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20 Jahre im Interesse der öffentlichen Verwaltung

Mit rund 100 Gästen feierte das Institut für Verwaltungs-Management am 1. November sein 20-jähriges Bestehen – darunter auch ZHAW-Rektor Jean-Marc Piveteau und Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle. Zum Thema «Auslagerung in der Verwaltung» äusserten sich Redner aus Forschung und Praxis an der Jubiläumsfeier.

«Die öffentliche Hand muss sich warme Handschuhe anziehen», sagte Jean-Marc Piveteau, Rektor der ZHAW zu Beginn der Jubiläumsfeier des Instituts für Verwaltungs-Management. Unter dem Begriff New Public Management müssten sich öffentliche Organisationen mit knapperen Budgets den Herausforderungen einer immer komplexeren Gesellschaft stellen. «Es gibt keinen Ort an unserer Hochschule, der diese Umbrüche besser kennt als das Institut für Verwaltungs-Management. Mit der Interdisziplinarität und dem Praxisbezug lebt es einen wichtigen Teil unserer Strategie – und das schon seit zwanzig Jahren.»

1996 wurde das Institut als privatrechtliche Stiftung gegründet, um Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltung besser auszubilden. Auch nachdem es im Jahr 2000 in die heutige ZHAW School of Management and Law (SML) integriert wurde, blieb die Stiftung erhalten. Stifter sind neben der ZHAW der Kanton Zürich, die Städte Winterthur und Zürich, der Verein Zürcher Gemeindeschreiber und Verwaltungsfachleute (VZGV) sowie der Gemeindepräsidentenverband (GPV). «Gemeinsam wollen wir die Aus- und Weiterbildung sowie den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereich Forschung und Dienstleistung unterstützen», erklärte Stiftungsratspräsident Adrian Hauser. Anhand des Themas «Auslagerungen in der Verwaltung» zeigten verschiedene Referenten am Jubiläumsanlass, welche Herausforderungen den öffentlichen Sektor heute beschäftigen.

Ein richtiges Mass an Transparenz
Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle betonte in seiner Begrüssungsrede die guten Beziehungen des IVM zur Stadt Winterthur. Trotzdem bleibe das IVM in seinem Auftrag neutral und dürfe auch Kritik an seinen Partnern üben. So untersuchte Achim Lang, Leiter der Fachstelle für Public Governance, in einer Studie die Transparenz und die Berichterstattung von Organisationen mit städtischer Beteiligung in der Deutschschweiz. Im Falle der Wärme Frauenfeld AG seien etwa keine Geschäftsberichte oder Berichte zu Risiken und Beziehungen zu Stakeholdern veröffentlicht worden. «Transparenz ist aber entscheidend, um eine negative öffentliche Wahrnehmung von staatlich beherrschten Organisationen (SOE) zu verhindern, Partikularinteressen zu vermeiden und die Sicherstellung des Wettbewerbs mit privaten Unternehmen zu gewährleisten», sagte Lang.

Zu viel Transparenz in bestimmten Punkten könne den SOE aber auch Schaden, sagte Andres Türler, der als Zürcher Stadtrat für das Elektrizitätswerk EWZ zuständig ist. «Weil wir Entscheidungsgrundlagen publizieren müssen, spielen wir für die Mitbewerber mit offenen Karten. Ausserdem sind die Entscheidungswege im volatilen Energiemarkt zu lang», so Türler. Mehrfach wurde deshalb versucht, die Rechtsform des EWZ zu ändern, das als Dienstabteilung dem Departement der Industriellen Betriebe unterstellt ist. Jüngst ist der Zürcher Gemeinderat nicht auf die Vorlage eingetreten, das EWZ in eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt umzuwandeln. «Wir bedauern diesen Entscheid natürlich», so Türler. «Offenbar ist die Abgrenzung zwischen politischen und unternehmerischen Entscheiden nicht erwünscht.»

Rechtsform allein ist nicht entscheidend
Ein Beispiel, wie Auslagerungen im öffentlichen Sektor gelingen können, zeigte Karsten Bugmann, Verwaltungsratspräsident der Spitex Region Brugg AG. «Aufgrund des demographischen Wandels, höheren Pflegekosten und gesetzlichen Ausbildungsverpflichtungen für Pflegepersonal konnten viele Gemeinden die Spitex-Betreuung nicht mehr selbst tragen», sagte Bugmann. Um eine gemeinsame Pflegeorganisation wirtschaftlich professionell zu führen und die Mitbestimmung der Gemeinden als Geldgeber zu garantieren, schlossen sich 15 Gemeinden im Aargau zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft zusammen. Rund 100 Mitarbeitende leisten heute in einem Einzugsgebiet von 40’000 Personen 240 Einsätze pro Tag und erzielen einen Umsatz von gut sechs Millionen Franken pro Jahr. «Wir haben gelernt, dass die Rechtsform nicht Garant für den Erfolg einer Unternehmung ist, sie schafft aber geeignete Rahmenbedingungen und regelt die Grundzüge der Organisation auf eindeutige Weise», lautete das Fazit von Karsten Bugmann.

«Effizienzsteigerung ist eher auf Wettbewerbsdruck, als auf die Rechtsform zurückzuführen», bestätigte auch Andreas Bergmann, Leiter der Abteilung Public Sector der SML. «Ausgelagerte Unternehmen, die dem Wettbewerb vollständig ausgesetzt sind, werden effizienter oder verschwinden.» Bergmann zeigte auf, welche Folgen Auslagerungen in der Verwaltung aus finanzpolitischer Sicht haben können. Am Beispiel von Portugal erörterte er, wie Auslagerungen oftmals zu einer erhöhten Verschuldung führen. «Um dies zu vermeiden, müssen ausgelagerte Einheiten nach internationalen Rechnungslegungsstandards geführt und mit dem Staatshaushalt konsolidiert werden», so Bergmann. Als ehemaliger Leiter des Instituts für Verwaltungs-Management war er massgeblich an der Ausarbeitung der International Public Sector Accounting Standards (IPSAS) und deren Anwendbarkeit in der Schweiz beteiligt. «Auslagerungen sind ein anspruchsvolles Instrument, können aber bei richtiger Handhabung durchaus vorteilhaft sein», lautete sein Fazit.

In einer abschliessenden Diskussionsrunde, die von Institutsleiterin Caroline Brüesch geleitet wurde, stellten sich die Referenten den kritischen Fragen des Publikums. Die rund 100 Teilnehmenden aus Verwaltung, Wirtschaft und dem Hochschulumfeld diskutierten im Anschluss beim Apéro riche noch ausgiebig weiter. Themen für Forschung, Lehre und Weiterbildung werden dem Institut für Verwaltungs-Management auch in den nächsten 20 Jahren bestimmt nicht ausgehen.

Auskunft: Caroline Brüesch, Institut für Verwaltungs-Management

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