen Fehlinvestitionen und Fehlverhalten kommuniziert werden? Als aktuelles Beispiel brachte er die WWF, welche in der letzten Zeit gross in der Presse war. Die WWF hat in der Vergangenheit grossartige Arbeit geleistet, jedoch kämpfen sie jetzt um ihren Ruf aufgrund von Menschenrechtsverletzungen.

Panel-Diskussion

Robert Schmuki, vom CEPS der Universität Basel  moderierte die zweite Paneldiskussion, welche über den Bereich der Compliance hinaus ging. Es wurde darüber diskutiert, wie transparent die Organisationen sein müssen und was zu welchem Zeitpunkt an wen kommuniziert werden kann. Insbesondere wurde die Frage aufgegriffen, wie transparent Fehler kommuniziert werden sollen.

Von links nach rechts: Robert Schmuki, Caroline Buss, Daniel Waser, Nik Gugger, Michel Rudin

Von links nach rechts: Robert Schmuki, Caroline Buss, Daniel Waser, Nik Gugger, Michel Rudin

Daniel Waser, Gründer von Stiftungsplus und langjähriger Geschäftsführer der Zürcher Filmstiftung ist der Meinung, dass sich jede Organisation von Anfang an eine Transparenzstrategie überlegen muss. Transparenz bedeute nicht, dass über alles und jedes berichtet werden müsse. Teilweise gibt es schützenswerte Interessen, welche man nicht preisgeben darf. Auch diese Überlegungen sind jedoch transparent darzulegen. Eine umfassende Transparenzstrategie ist wichtiger Bestandteil des Wirkungsmanagements und immer eine Investition in die Zukunft, um Vertrauen zu schaffen. Bei der Zürcher Filmstiftung wurde jährlich ein offenes Forum veranstaltet, bei dem alle Interessengruppen eingeladen und ihre Fragen beantwortet wurden. Dies hat sich sehr positiv auf das Vertrauen in die Institution und auf die zukünftige Arbeit ausgewirkt.

Laut Michel Rudin von der Stiftung KMU für Rechtsdurchsetzung ist die Transparenzpolitik je nach Organisation unterschiedlich. Bei der Stiftung KMU für Rechtsdurchsetzung muss dies auch im Einzelfall abgeklärt werden. Es gibt Situationen bei denen mehrere KMU gegen einen Konzern vorgehen. Dort ist es unter Umständen gar nicht sinnvoll transparent zu sein.

Was die Transparenz gegenüber den einzelnen KMU angeht, ist es laut Michel Rudin von grosser Bedeutung offen und realistisch zu kommunizieren. Wenn man sich beispielsweise für die KMU gegen einen grossen Konzern einsetzt, wäre es unrealistisch zu behaupten, dass man nach der Realisierung des Projekts nie mehr in ein Abhängigkeitsverhältnis kommt. Die Erfolgschancen müssen von Anfang an realistisch kommuniziert werden.

Caroline Buss betonte ebenfalls, dass die Transparenzstrategie von Anfang an geplant werden muss. Sie fügte h hinzu, dass eine regelmässige Kommunikation mit den Interessengruppen, vor allem mit den Spendengebern, wichtig ist. Sollte ein Projekt scheitern und die Spendengeber wurden regelmässig über den Verlauf des Projekts informiert, ist das Verständnis für das Scheitern grösser. Wichtig ist ebenfalls, dass Förderstiftungen auch Projekte unterstützen, welche scheitern können, denn aus Fehlern kann man lernen und sich weiterentwickeln.

Auch Nik Gugger ist der Meinung, dass es entscheiden ist seine Kommunikationsstrategie von Anfang an festzulegen. Bei Fehlern in Projekten betonte er ausserdem, dass Organisationen auch zeigen müssen, dass sie nicht perfekt sind und Fehler machen. Solche Schwachpunkte können in manchen Situationen auch in eine Stärke umgewandelt werden. Er erzählte von einem Fall, bei dem ein Hilfspacket am Flughafen stecken geblieben ist und nicht dort ankam wo es sollte. Er hat dies den Spendengebern dann auch offen kommuniziert und diese haben Verständnis gezeigt und trotzdem weiter gespendet.

Fokus III: Transparenz im Datenschutz

Sebastian Rieger – Compliance und das neue Datenschutzrecht der Schweiz: Wichtige Neuerungen und Altbewährtes

Sebastian Rieger erläutert das neue Datenschutzgesetz der Schweiz

Sebastian Rieger erläutert das neue Datenschutzgesetz der Schweiz

Sebastian Rieger, von proFonds, Dachverband gemeinnütziger Stiftungen der Schweiz, erläuterte die wichtigsten Herausforderungen, die mit dem neuen Datenschutzgesetz auf gemeinnützige Stiftungen und Vereine zukommen.

Der Datenschutz ist deshalb für die Compliance wichtig, weil im Fall der Nichteinhaltung erhebliche Risiken bestehen. Das neue Datenschutzgesetz wird voraussichtlich 2022 in Kraft treten. Die Schweiz sieht keine Übergangsfrist vor, daher muss man sich bereits heute damit auseinandersetzen, um 2022 compliant zu sein.

Sebastian Rieger informierte über die wichtigsten Bestimmungen des neuen Datenschutzgesetzes und auch über die damit verbunden Pflichten und Risiken. Datenschutz ist Teil des Risikomanagements, da durch eine Verletzung des Datenschutzgesetzes Haftungsrisiken, Risiken gegenüber den Mitarbeitern, aber auch das Risiko eines Reputationsschadens bestehen.

Datenschutz ist aufwändig und kostet, jedoch bietet eine gute und gesetzeskonforme Umsetzung auch Chancen. Wenn eine Organisation transparent offenlegen kann, welche Daten wozu, wie und in welchem Umfang bearbeitet werden, kann dies ein Wettbewerbsvorteil sein.

Volker Dohr – Transparenz im Datenschutz – auch für Stiftungen? Erläuterungen anhand des revidierten Datenschutzgesetzes

Volker Dohr berichtet über Herausforderungen und Chancen des neuen Datenschutzgesetzes

Volker Dohr berichtet über Herausforderungen und Chancen des neuen Datenschutzgesetzes

Das gesamte Datenschutzgesetz gilt auch für Organisationen, welche gemeinnützige Arbeit leisten. Daher stellt sich die Frage, wo man als Verein oder Stiftung transparent sein muss. Volker Dohr vom Zentrum für Wettbewerbsrecht und Compliance der ZHAW School of Management Law, brachte einige wertvolle Informationen und Erläuterungen zu diesem Thema.

Wichtig ist zu wissen, wann man von einer Datenbeschaffung redet: Nur wenn aktiv Daten aufgenommen werden, werden auch Daten beschaffen. Bei einer zufälligen Datenaufnahme, z.B bei Notizen eines zufälligen Telefonanrufs handelt es sich nicht um eine Datenbeschaffung. Im Geschäftsverkehr muss im Gegensatz zur EU keine Einwilligung eingeholt werden, wenn Daten bearbeitet werden. So lange man sich an das Datenschutzgesetz hält genügt es, dass für Interessierte die Möglichkeit besteht sich über die Datenerhebung zu informieren. Das gleiche gilt auch bei Webseitenbesuchen. So lange die Daten in der Schweiz gespeichert werden, müssen keine Cookie- oder Datenschutzerklärungen bestätigt werden, es genügt die Information auf der Webseite.

Laut Volker Dohr gibt es aber viele Bereiche, bei denen man transparent sein muss. Beispielsweise bei Hackerangriffen, bei Datenerhebungen durch automatisierte KI-Entscheide, bei Datenverlust und besonders dann, wenn Behörden oder Interessengruppen Anfragen stellen. Gegenüber Behörden ist es wichtig auch die formellen Vorgaben zu erfüllen. Dazu gehören unter anderem das Führen eines Verfahrensverzeichnisses, datenschutzkonforme Prozesse, Schulungen etc.

Abschliessend hielt Volker Dohr fest, dass die Anforderung an die Transparenz der Datenbearbeitungstätigen gross sind und regelmässig einer kritischen Prüfung unterzogen werden müssen.

Panel-Diskussion

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Von links nach rechts: Patrick Krauskopf, Volker Dohr, Claudia Dutli, Sebastian Rieger

Bei der dritten und letzten Panel-Diskussion wurden interessante Aspekte betreffend Kommunikation in Bezug auf den Datenschutz diskutiert und Problembereiche bei der Umsetzung des Datenschutzes angesprochen. Unter anderem wurde die Frage aufgegriffen, was in Bezug auf den Datenschutz passiert, wenn mehrere Vereine oder Stiftungen bei einem Projekt gemeinsam Daten bearbeiten oder sogar fusionieren?

Laut Sebastian Rieger ist bei einem guten Datenschutzmanagement entscheidend, dass sich die Organisationen bewusst sind, welche Daten im Hintergrund gespeichert werden. Darum sollte die Umsetzung des Datenschutzes sorgfältig geplant werden. Wenn Daten digital abgespeichert werden, ist auch entscheidend, wie dies nach Aussen kommuniziert wird. Eine transparente Kommunikation ist darum besonders wichtig.

Sebastian Rieger wies auch darauf hin, dass es bei gemeinsamen Projekten für die betroffenen Personen erkennbar sein muss, zu welchem Zweck ihre Daten erhoben werden. Wurde ein Spender beispielsweise nur über einen Teil der Datenbeschaffung informiert und im Rahmen des gemeinsamen Projekts kamen noch weitere Datenverarbeitungen hinzu, muss der Spender erneut informiert werden, damit alles gesetzeskonform abläuft. Bei Fusionen gehen die Rechte und Pflichten der Daten grundsätzlich auf die übernehmende Organisation über und damit auch sämtliche Datensätze. Man ist wohlberaten, die Fusion gegenüber den betroffenen Interessengruppen offen zu kommunizieren. Eventuell gibt es Leute, die sich mit der neuen Organisation nicht identifizieren können und da muss man ihnen auch die Möglichkeit geben, die Löschung der Daten zu beantragen.

Volker Dohr gab Interessante Inputs aus dem Bereich der angewandten Wissenschaften. Auf jeden Fall sollte man laut ihm «copy and paste» bei der Gestaltung des Datenschutzes vermeiden. Was jemand anderes in der Datenschutzerklärung seiner Organisation hat ist nicht zwingend gesetzeskonform. Man muss stets bedenken, dass jede Person, welche von einem schlechten Datenschutz betroffen ist, eine Strafanzeige machen kann. Das Risiko durch «copy and paste» schlechte oder ungenügende Datenschutzerklärung anzufertigen ist hoch. Des Weiteren sollten einfache Instrumente genutzt werden, um Webseiten auf Datenschutzkonformität zu überprüfen (wie z.B Cookie-Checker etc.). Ebenfalls gab Volker Dohr den Vereinen und Stiftungen auf den Weg, die Chancen der schweizerischen Datenschutzgesetzgebung zu nutzen, denn diese erlaubt den Organisationen weniger detailliert zu informieren.

Bezüglich Fusionen fügte Volker Dohr an, dass die Interessengruppen proaktiv informiert werden müssen. Dies gilt insbesondere auch, falls nach einer Fusion eine Spaltung erfolgt (etwa weil die Fusion doch nicht die gewünschten Resultate brachte). Beide Organisationen müssen ihre Spender und Interessenten darüber informieren, damit diese auch entscheiden können, was mit ihren Daten passiert.

Claudia Dutli, Verlagsleiterin des Branchenmagazins «THEPHILANTHROPIST», vermittelt durch das Magazin einfache und komplexe Inhalte verständlich an Aussenstehende. Die Vermittlung der Herausforderungen des neuen Datenschutzgesetzes erfolgte durch die Hilfe von Experten. Somit konnte auch fachfremden Personen aufgezeigt werden, was auf sie zukommt und welche Risiken sie eingehen bei einer Nichteinhaltung des neuen Datenschutzgesetzes. Neben der Vermittlerrolle ist «THEPHILANTHROPIST» aber auch selbst vom Datenschutz betroffen. Claudia Dutli führte aus, dass sie bewusst online gegangen sind, da man in der heutigen Zeit nicht nur über Printmedien informieren kann. Es ist wichtig die Leserschaft auszubauen. Was den Aufbau des Datenschutzes angeht, unterscheidet sich «THEPHILANTHROPIST» nicht gross von anderen Unternehmen. Der erste Schritt war auch für sie die Errichtung des Aussenbildes, insbesondere der Datenschutzerklärung. Früher hätte man eine Datenschutzerklärung wahrscheinlich versucht kostenlos zu machen. In der heutigen Zeit ist dies laut Claudia Dutli Sparen am falschen Ort.

Absolventen CAS Compliance Officer / CAS Compliance International /CAS Intellectual Property LAW

Patrick Krauskopf und David Stärkle prämierten die Absolventinnen und Absolventen der Lehrgänge und gratulierten ihnen herzlich zum erfolgreichen Abschluss.

Abschluss

Patrick Krauskopf bedankte sich herzlich bei allen Rednerinnen und Rednern, sowie auch bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, welche den reibungslosen Ablauf der Tagung ermöglicht haben. Die nächste Veranstaltung «Compliance bei Stiftungen und Vereinen» findet traditionell am 01.07.2022 statt. Alle Interessierten sind bereits heute herzlich eingeladen.

Weitere Auskünfte

Patrick Krauskopf, Zentrum für Wettbewerbsrecht und Compliance